Jahrgang 
1886
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Ordinarius, das Lehrerkollegium einen treuen und in seinem Amte gewissenhaften Mit- arbeiter. In der gemeinsamen Morgenandacht am Montag den 18. Januar hielt der Direktor eine Gedächtnisfeier für den seiner irdischen Wirksamkeit so plötzlich und so frühe entrissenen Lehrer ab. Am Nachmittag des 19. Januar begleiteten sodann Lehrer und Schüler die irdische Hülle des Entschlafenen zu ihrer letzten Ruhestätte, an welcher der Sängerchor der Schüler einige geistliche Lieder vortrug und der ref. Pfarrer, Herr R. Scheffer, eine warm empfundene Gedächtnisrede hielt. Die Anstalt wird dem Oberlehrer Dr. Braun für immer ein freundliches Andenken bewahren.

Da die Lehrer, welche bereits, wie oben bemerkt, durch Überstunden einen fehlenden Wiss. Hilfslehrer ersetzten, schon mit Rücksicht auf das bevorstehende lange Vierteljahr, sowieUie Oster-Abiturienten unmöglich die Lektionen des verstorbenen Dr. Braun in Ver- tretung übernehmen konnten, so berief das Kön. Prov.-Schulkollegium den gerade un- beschäftigten Kandidaten des höheren Schulamts Heinrich Kraut*) aus Fulda zur vorläufigen Versehung einer Lehrerstelle bis zu Ende des Schuljahrs an das hiesige Gymnasium. Durch dessen Eintritt, welcher schon am 20. Januar erfolgte, wurde zum dritten Male in diesem Schuljahr eine Neuverteilung der Lektionen notwendig: Kand. Kraut übernahm infolge derselben das Ordinariat der Quinta, der Direktor das der Obersekunda.

In der Woche vom 4. bis zum 9. Februar wurden von 8 Oberprimanern die schrift- lichen Maturitätsarbeiten angefertigt.

Am 10. März gab der unter den Schülern bestchende und von dem Musikmeister a. D. Noack geleitete Musikverein in der Aula eine musikalische Abendunterhaltung, welche zahlreich besucht war und in ihren recht braven Leistungen einen erfreulichen Beweis von dem Eifer und den Fortschritten unserer jungen Musiker ablegte. Der Piston- Virtuos Wilh. Schlicht von Frankfurt a./M., ehemaliger Schüler unseres Gymnasiums und Ehrenmitglied des Musikvereins, hatte auch dies Mal, wie öfters schon fräher, die Güte, die Zuhörerschaft durch den Vortrag einiger Musikstücke zu erfreuen.

Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers und Königs versammelte am 22. März Lehrer und Schüler, sowie zahlreiche Zuhörer aus der Stadt in der festlich geschmückten Aula zu der aus Bibellektion, Gebet, Gesängen und Deklamationen der Schüler bestehenden Feier. Die Festrede über die Erziehung der Jugend zu Charakteren hielt Gymnasial- lehrer Loeber.

Am 29. und 30. März fand unter dem Vorsitz des Direktors, welcher mit Wahr- nehmung der Geschäfte des Königlichen Kommissarius beauftragt war, die mündliche Entlassungsprüfung statt, an deren Schluss sämtlichen 8 Abiturienten das Reife- zeugnis zuerkannt werden konnte.

*) Heinrich Kraut, geb. den 13. Febr. 1859 zu Fulda, erhielt seine Vorbildung auf dem Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte von Herbst 1877 an zu Marburg klassische Philologie und Germanistik. Im Novbr. 1882 bestand er an dieser Universität die Prüfung pro fac. doc. Zur Ab- leistung des pädagogischen Probejahres war er von Ostern 1883 an dem Gymnasium in Hanau zu- gewiesen, an welchem er sodann noch weiter ein halbes Jahr als Lehrer thätig war.