Jahrgang 
1914
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greiſen König noch vergönnt ſein möge, den Traum der Beſten zu erfüllen und ein einiges, freies und ſtarkes Deutſchland zu begründen, da ahnte man noch nicht, wie nahe man der Er⸗ füllung ſtand. Das neue Reich blüht nun ſchon über vierzig Jahre unter den Segnungen des Friedens. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt? Wer weiß, ob nicht auch an dieſe Jugend der Ruf des Königs ergehen wird? Dann ſoll auch ſie, wie dereinſt die Väter, befähigt und freudig bereit ſein, alles zu opfern, Gut und Blut einzuſetzen für Kaiſer und Reich. In dieſem Sinne die Jugend zu erziehen, legte der Herr Oberregierungsrat dem neuen Direktor ange⸗ legentlich ans Herz. Er verſicherte ihn dabei des Vertrauens und der Unterſtützung der König⸗ lichen Staatsregierung und überreichte ihm zum Schluß die von Sr. Majeſtät dem König voll⸗ zogene Beſtallungsurkunde..

Hierauf hieß Herr Bürgermeiſter Sauerborn im Namen der ſtädtiſchen Körperſchaften den neuen Direktor willkommen und ſchloß mit dem Wunſche eines erſprießlichen Zuſammen⸗ wirkens zum Segen für Stadt und Schule. Im Namen des Lehrerkollegiums begrüßte Herr Profeſſor Dr. Marnx den neuen Leiter und verſicherte ihm, daß das Kollegium ihm mit aller Kraft und Treue zur Seite ſtehen werde, um den Aufgaben der Schule gerecht zu werden; wenn Gottes Segen und die Unterſtützung der Eltern nicht fehle, würden die Ziele erreicht werden können. 1

Dann ergriff der Unterzeichnete das Wort zu folgender Anſprache:

Hochverehrter Herr Oberregierungsrat! Sehr geehrte Herren Mitglieder des Kuratoriums, des Magiſtrats und der Stadtverordnetenverſammlung! Sehr geehrte Herren Kollegen, liebe Schüler! Wenn die Leitung einer höheren Schule in neue Hände übergeht, ſo ſieht die Königliche Staatsregierung darin einen Vorgang von nicht geringer Bedeutung. Sie läßt ihn zu einer Schulfeier geſtalten, zu der ſie ſich nicht nur die Anweſenheit der ſtädtiſchen Behörden erbittet, ſondern zu der ſie auch einen Vertreter des Königlichen Provinzialſchulkollegiums ent⸗ ſendet, um den neuen Leiter in ſein Amt einzuführen. Daß heute hier der Herr Direktor des Königlichen Provin⸗ zialſchulkollegiums, der Ehrenbürger dieſer Stadt, der hochverdiente Begründer und erſte Leiter dieſer Anſtalt, der Herr Oberregierungsrat Dr. Paehler, ſelbſt erſchienen iſt, das gereicht dieſer Stadt, unſerer Schule und dem neuen Direktor zu ganz beſonderer Ehre und Freude. Und ſo danke ich Ihnen denn, hochverehrter Herr Oberregierungsrat, in meinem und der Schule Namen für Ihr Erſcheinen, danke Ihnen für Ihre Worte und gebe Ihnen das Ver⸗ ſprechen, daß ich alle meine Kräfte einſetzen werde, um mich des großen Vertrauens würdig zu beweiſen, das die Königliche Regierung durch die Befürwortung meiner Beſtätigung an Allerhöchſter Stelle in mich geſetzt hat. Mit dieſem Ausdruck des Dankes darf ich die Bitte verbinden, daß Sie auch in Zukunft unſerer Anſtalt und Ihrem neuen Direktor das ſtets bewieſene große Wohlwollen bewahren mögen.

Zu danken habe ich in zweiter Linie den Behörden dieſer Stadt, vertreten durch das Kuratorium unſerer Anſtalt. Nicht nur für die Worte, die Sie, ſehr geehrter Herr Bürgermeiſter, namens des Kuratoriums an mich gerichtet, ſondern vor allem ebenfalls für das große Vertrauen, das Sie mir durch meine Erwählung geſchenkt haben. Ich kann hier nur das Verſprechen wiederholen, das ich vorhin der Königlichen Behörde gegeben habe. Ich weiß, daß die Aufgabe, an die ich herantrete, keine leichte iſt. Gilt es doch, eine blühende Anſtalt nicht nur auf ihrer bisherigen Höhe zu halten, ſondern auch, da Stillſtand Rückſchritt iſt, ſie immer weiter zu fördern. Ich weiß, daß der gegenwärtige Hochſtand der Anſtalt in erſter Linie meinen Vorgängern im Amte zu verdanken iſt, einer Reihe von verdienten Männern, von denen der erſte, wie geſagt, zu unſerer Ehre und Freude heute hier zugegen iſt, und von denen wir den letzten noch in friſchem und gutem Angedenken haben. Daneben wird es nicht leicht ſein, einen ehrenvollen Platz zu gewinnen und zu behaupten; aber wenn Gott mir Kraft und Geſundheit erhält, ſo hoffe ich, daß ich mich dereinſt wenigſtens nicht zu ſchämen habe in der Reihe der verdienten Leiter des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums zu Montabaur.

Endlich habe ich auch Ihnen zu danken, ſehr geehrte Herren Kollegen. Auch Sie haben, wie aus berufenem Munde, z. B. bei der Abſchiedsfeier des ſcheidenden Direktors Dr. Thamm, anerkannt worden iſt, durch eifrige Mitarbeit den Boden bereitet, auf dem wir nun zuſammen weiter pflügen und ſäen wollen. Indem ich Ihnen hierfür danke, ſowie auch für die freundlichen Worte, die Sie durch Herrn Profeſſor Dr. Marx an mich gerichtet haben, begrüße ich Sie zu weiterer gemeinſamer und einheitlicher Arbeit, zur Arbeit an einer wahrhaft würdigen und großen Aufgabe, zur Arbeit, die nicht nur der Schule, der Gemeinde und dem Staate zum Nutzen gereicht, ſondern auch dem einzelnen Befriedigung gewähren und, ſo hoffe ich, ein immer engeres Band wahrer Kollegialität und, wenn es ſein kann, der Freundſchaft um uns ſchlingen ſoll.

Und 2u gemeinſamer Arbeit begrüße ich auch euch, liebe Schüler. Ihr ſeid es ja in erſter Linie, denen unſere, der Lehrer, Arbeit zugute kommen ſoll. Auf der Grundlage von Gottesfurcht und Vaterlandsliebe ſoll die Schule euch zu arbeitsſechrigen und charakterfeſten Männern erziehen. Denn arbeitsfreudige Männer bedarf das Vaterland. Wodurch anders iſt Deutſchland groß und mächtig geworden als durch Arbeit? Durch die Arbeit der Waffen iſt des Vaterlandes Macht und Größe auf dem Schlachtfelde gegründet worden. Aber die Erfolge der Waffen wären nicht möglich geweſen ohne vorhergehende ernſte Friedensarbeit. Und auch nach dem Siege galt und gilt es, wiederum durch raſtloſe Arbeit auf den verſchiedenſten Gebieten im friedlichen Wettbewerb der Völker einen ehrenvollen Platz zu erringen und zu behaupten. In dem Sinne wollen wir auffaſſen das ſtolze Wort: Deutſchland in der Welt voran und das andere noch ſtolzere:Denn es ſoll an deutſchem Weſen dereinſtmals noch die Welt geneſen. So kommt die Arbeitsfreudigkeit, zu der ihr erzogen werden ſollt, dem Vaterland zugute,