22 durch Verfügung vom 30. April die unentgeltliche Erteilung einiger Unterrichtsstunden durch den gedachten Lehrer. Auf Grund dieser Ermächtigung hat derselbe bis zum Ende des laufenden Schuljahres einzelne Lektionen in Stellvertretung für andere Lehrer gehalten.
Nachdem sodann der Herr Minister durch Erlass vom 10. Mai genehmigt hatte, dass bei dem hiesigen Gymnasium, zunächst jedoch nur für das Schuljahr 1887/8, eine Parallelquarta errichtet und zu diesem Behufe ein zweiter wissenschaftlicher Hilfslehrer gegen eine Remuneration von jährlich 1500 Mark, sowie ein mit wöchentlich 8 Stunden zu beauftragender Hilfsturnlehrer angenommen werde, überwies das Kgl. Prov.-Schulkollegium durch Beschluss vom 14. Mai den Kandidaten des höheren Schulamts Ludwig Thies) zu Weilburg a. L. als zweiten wissenschaftlichen Hilfslehrer bis auf Weiteres dem hiesigen Gymnasium und genehmigte zugleich, dass der Kandidat Karl. Fischer**), welcher während des Winters 1886/7 den Kursus der Turnlehrerbildungsanstalt zu Berlin durch- gemacht und die Turnlehrerprüfung bestanden hatte, mit Erteilung von wöchentlich acht Stunden an der Anstalt beschäftigt werde. Durch den Eintritt dieser beiden Lehrer wurde es nunmehr möglich, dass vom 16. Mai an der endgiltige Lehrplan, wie er seitdem bis zum Schluss des Schuljahrs bestanden hat, ins Leben treten konnte.
Gleichzeitig verfügte der Herr Minister der geistlichen etc. Angelegenheiten die Erhöhung des Schulgeldes am hiesigen Gymnasium vom 1. Oktober 1887 ab auf den Satz von jährlich 100 Mark für die Schüler aller Klassen. Von dieser Verfügung wurden die Eltern und Vormünder der Schüler durch ein gedrucktes Circular alsbald in Kenntnis gesetzt.
Der am 18. Mai in Eschwege stattfindenden 13. Jahresversammlung des Hessen- Nassauischen Vereins der Lehrer höherer Unterrichtsanstalten wohnten nur 3 Mit- glieder des Lehrerkollegiums an, und es brauchten daher an diesem Tag die Lehrstunden nicht ausgesetzt zu werden.
Die diesjährigen Pfingstferien dauerten vom 28. Mai bis zum 1. Juni.
Am 6. Juni wurde die von der Universität, der Stadt Marburg und dem Kgl. Gym- nasium gemeinsam unterhaltene Schwimm- und Badeanstalt eröffnet. An dem durch den Schwimmmeister Weintraut gegebenen Schwimmunterricht nahmen in diesem Sommer 42 Schüler des Gymnasiums teil.
Vom 13. bis 15. Juni begab sich der neue Bibliothekar Oberlehrer Vogt mit Genehmigung des Kgl. Prov.-Schulkollegiums nach Cassel, um sich mit den bewährten bibliothe- karischen Einrichtungen des Kgl. Friedrichsgymnasiums bekannt zu machen und dieselben bei der Neuordnung unserer Bibliothek zu verwerten. Dem Herrn Direktor Dr. Vogt, sowie dem
*) Ludwig Thies, geb. den 3. Februar 1856 zu Rod am Berg(Obertaunuskreis), besuchte das Kgl. Gymnasium zu Weilburg a. L., studierte in Bonn, Marburg und Berlin klassische Philologie und bestand im Mai 1885 zu Marburg die Prüfung pro facultate docendi. Nachdem er von Michaelis 1885 bis 1886 am Kgl. Friedrichsgymnasium zu Cassel das pädagogische Probejahr abgeleistet hatte und auf seinen Wunsch an derselben Anstalt bis zu Ostern 1887 als wissenschaftlicher Hilfslehrer weiter beschäftigt worden war, wurde er, wie oben erwähnt, durch Verfügung vom 14. Mai 1887 dem hiesigen Gymnasium als Hilfslehrer überwiesen.
**) S. über denselben die Anstaltsprogramme von 1886 und 1887.


