Jahrgang 
1914
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netenverſammlung, des Lehrerkollegiums und die Schüler der Anſtalt. Nachdem der Sängerchor durch ein Lied die Feier eingeleitet hatte, ergriff Herr Oberregierungsrat Dr. Paehler das Wort und ſprach zunächſt Herrn Profeſſor Dr. Marx den Dank aus für die eifrige und um⸗ ſichtige Tätigkeit, mit der er ſeit der Berufung des letzten Direktors, des Herrn Profeſſors Dr. Thamm, an das Kgl. Gymnaſium zu Wiesbaden, ein Viertel Jahr lang die Anſtalt ge⸗ leitet hatte. Dann gedachte der Redner bewegten Herzens der Zeit, da er ſelbſt an dieſer Anſtalt ſeine glückliche Laufbahn begann, und gab zunächſt einen geſchichtlichen Überblick über die Entwickelung des höheren Schulweſens in der Stadt Montabaur. In richtiger Erkenntnis der günſtigen Lage der Stadt hatte ſchon im Jahre 1806 der Fürſt von Naſſau⸗Weilburg das Gymnasium Montaborinum gegründet. Leider ging dieſe Anſtalt ſchon im Jahre 1817 wieder ein, weil die damalige Stadtverwaltung in engherziger Weiſe ſich geweigert hatte, die von der Regierung geſtellten Forderungen zu erfüllen, wobei freilich zur richtigen Würdigung dieſes Verhaltens erwähnt zu werden verdient, daß die Stadt damals unter der Laſt einer ungeheuren Kriegsſchuld ſeufzte. Lange hat die Stadt unter den Folgen dieſes verhängnisvollen Beſchluſſes gelitten, und erſt nach vollen fünfzig Jahren wurde der begangene Fehler wieder gutgemacht. In den erſten Jahren der preußiſchen Verwaltung erfolgte die Umwandlung der bisherigen naſſauiſchen Realſchule in ein ſtädtiſches Progymnaſium mit Staatszuſchuß. Zum erſten Rektor wurde vom Kuratorium der Redner gewählt und am 4. Oktober 1868 in ſein neues Amt ein⸗ geführt. Von nun an ging es raſch und ſicher aufwärts. Nicht nur das Progymnaſium entwickelte ſich zu ungeahnter Blüte, ſondern ſchon im Jahre 1870 wurde die Oberſekunda er⸗ richtet, bereits 1871 erfolgte die ſtaatliche Anerkennung der Anſtalt als Vollgymnaſium, und 1873 wurden die erſten Abiturienten entlaſſen. Die denkwürdige Huldigungsfahrt zum greiſen Kaiſer Wilhelm I. in Ems brachte der Anſtalt den EhrennamenKaiſer Wilhelms Gymnaſium.

Von ſeinen eigenen Verdienſten um dieſe glückliche Entwickelung hat der Redner nicht geſprochen. Wohl aber gedachte er mit dankbaren und anerkennenden Worten des freudigen Opferſinnes der ſtädtiſchen Behörden und der Bevölkerung. Gern erinnert er ſich jener ſechs Jahre, in denen er hier in Eintracht und Harmonie mit den ſtädtiſchen Behörden in jungen Jahren gearbeitet hat, und gern gedenkt er all der Männer, an denen er in den ſtädtiſchen Körperſchaften wie im Lehrerkollegium treue und bereitwillige Mitarbeiter fand. Die meiſten von ihnen deckt die kühle Erde, er widmet ihnen allen ein treues und warmes Gedenken.

Dann wandte ſich der Redner an den unterzeichneten Berichterſtatter, das, was in der Vergangenheit geſät und gepflanzt worden iſt, weiter zu hegen und zu pflegen, ſei jetzt die ſchöne und ernſte Aufgabe des neuen Direktors, dem er die Anſtalt ganz beſonders empfiehlt, deren Wohl ihm ſtets am Herzen liegen werde. Er wünſcht ihm, daß er das bisherige gute Einvernehmen innerhalb des Kollegiums und mit den ſtädtiſchen und ſtaatlichen Behörden treu bewahren und daß geſegnetes Vertrauen herrſchen möge. Hauptaufgabe des Direktors ſei es, über die Einheitlichkeit des Erziehungswerks zu wachen, denn ohne einheitliche Arbeit aller Be⸗ teiligten könne das Gymnaſium ſeine hohe Aufgabe nicht erfüllen. Dieſe Aufgabe aber ſei: Bildung der Jugend zur Wiſſenſchaftlichkeit und Erziehung zu Gottesfurcht und Vaterlandsliebe. Mit einer gewiſſen Strenge und mit Ernſt müſſe man ans Werk gehen. Der Schüler müſſe lernen, ſeine volle Kraft einzuſetzen, um ſich für ſeinen ſpäteren Beruf zu ertüchtigen; aber der Betrieb ſolle doch ſo ſein, daß die Schüler nicht ſpäter nur mit Groll und Erbitterung an die Schule zurückdenken. Liebe zu Religion und Tugend ſolle auf dem Boden ſeines Bekenntniſſes im Schüler gepflegt werden, damit er ſelbſt ſein Leben im Lichte der Ewigkeit führe, und damit die Gottesfurcht im Volke erhalten bleibe, als die ſtärkſte Stütze des Thrones und des Vater⸗ landes, denn drittens ſoll die Erziehung national ſein. Zur Zeit, da die Anſtalt gegründet wurde, gab es noch kein einiges Deutſches Reich. Als der Redner im Jahre 1868 bei der erſten Feier des Königsgeburtstages in ſeiner Feſtrede den Wunſch ausſprach, daß es dem

über dieWerken von Zuſter Hadewjich, Straßburg i. E., Diſſ. 1894. 2. Über Homerübertragung mit neuen Proben, Progr. Limburg 1902. 3. Sophokles Antigone, überſetzt und für die Bühne bearbeitet, Progr. Limburg 1905. 4. Erzählungen für den erſten Geſchichtsunterricht, Ausg. A und B, 2. Aufl. Leipzig 1907. 5. Sagen und Lebensbilder für die VII. Klaſſe höherer Mädchenſchulen, Leipzig 1910. 6. Lebensbilder für die VI. Klaſſe höherer Mädchenſchulen, Leipzig 1910. 7. Eine Reihe von Aufſätzen und Abhandlungen in mehreren wiſſenſchaftl. Zeitſchriften.