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In der zweiten Hälfte des Juni wurde der grossen Hitze wegen der Nachmittags- Unterricht an mehreren Tagen ausgesetzt.(S. Wiese, Verordn. u. Gesetze I, 126!)
Mit dem 4. Juli begannen die vierwöchentlichen Sommerferien.
Die schriftliche Entlassungsprüfung dauerte vom 18. bis zum 22. August; derselben unterzogen sich 6 Oberprimaner.
Sonntag den 23. August begingen Lehrer und Schüler dem Herkommen gemäss je nach ihrer Konfession in der reformierten und lutherischen Kirche die Feier des heiligen Abendmahls.
Sonnabend den 29. August wurde unter dem Vorsitz des Herrn Prov.-Schulrats Dr. Lahmeyer aus Cassel die mündliche Entlassungsprüfung abgehalten, in welcher fünf von den sechs Aspiranten das Zeugnis der Reife erlangten; einer derselben konnte von der mündlichen Prüfung dispensiert werden.
Mittwoch den 2. September wurde das Sedanfest durch Bibellektion, Gesänge und Deklamationen in der Aula des Gymnasiums gefeiert. Vor einer zahlreichen Versammlung hielt Gymnasiallehrer Schenkheld die Festrede über die Frage: In welchem Sinne feiert ein Volk seine Nationalfeste? Nach einem Hoch auf Se. Maj. den Kaiser und dem Gesang der Volkshymne entliess darauf der Direktor die 5 Abiturienten mit einer Rede, in welcher er, ausgehend von dem Eintritt der bisherigen Schüler in das Leben, über die Art der Bürgerweihe und die mit der Aufnahme eines Jünglings unter die Männer bei Griechen, Römern und Germanen verbundenen Festlichkeiten sprach. Am Nachmittag machten sämtliche Klassen unter Führung ihrer Ordinarien Spaziergänge in die Umgebung der Stadt.
Mit dem Schluss des Sommersemesters verliessen zwei Lehrer die Anstalt, nämlich der Wiss. Hilfslehrer Dr. Wolscht, welcher an das Gymnasium zu Cassel versetzt war, und der Kandidat Dr. Kleinschmit, welcher das von ihm noch nicht vollendete Probe- jahr unterbrach, um eine Lehrerstelle am Wilhelmsgymnasium in Hamburg zu übernehmen. Beide junge Lehrer werden trotz der kurzen Dauer ihrer hiesigen Wirksamkeit wegen ihrer gewissenhaften Amtsführung und ihres freundlichen Wesens bei Kollegen und Schülern in gutem Andenken bleiben.
Die zweiwöchentlichen Herbstferien dauerten vom 26. Sept. bis zum 10. Oktober.
Montag den 12. Oktober wurde das Wintersemester in herkömmlicher Weise durch Gebet und Gesang eröffnet. Darauf verkündete der Direktor die mit dem 1. Oktober ins Leben getretene Beförderung des ersten ordentl. Lehrers Pfr. Vogt zum Oberlehrer und hiess den an dessen Stelle ernannten, vom Kön. Gymnasium zu Dillenburg hierher versetzten ordentlichen Lehrer Jakob Loeber*) als Kollegen herzlich willkommen. Im
*) Jakob Loeber, geb. den 29. Okt. 1851 zu Hanau, genoss den ersten Unterricht in den Elementarklassen der Realschule, besuchte dann das Gymnasium seiner Vaterstadt und verliess dasselbe Ostern 1869 mit dem Zeugnis der Reife. Auf den Universitäten zu Marburg, Leipzig und Göttingen bereitete er sich durch das Studium der Philologie auf das höhere Lehramt vor und bestand die Prüfung pro fac. doc. vor der Wiss. Prüfungskommission in Göttingen. Ostern 1873 wurde er mit Versehung


