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des Morgenunterrichts wurden in diesem Sommer während der Stunden von 7— 11, bezw. von 7— 12 abgehalten. Diese Einrichtung bewährte sich für die Schüler, wie für den ganzen Unterrichtsbetrieb vortrefflich.— Seit dem Beginn des neuen Schuljahres findet ausser der altherkömmlichen gemeinsamen Andacht am Schluss einer jeden Woche auch an jedem Montag vor Beginn der Lehrstunden eine solche statt.
Seit Ostern 1885 wurden die Primaner in Deutsch, Latein, Griechisch(mit Ausnahme des Dichters!) und Mathematik getrennt unterrichtet, während in allen übrigen Fächern noch eine Gesamtprima bestehen blieb.
Der dem Gym nasium seit Michaelis 1884 zur Ableistung des pädagogischen Probe- jahres zugewiesene Kandidat des höheren Schulamts Wilhelm Wolters(S. vorj. Progr. S. 19!) musste wegen andauernder Kränklichkeit mit Genehmigung Kön. Prov.-Schul- kollegiums die Fortsetzung seines Probejahres vom 4. Mai 1885 an abbrechen.
Montag den 4. Mai hatten wir die grosse Freude, das fünfzigjährige Amtsjubiläum unseres ältesten Oberlehrers, des Prorektors und Professors Dr. Eckhardt Collmann, zu begehen. Die Lektionen fielen für diesen ganzen Tag aus. Schon in der Frühe des Morgens sang ein zu diesem Zweck zusammengetretenes Quartett von Primanern in der Wohnung des Jubilars einige Lieder. Gegen 9 Uhr erschien bei demselben der unterz. Direktor und überreichte ihm in Gegenwart seiner versammelten Familie die Insignien des ihm von Sr. Maj. dem König allergnädigst verliehenen Roten Adlerordens 4. Klasse mit der Zahl 50. Um ½ 11 Uhr begann in der festlich geschmückten Aula ein Schulaktus, zu welchem der Gefeierte von den beiden nach ihm ältesten Oberlehrern Dr. Weidenmüller und Dr. Braun in einem Wagen abgeholt wurde. Dieser Feier wohnte die gesamte Familie des Jubilars an, unter welcher wir die zwei Söhne unseres Kollegen, einst wackere Schüler unseres Gymnasiums, den Dr. Wilhelm Collmann, jetzt Oberlehrer am Gymnasium zu Wandsbeck, und den ordentl. Lehrer am Realgymnasium zu Posen, Oswald Collmann, die Freude hatten begrüssen zu können. Nach einem Gesang des Chores hielt der Direktor eine Ansprache, in welcher er der hohen Verdienste des Jubilars um unser Gymnasium, welchem— gewiss ein seltener Fall— die ganze fünfzigjährige Amtszeit desselben gewidmet gewesen ist, unter näherem Eingehen auf seinen Lebens- und Studiengang gedachte und ihm den Dank der vorgesetzten Behörde, sowie seine eigene und aller Kollegen warme Teilnahme an seinem Jubelfeste aussprach. Nachdem der Direktor geendet, trat Oberl. Dr. Weidenmüller vor, um dem Gefeierten eine Nachbildung des in unserer Aula hängenden grossen Oelbildes von Noack»das Religionsgespräch zu Marburg« im Namen des Lehrer- kollegiums zu überreichen. Darauf folgten die Vertreter der Prima und Sekunda, welche unter kurzer Ansprache gleichfalls sinnige Geschenke ihrer Klassen übergaben. Besonders ergreifend aber war es, als sodann dey Haens ohn den Vater mit einer lateinischen Ansprache begrüsste und ihm als Festschrift das neuste Ergebnis seiner Studien, eine Abhandlung(De nonnullis locis Euripideis et Sophocleis. Epistula gratulatoria ad patrem data a Guilielmo Collmann) überreichte. Professor Collmann dankte tiefgerührt für alle diese Beweise freund- licher Teilname des Lehrerkollegiums und dankbarer Gesinnung von Seiten der Schüler.


