III. Chronik des Gymnasiums.
Nachdem Mittwoch den 15. März, sowie Montag den 13. April von morgens 8 Uhr an die Prüfung der Neuangemeldeten stattgefunden hatte, wurde am letzteren Tage nach- mittags um 4 Uhr das neue Schuljahr mit einer gemeinsamen Andacht eröffnet. Nach derselben begrüsste der Direktor den vom Gymnasium zu Frankfurt a./M. mit dem 1. April als Wissenschaftlicher Hilfslehrer hierher versetzten Dr. Emil Wolscht*) und stellte denselben ebenso wie die beiden, zur Ableistung des pädagogischen Probejahrs dem Gymnasium zugewiesenen Kandidaten des höheren Schulamts Albrecht Tiemann**) und Karl Fischer***) den Lehrern und Schüúlern vor. Der Cand. prob. Dr. Max Kleinschmit †), welcher mit Genehmigung Kön. Prov. Schulkollegiums seit dem 6. Dec. v. Js. als Hospitant dem sprachlichen und Geschichtsunterricht verschiedener Klassen an- gewohnt hatte,(S. vorjähr. Programm S. 19¹) trat zu gleicher Zeit als Probekandidat beim Gymnasium ein. Hierauf verlas der Direktor die Schulordnung des Gymnasiums und ver- pflichtete sodann 56 neu eintretende Schüler auf dieselbe durch Handschlag. Die Lektionen
*) Emil Wolscht, geb. den 9. Mai 1857 zu Magdeburg, erhielt seine Vorbildung am dortigen Pädagogium zum Kloster U. L. Frauen, welches er Ostern 1877 mit dem Reifezeugnis verliess. Er studierte sodann von Ostern 1877— 1881 in Heidelberg, Leipzig und Marburg Philologie und Geschichte. Nach erfolgter Promotion und Ablegung der Prüfung pro facult. doc. im Winter 1881/82 vor der K. Wiss. Prüfungskommission zu Marburg wurde derselbe Ostern 1882 als Cand. prob. dem Gymnasium zu Frankfurt a./ M. zugewiesen, welcher Anstalt er auch in der Folge als Wissensch. Hilfslehrer bis Ostern 1885 angehörte. Durch Verf. K. Prov. Schulkollegiums zu Cassel vom 8. April 1885 wurde er sodann in gleicher Eigenschaft an das hiesige Gymnasium versetzt.
*r) Albrecht Tiemann, geb. den 25. Juli 1859 zu Osnabrück, erhielt seine Schulbildung auf dem ev. gymnasium seiner Vaterstadt. Nach bestandener Reifeprüfung studierte er von Ostern 1878 an in Tübingen, Leipzig und Göttingen klassische Philologie und Deutsch, mit einer einjährigen Unterbrechung von 1882—83, während deren er als Hauslehrer bei einem deutschen Kaufmann in London thätig war. Nachdem er am 29. Nov. 1884 in Göttingen die Prüfung pro fac. doc. bestanden hatte, wurde er durch Beschluss Kön. Prov.-Schulkollegiums vom 6. Febr. 1885 dem hiesigen Gymnasium als Cand. probandus zugewiesen.
***) Karl Fischer, geb. den 6. Febr. 1859 zu Rennerod(R.-B. Wiesbaden), besuchte die Gymnasien zu Montabaur und Hadamar. Nachdem er hier die Reifeprüfung bestanden, studierte er von Michaelis 1879 an auf der Akademie zu Münster, dann auf den Universitäten zu Leipzig und Marburg Mathematik und Naturwissenschaften. Nachdem er hierselbst im Febr. 1885 die Prüfung pro fac. doc. hestanden, wurde er durch Verf. Kön. Prov.-Schulkollegiums vom 7. März 1885 als Probe- kandidat dem hiesigen Gymnasium überwiesen.
†) Max Kleinschmit, geb. am 25. Juli 1860 zu Bad Wildungen, besuchte von Michaelis 1873 bis Ostern 1879 das Fürstliche Gymnasium zu Corbach und studierte darauf von Ostern 1879 bis Michaelis 1883 in Marburg alte Philologie, Geschichte und Geographie. Am 9. December 1882 wurde er auf Grund einer gekrönten Preisschrift öffentlich promoviert und bestand im Sommer 1883 die Prüfung pro fac. doc. Nachdem er sodann von Michaelis 1883 bis ebendahin 1884 seiner militärischen Dienstpflicht in Tübingen genügt hatte, wurde er durch Verf. Kön. Prov.-Schulkollegiums zu Cassel vom 15. Nov. 1884 dem hiesigen Gymnasium als Probandus überwiesen.


