Jahrgang 
1886
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Mit dem allgemeinen Gesange des-Nun danket alle Gott⸗ endete die wohlgelungene, sinnige Schulfeier. Nachmittags um 3 Uhr vereinigte sodann im Saale des Hôtel Pfeiffer ein aus allen Kreisen der Stadt zahlreich besuchtes Festessen die Kollegen, Freunde und viele ehemalige Schüler des Jubilars, welcher durch sein fast jugendliches Aussehen und seine geistige und körperliche Frische nicht verriet, dass er schon die Siebzig überschritten. Wir alle wünschen ihm ein fernerhin gesegnetes, rüstiges und behagliches Alter.

Am 13. Mai fielen mit Genehmigung Kön. Prov.-Schulkollegiums die sämtlichen Lektionen aus, da die Mehrzahl der Lehrer der an diesem Tage in dem benachbarten Städtchen Biedenkopf abgehaltenen Jahresversammlung des Hessen-Nassauischen Vereins der Lehrer höherer Unterrichtsanstalten beiwohnte.

Vom 23. bis 27. Mai hatte unsere Anstalt zum ersten Mal die durch die neue Ferien- ordnung(S. vorj. Programm S. 141!) eingeführten fünftägigen Pfingstferien.

In den Tagen vom 4. bis 8. Juni schrieben die Primaner unter Aufsicht ihrer Lehrer die herkömmlichen Tentamen-Arbeiten.

Am Nachmittag des 29. Juni begaben sich Lehrer und Schüler in festlichem Zuge mit wehenden Fahnen, eine Musikkapelle voran, durch die Strassen der Stadt zu der mit alten Eichen bestandenen Bergkuppe des Dammelsbergs hinauf. An diesem für grössere Feste so ganz besonders geeigneten Platze entwickelte sich nun, da die Eltern, Angehörigen und Freunde der Schule der von dem Direktor ergangenen Einladung zur Teilnahme an diesem Frühlingsfest des Gymnasiums zu unsrer besondern Freude in grosser Anzahl entsprochen hatten, vom schönsten Wetter begünstigt, das fröhlichste Treiben unserer Jugend. Der Sängerchor trug mehrere gut gewählte patriotische und Volkslieder vor, die erwachsene Jugend erfreute sich am Tanzen, die jüngeren Schüler an lustigen Spielen. Ihren Höhepunkt aber erreichte die allgemeine Freude, als sich am Schluss des Festes Alt und Jung, Eltern und Kinder, Lehrer und Schüler zu einem feierlichen Umzug nach den Klängen der Musik ordueten. Da nunmehr der hereinbrechende Abend und dessen Kühle zum Auf- bruch mahnten, so liess der Direktor die Schüler Aufstellung nehmen, gedachte in kurzen Worten Sr. Maj. des Königs, welcher damals gerade in unserer Provinz zu Bad Ems ver- weilte, und brachte dem geliebten Landesvater ein Hoch aus. Laut erklangen die Jubelrufe unserer Jugend sowie der Gesang des Liedes»Deutschland, Deutschland über Alles« durch den abendlichen Wald. Dann setzte sich der Zug in Bewegung, um über den sog. Götzenhain und die Sternwarte in die Stadt zurückzukehren. Noch einmal ordneten sich die Klassen vor dem Gymnasialgebäude, ein Primaner sprach dem Direktor den Dank der Schüler aus, der Direktor antwortete mit einem Hoch auf das Gedeihen des Gymnasiums, dann löste sich der Zug auf. Den Eltern und Angehörigen unserer Schüler, welchen wir das schöne Gelingen dieses Frühlingsfestes vor allen zu danken haben, sei auch an dieser Stelle im Namen der Anstalt für ihr zahlreiches Erscheinen und ihre durch dasselbe bewiesene Teilnahme an dem Leben unserer Schule der verbindlichste Dank gesagt.