15 III. Chronik des Gymnasiums.
Nachdem durch Verfügung vom 15. April 1884 dem Direktor der Anstalt, Dr. Fried- rich Münscher, ein dreimonatlicher Urlaub bewilligt und der erste Lehrer, Prof. Dr. Collmann, mit Versehung der Direktorialgeschäfte beauftragt worden war, nahm letzterer am 23. April die Aufnahmeprüfung vor und eröffnete am 24. April morgens 8 Uhr das neue Schuljahr mit einer gemeinsamen Andacht. Nach derselben hiess er den vom 1. April an vom Königl. Gymnasium zu Hanau an unsere Anstalt versetzten ordentlichen Lehrer Karl Hohenthal*) herzlich willkommen und stellte denselbeu den Lehrern und Schülern vor. Zu gjeicher Zeit begrüsste er zwei andere neu eintretende, dem Lehrerkollegium aber von der Zeit ihres Probejahres bereits wohlbekannte junge Lehrer, den vom Kgl. Gymna- sium zu Weilburg hierher versetzten wissenschaftlichen Hilfslehrer August Bleckmann und den Kandidaten August Stamm, welchem es vom K. Prov.-Schulkollegium gestattet war, an unserem Gymnasium unentgeltlich Unterricht zu erteilen. Hierauf verlas der stell- vertretende Direktor die Schulgesetze und verpflichtete 47 neu eintretende Schüler durch Handschlag.
Am 4. Mai fand die Eröffnung der Schwimmanstalt statt.
Am 17. Mai wurde der Hilfslehrer Bleckmann zu einer längern militärischen Übung als Reserve-Lieutenant im hiesigen Füsilier-Bataillon eingezogen und musste deshalb seinen Unterricht bis zum 4. August aussetzeu.
Wegen der am 21. Mai in Diez abgehaltenen Jahresversammlung des Ver-— eins von Lehrern höherer Unterrichtsanstalten der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck, an welcher eine grosse Zahl der Lehrer unserer Anstalt teil nahm, fiel der Unterricht an diesem Tage mit Genehmigung des K. Prov.-Schulkollegiums aus.
Am 8. Mai verliess der Kandidat Justus Noll, welcher im Herbste 1883 unserer Anstalt zur Ableistung seines Probejahres zugewiesen war(s. Progr. v. 1884 S. 131), unser Gymnasium, um in Hanau Heilung von einer hartnäckigen Krankheit zu suchen. Nach seiner vollständigen Genesung konnte derselbe am 11. August seine Lehrthätigkeit wieder aufnehmen und ohne weitere Unterbrechung sein Probejahr vollenden.
*) Karl Hohenthal, geb. am 19. April 1851 zu Schwedt an der Oder, besuchte von Ostern 1864 bis dahin 1871 das Gymnasium zu Potsdam und studierte darauf von Ostern 1871 bis Michaelis 1874 und im Wintersemester 1876/77 in Jena und Göttingen Philologie und Germanistik, während er in der dazwischenliegenden Zeit als Erzieher im Civilwaisenhause in Potsdam und vertretungsweise an der dortigen Höheren Bürgerschule und am Gymnasium in Thätigkeit war. Nach Ablegung der Prüfung pro fac. doc. im Winter 1877/78 vor der Königl. Wissenschaftlichen Prüfungskommission zu Göttingen wurde derselbe Ostern 1878 als Probandus und wissenschaftlicher Hilfslehrer dem Gymnasium zu Königs- berg in der Neumark überwiesen, welcher Anstalt er auch in der Folge, und zwar seit Ostern 1879 als sechster, seit 1. Oktober 1880 als fünfter ordentlicher Lehrer angehört hat, bis er durch Verfügung Königl. Ministeriums vom 27. Sept. 1882 an das Gymnasium zu Hanau berufen wurde. Von dort ist er durch Verfügung Königl. Prov.-Schulkollegiums vom 7. April 1884 an das hiesige Gymnasium versetzt worden.


