Jahrgang 
1884
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II. Chronik des Gymnasiums.

Bevor von dem Schuljahr 1883 84 berichtet wird, ist eine Feierlichkeit zu erwähnen, welche am letzten Tage des vorhergegangenen Schuljahrs am 20. März 1883 im Gymnasium stattfand und deshalb in dem vorjährigen Programm nicht mehr geschildert werden konnte. An diesem Tage feierte nämlich der Prorector des Gymnasiums, Professor Dr. Collmann, ein doppeltes Fest, das seiner Geburt und seiner vor 50 Jahren durch die hiesige philo- sophische Facultät erfolgten Promotion zum Doctor der Philosophie. Nachdem der Jubilar, von zweien seiner Collegen geleitet, in die Versammlung der Lehrer und Schüler ein- getreten und von dem Sängerchor mit einer Hymne begrüsst worden war, sprach ihm der Director im Namen des Gymnasiums die Glückwünsche zu seinem Ehrentage aus, über- reichte ihm eine von dem Oberlehrer Dr. Philipp Braun im Namen des Lehrercollegiums verfasste Festschrift und dankte ihm für seine treue und gesegnete Amtsführung. Darauf übergab der Primus der Prima, deren Ordinarius der Jubilar ist, diesem einen mit einer Inschrift geschmückten Sessel als Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung der Schüler. Nachdem Prof. Collmann darauf in einer Rede scinen Dank ausgesprochen und den Schülern wolgemeinte Ratschläge erteilt hatte, wurde die Feier durch einen Gesang des Sängerchors beschlossen. An demselben Tage hatte auch die hiesige philosophische Facultät durch ihren Decan dem Jubilar ein erneuertes Diplom der philosophischen Doctor- würde überreichen lassen.

Das Schuljahr 1883 84 wurde am 5. April durch eine gemeinsame Andacht und die Aufnahme von 51 Schülern eröffnet. Da in den nächsten Tagen noch 6 Schüler eintraten, so betrug die Gesammtzahl bei dem Anfang des Schuljahrs 305. Zu gleicher Zeit begann der Candidat des höheren Schulamts Richard Mascher sein Probejahr am hiesigen Gymnasium.

Am 22. April wurde mein, des unterzeichneten Directors, 50jähriges Dienstjubiläum festlich begangen. An diesem Tag hatte ich nämlich im Jahr 1833 am Gymnasium zu Hanau meine amtliche Thätigkeit als Lehrer begonnen. Von Seiner Majestät dem Kaiser, von meiner vorgesetzten Behörde, von vielen Gymnasien und Realgymnasien der Provinz, von meinen Mitbürgern, meinen alten und jungen Schülern, von Verwandten und Freunden nah und fern wurden mir Beweise unverdienter Liebe und Anerkennung im reichsten Mass zu theil, für die ich hier nochmals allen von ganzem Herzen danke. Der 23. April war von meinen ehemaligen Schülern zu einer Nachfeier für die dermaligen Schüler des Gymnasiums bestimmt worden und wurde zur Freude der Alten und der Jugend in dem der Stadt benachbarten Dorfe Marbach festlich begangen. Zugleich habe ich dankend zu

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