Jahrgang 
1886
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Am Abend des 22. December wurde, wie im vergangenen Jahre, in der mit Weihnachts- transparenten und zwei brennenden Christbäumen geschmückten Aula eine liturgische Weihnachts-Andacht durch den Direktor abgehalten. Ausser den Schülern waren noch die Lehrerfamilien anwesend; den Angehörigen der Schüler konnte wegen der allzu beschränkten Raumverhältnisse unserer Aula die von der Schule so sehr gewünschte Teilnahme derselben an dieser Feier leider nicht gewährt werden. Die vierzehntägigen Weihnachtsferien dauerten vom 23. December 1885 bis zum 6. Januar 1886.

Das neue Quartal wurde von unserm Gymnasium, nachdem das Anstaltsgebäude schon vorher am Abend des 3. Januar zugleich mit der ganzen Stadt erleuchtet worden war, mit einer Feier zu Ehren des fünfundzwanzigjährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Königs begonnen. Am Morgen des ersten Schultages nämlich, am 7. Januar, ver- sammelten sich Lehrer und Schüler in der schön geschmückten Aula, um durch Bibel- lektion, Gebet, Gesänge und einen Redeakt ihrer freudigen Teilnahme an dem seltenen Feste einen entsprechenden Ausdruck zu geben. Der Direktor zeigte in seiner Rede, an das von unserm König als jungem Prinzen bei seiner Konfirmation niedergeschriebene Glaubens- bekenntnis anknüpfend, wie der König, den damals ausgesprochenen Grundsätzen getreu, in Seinem langen, reich gesegneten Leben Seinem Volke das leuchtendste Vorbild selbst- loser, unermüdlicher Pflichterfüllung geworden sei und durch Seine rastlose Thätigkeit in Krieg und Frieden das Glück Seines Volkes gefördert habe. Am Schluss seiner Ansprache forderte der Direktor die Schüler auf, ihrem Königlichen Herrn durch unverbrüchliche Treue gegen Ihn und Sein Haus und durch gewissenhafteste Hingabe an die Pflichten ihres Berufes den schuldigen Dank abzustatten.

Am 16. Januar wurde das Gymnasium in tiefe Trauer versetzt durch das ganz un- erwartet plötzliche Hinscheiden des Oberlehrers Dr. Friedrich Braun*), welcher nach einem Unwohlsein von nur wenigen Tagen am Abend jenes Tages an einem Herzschlag verstarb. Das Gymnasium verlor in dem Verewigten einen durch umfangreiche Kenntnisse, namentlich in der Geschichte, der Religionslehre und im Deutschen, ausgezeichneten Lehrer, die Obersekunda einen umsichtigen und für das Wohl seiner Klasse stets besorgten

*) Friedrich Braun, geb. zu Cassel den 31. Decbr. 1827, fand seine Vorbereitung für die akademischen Studien auf dem Gymnasium zu Cassel. Er studierte teils zu Marburg, teils zu Berlin Theologie, Philologie und Philosophie. Nach beendigten Studien unterzog er sich der theologischen Prüfung und wurde sodann auf Grund einer Dissertation, betitelt: De Petri Abaelardi Ethica(Marburg 1852) und nach bestandenem Examen rigorosum von der philosophischen Fakultät zu Marburg zum Doktor der Philosophie promoviert. Vier Jahre hindurch blieb er im Vorbereitungsdienst zum geist- lichen Stande und erteilte in verschiedenen Fächern Unterricht an Privatschulen zu Cassel. Dann entschloss er sich, in das Gymnasiallehramt einzutreten und wurde durch Allerhöchste Entschliessung des Kurfürsten vom 3. Mai 1855 zur Erstehung seines Probejahres am Gymnasium zu Cassel zuge- lassen. Von dort als beauftragter Lehrer dem Gymnasium zu Rinteln zugewiesen, wurde er daselbst 1863 zum Hilfs-, 1865 zum ordentlichen Lehrer ernannt. Unter dem 25. April 1867 an das hiesige Gymnasium versetzt, gehörte er demselben, zunächst als ordentlicher Lehrer, darauf vom 2. Mai 1877 an als Oberlehrer bis zu seinem am 16. Januar d. Js. erfolgten Tode an. Als Programme unserer Anstalt erschienen von ihm 2 Abhandlungen: Die Tage von Canossa. Erster Teil 1873. Zweiter Teil 1874.