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Am 19. und 20. März war der Unterzeichnete ſtellv. Prüfungskommiſſar. 8 Abiturienten wurden vom Mündlichen befreit, 1 nahm auf Grund des§ 10,2, Abſ. 2 der Prüf.⸗Ordnung nicht teil, alle anderen wurden für reif erklärt.
Ausflüge, Schulfeſte und Vorträge brachten etwas Abwechſlung in das Alltagsleben. Der Unterzeichnete veranſtaltete Lichtbildervorträge über Smyrna, Epheſus, das alte Rom und einige Kunſtſammlungen in italieniſchen Städten und am Vorabend des Sedantages über Zeppelins Erkundungsritt i. J. 1870 und das Schloß in Verſailles. Am 8. Mai fand ein größeres Kriegsſpiel unter der dankenswerten Oberleitung zweier Reſerveoffiziere, der Herren Oberleutnant Dietz und Leutnant Keil ſtatt. Unter Mitwirkung der Kapelle Müller und des Herrn Reſtaurateurs Leo vom Ende entwickelte ſich im Coblenzer Walde ein fröhliches Maifeſt. Die Mitte des Juli war für ein zweites Studien⸗Erinnerungsfeſt ehemaliger Schüler des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums auserſehen. Es wurde am 15. Juli durch einen wirkungsvollen Fackel— zug und flotte Märſche der Darmſtädter Leibdragoner⸗Kapelle würdig eingeleitet. Am 16. Juli um 10 ½ Uhr verſammelten ſich die Teilnehmer zum Feſtaktus in der mit Tannengrün ge⸗ ſchmückten Gymnaſial-Turnhalle; dann pilgerten alle zum Friedhofe zur Enthüllung des Grab— denkmals, das dankbare Schüler dem i. J. 1909 verſtorbenen Herrn Gymnaſialdirektor Dr. Werneke errichtet hatten. Gegen 12 Uhr lockte die Muſikkapelle Hunderte von Gäſten auf den mit Tannen und Wimpeln umſäumten Marktplatz, nachmittags 4 Uhr auf den Jugend⸗ ſpielplatz, abends 8 ½ Uhr in Hämmerleins Gartenſaal zum Feſtkommers. Am 17. Juli führte ein Extrazug von 2 Lokomotiven und 17 Durchgangswagen die ehemaligen und jetzigen Schüler nebſt Angehörigen nach Ems zu einer Gedenkfeier am Standbild des greiſen Helden⸗ kaiſers. Am 17. Juli 1871 hatte nämlich das damalige Progymnaſium mit ſeinem Rektor Herrn Dr. Paehler eine Huldigungsfahrt zum ſieggekrönten Herrſcher uach Ems unternommen. Genau 40 Jahre ſpäter ſcharten ſich viele alte Schüler um ihren damaligen Rektor in Ems, verſtärkt durch Hunderte von Feſtteilnehmern. Direktor Dr. Thamm legte nach einer Anſprache einen Kranz aus Lorbeerzweigen und Kornblumen an den Stufen des Denkmals nieder, und Herr Ober⸗ und Geh. Regierungsrat Dr. Paehler, der auf Einladung zu dieſer Gedenkfeier erſchienen war, ſchilderte darauf im Kurſaal in feſſelnder Weiſe die großen Ereigniſſe der Jahre 1870/71 im allgemeinen und die für das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium hochwichtige Begebenheit vom 17. Juli 1871 im beſonderen und brachte ein Hoch auf Se. Majeſtät Kaiſer Wilhelm II. aus. Beim Feſtmahl im Hotel Flandern friſchten manche Teiluehmer noch ſchöne Erinnerungen aus der alten Zeit auf. Am Nachmittag des 18. Juli bereiteten die Ehemaligen auf ihre Koſten der Jugend ein Waldfeſt.*)
Am Sedantage zeigten ſich auserleſene Mannſchaften im Fünfkampf auf dem Jugend⸗ ſpielplatze; außerdem wurde ein Fußball- und Tennisturnier ausgefochten und den unteren
Klaſſen Gelegenheit zu Bewegungsſpielen geboten.
Am 27. Oktober 1911 beſuchten mehrere Abteilungen die Kolonialausſtellung in Limburg und am 7. März 1912 faſt alle Schüler die ſehenswerte Marine⸗Ausſtellung in Coblenz. Hier vermochte beſonders Herr Kapitänleutnant Mumm durch einen gehaltvollen Vortrag die Be⸗ deutung unſerer Kriegsflotte, ſowie die Wichtigkeit der Torpedo⸗ und Unterſeeboote dem auf⸗ merkſam zuhörenden Jung-Deutſchland überzeugend darzulegen. Die dritte Ausſtellung— im Zeichenfaale der Anſtalt— verdankten wir am 17. März 1912 Herrn Zeichenlehrer Bormes. Eine reichhaltige Auswahl von trefflichen Schülerarbeiten legte Zeugnis ab von der Schaffens⸗ freudigkeit aller Abteilungen.
Der Geburts⸗ und Todestage unſerer verewigten Kaiſer Wilhelm IJ. und Friedrich III. wurde durch Anſprachen in den einzelnen Klaſſen gedacht; die unvergeßlichen Verdienſte der edlen Samariterin auf dem Hohenzollernthron, der Kaiſerin Auguſta, würdigte am 30. September anläßlich der hundertſten Wiederkehr ihres Geburtstages der Unterprimaner F. Heine in der Aula. Der Geburtstag Sr. Majeſtät Kaiſer Wilhelms II. wurde nach dem Feſtgottesdienſte um 10 ½ Uhr in der Gymnaſial⸗Turnhalle gefeiert. Die Feſtrede hielt Herr Profeſſor H. Becker. Das Programm lautete:
I. a) Hohenfriedberger Marſch, b Torgauer Marſch(Klavier 4hdg.) II. Die Ehre Gottes von Beethoven
*) Ein ausführlicher Bericht über die Tage vom 15. bis 18. Juli iſt vom Herrn Buchdruckereibeſitzer G. Sauerborn dem Verein ehemaliger Schüler des Kaiſer Wilhelms Gymnaſiums koſtenlos zur Verfügung geſtellt worden. Herr Buchhändler Kalb wird gegen Einſendung von 35 Pfg. die Schrift jedem Beſteller übermitteln. Der Ertrag iſt für ein Schülerſtipendium beſtimmt.


