Jahrgang 
1885
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Nachdem vom 18. bis 23. August die schriftliche Prüfung vorgenommen war, fand am 29. und 30. August unter dem Vorsitze des Herrn Provinzial-Schulrates Dr. Lahmeyer die mündliche Prüfung der Abiturienten statt. Sämtlichen 8 Aspiranten wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt.

Die Aufgabe für den deutschen Aufsatz lautete: Die geschichtliche Bedeutung Alexanders des Grossen. Die zum lateinischen Aufsatz: Alexandri illius Magni quae fuerint virtutes, quae vitia. Aus dem Griechischen ins Deutsche wurde Xenophon, Hellen. III, 4, 1 3 übersetzt. Die mathema- tischen Aufgaben waren folgende: 1) Ein Körper wird mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 200 m senkrecht in die Höhe geworfen. Nach wie viel Sekunden wird er 1510 m hoch gestiegen sein, wenn vom Luftwiderstand abgesehen wird?(g= 9,8m.) 2) Von einem Punkte ausserhalb eines Kreises eine Sekante an diesen zu ziehen, so dass das Rechteck aus ihrem innern und äussern Abschnitt gleich einem gegebenen Quadrat ist. 3) Von einem Dreieck kennt man eine Seite(a= 10), den gegenüber- stehenden Winkel(= 110) und die Entfernung seines Scheitels vom Mittelpunkte des einbeschrie- benen Kreises(A0= 1,8841). Wie gross sind die andern Winkel? 4) Ein leuchtender Punkt stehe 10m vom Mittelpunkt einer Kugel von 3m Durchmesser ab. Wie viel Quadratmeter Kugelfläche sind beleuchtet?

Am 31. August nahmen die reformierten, am 6. September die lutherischen Schüler mit den Lehrern ihrer Konfession in ihren Kirchen an der Feier des heiligen Abend- mahls teil.

Am 2. September wurde in der festlich geschmückten Aula die Erinnerung an den herrlichen Sieg bei Sedan mit Gesängen und Vorträgen gefeiert. Gymnasiallehrer Hartwig sprach als Festredner über die Leistungen des Werder'schen Korps im Kriege 1870/71.

Mit dem Schlusse des Sommersemesters schieden von unserer Anstalt folgende Lehrer: der ordentliche Lehrer Ferdinand Hartwig, um in Hersfeld eine ordentliche Lehrer- stelle zu äbernehmen, der Wissenschaftliche Hilfslehrer August Bleckmann, in gleicher Eigenschaft nach Kassel versetzt, endlich der Probekandidat Justus Noll ohne nähere Bestimmung. Der Unterzeichnete sagt ihnen allen für den gewissenhaften, vom besten Erfolg begleiteten Eifer, welchen sie während ihrer längern oder kürzern Thätigkeit an unserer Schule bewiesen haben, im Namen der Anstalt den besten Dank und wünscht ihnen alles Glück auf ihre weitere Lebensbahn.

Die Herbstferien dauerten vom 27. September bis zum 11. Oktober.

Am 6. Oktober starb der Obertertianer Arnold Röth, das einzige Kind und die einzige Hoffnung seiner verwitweten Mutter. Lehrer und Schüler, so viel ihrer in der Stadt waren, gaben dem reichgeschmückten Sarge das Geleite zum Bahnhof, von wo aus derselbe nach Waldkappel, dem Heimatort des Verstorbenen, zur Beisetzung übergeführt wurde..

Montag den 13. Oktober fand die feierliche Einführung des unterzeichneten Direktors durch den Königl. Kommissarius, Herrn Prov.-Schulrat Dr. Lahmeyer aus Kassel, statt. Nachdem das Lehrerkollegium und die Schüler sich in der mit Fahnen und Kränzen festlich geschmückten Aula versammelt und kurz nach 11 Uhr Herr Dr. Lahmeyer