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erwähnen, dass von meinen früheren Schülern und von meinen jetzigen Collegen durch freiwillige Beiträge zum Besten der Schüler des hiesigen Gymnasiums eine Münscherstiftung gegründet worden ist, deren genauere Bestimmung mir überlassen wurde. Die Verwaltung derselben hat— die Genehmigung des Königlichen Provinzial-Collegiums vorausgesetzt— das Lehrercollegium des Gymnasiums bereitwillig übernommen und wird sie nach den von mir entworfenen Statuten führen. Wenn diesen, wie zu hoffen steht, die Genehmigung der vorgesetzten Behörde zu theil geworden ist, werden sie in dem nächsten Programm veröffentlicht werden.
Dienstag den 1. Mai betheiligte sich das Lehrercollegium nebst den Schülern der oberen Classen an dem Festzug zur 600 jährigen Einweihungsfeier der hiesigen Elisabeth- kirche sowie an dem darauf folgenden Festgottesdienst.
Am 5. Juni wurde das herkömmliche Frühlingsfest besonders schön gefeiert. Die Schüler zogen nämlich diesmal mit einer aus ihrer Mitte gebildeten Capelle von 18 Musikern unter Begleitung ihrer Lehrer in den hinter dem Glaskopf liegenden Wald. Dort wurde unter den grünen Bäumen von den Primanern ein heiterer Schwank aufgeführt, der Sängerchor trug mehrere Lieder vor und am Ende fand von Seiten verschiedener Classen ein Wettlauf statt, worauf die Sieger durch Preise belohnt wurden.
Sonnabend den 30. Juni wurden die Lectionen geschlossen. Die nun beginnenden Sommerferien dauerten bis zum 29. Juli.
Sonntag den 19. August nahmen die evangelischen Lehrer und Schüler des Gymnasiums an der kirchlichen Feier des heiligen Abendmahls theil; am folgenden Tag begann die schriftliche Maturitäts-Prüfung.
Am 24. August, als Seine Königliche Hoheit der Kronprinz unsere Stadt besuchte, hatten Lehrer und Schüler des Gymnasiums, welche sich auf dem Kämpfrasen aufgestellt hatten, die Ehre von dem hohen Herrn begrüsst und huldvoll angeredet zu werden.
Das Sedanfest wurde in herkömmlicher Weise durch Gesänge, Declamationen und Rede-Act in der Aula des Gymnasiums gefeiert. Der Festredner, Dr. Wilhelmi, sprach über die Verdienste des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preussen um Vorbereitung des von seinem Sohn gegründeten Kaiserthums. Abends fand von Seiten des Gymnasiums der übliche Zug zu dem auf dem Kappeler Berg von der Städtischen Behörde veranstalteten Freudenfeuer statt. Nachdem unter Begleitung der Instrumental-Musik des Gymnasiums vaterländische Lieder gesungen und ein Hoch auf unsern geliebten Kaiser ausgebracht worden war, bewegte sich der Zug unter Fackelschein in die Stadt zurück.
Am 3. September wurde unter dem Vorsitz des Herrn Provinzial-Schulraths Dr. Lahmeyer die mündliche Maturitäts-Prüfung unserer Schüler abgehalten. Von vier Abiturienten erhielten drei das Zeugnis der Reife.
Der 7. September war zur mündlichen Prüfung von 6 dem Gymnasium nicht ange- hörigen Maturitäts-Aspiranten bestimmt; doch konnte die Prüfung aus Rücksicht auf das


