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Behörden im Herbſt 1894 die Mittel zu dem Umbau des alten Gebäudes und zu dem Neubau eines Flügels bewilligt. Das neue Flügelgebäude, zu dem der Grundſtein am 8. Mai 1895 gelegt worden war, wurde im Auguſt 1896 fertig geſtellt. Der Umbau des alten Gebäudes, der jetzt ebenfalls vol⸗ lendet iſt, war in den Herbſtferien ſoweit gefördert worden, daß mit Ausnahme einer Klaſſe, die auf einige Tage in einem Raum der Elementarſchule Unterkunft fand, ſämtliche Klaſſen bei Beginn des Winterſemeſters in dem Gymnaſialgebäude untergebracht werden konnten. Durch den Neu⸗ und Um⸗ bau hat das Gymnaſium— abgeſehen von der größeren Zweckmäßigkeit der Lehrſäle— einen ſtatt⸗ lichen Verſammlungsſaal für die ganze Anſtalt, ferner einen Zeichenſaal und ein Lehrzimmer für den naturwiſſenſchaftlichen Unterricht ſowie einen größeren Raum für unſere koſtbaren Sammlungen ge⸗ wonnen. Gleichzeitig ſind für alle Klaſſen— den Zeichenſaal und das phyſikaliſche Lehrzimmer aus⸗ genommen— neue Schulbänke aus der Fabrik Fuhrmann u. Hauß zu Frankenthal nach dem Syſtem „Verbeſſerte Normal⸗Schulbank“ angeſchafft worden, die allen neuen Anforderungen der Schulhygiene vollauf genügen.
Im Anfange des Winterſemeſters wurden 14 neue Schüler aufgenommen.
Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember bis 6. Januar.
Am Nachmittag des 26. Januars fand zur Vorfeier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs ein Feſtaktus in dem prächtig geſchmückten Turnſaale des Kgl. Lehrerſeminars mit Muſik, Geſang und Deklamationen ſtatt. Die Feſtrede hielt Oberlehrer Dr. Kilian.
Die Reifeprüfnng für den Oſtertermin 1897 wurde am 17. März unter dem Vorſitze des Unterzeichneten abgehalten. Sämtliche 20 Prüflinge erhielten das Zeugnis der Reife, 13 von ihnen wurden von der mündlichen Prüfung gärzlich befreit.
Die Gedächtnisfeier des 100jährigen Geburtstages Seiner Majeſtät des Hochſeligen Kaiſers Wilhelm des Großen wurde am 21. März durch feierlichen Gottesdienſt eingeleitet. Am 22. März wurde in der feſtlich geſchmückten neuen Aula des Gymnaſiums ein Feſtaktus mit Geſang, Muſik und Deklamationen abgehalten. Die Feſtrede hielt der Unterzeichnete. An die patriotiſche Feier ſchloß ſich die Entlaſſung der Abiturienten. Mit dieſer erhebenden Feier, die gewiß im Gedächtnis aller Feſtgenoſſen, zumal der Abiturienten, fortleben wird, war die Einweihung unſerer neuen Aula ver⸗ bunden, in deren ſchönem und würdigem Raume das Gymnaſium zum erſten Male ſeine geehrten Gäſte begrüßen durfte. Für immerdar wurde der ſtattliche Saal gewidmet„der Religion— der Wiſſenſchaft— dem Vaterlande! Doo— Musis— Patriae!“
Am 23. März unternahmen die Schüler unter Führung ihrer Ordinarien Ausflüge in die Umgegend von Montabaur und beteiligten ſich abends an dem von den hieſigen Kriegervereinen ver⸗ anſtalteten großartigen Fackelzuge durch die glänzend beleuchteten Straßen der Stadt.
Auch die anderen Geburts⸗ und Todestage der in Gott ruhenden Kaiſer Wilhelm IJ. und Friedrich wurden als vaterländiſche Gedenk⸗ und Erinnerungstage in der vorgeſchriebenen Weiſe begangen, Der Geſundheitszuſtand war im allgemeinen bei Lehrern und Schülern befriedigend.
Oberlehrer Wurm mußte in ſeinen Unterrichtsſtunden vom 6.—18. Juli vertreten werden, weil in ſeiner Familie Diphtheritis ausgebrochen war, ebenſo Prof. Bloemer vom 19. Januar bis 13. Februar, da er wegen eines Augenleidens einen vierwöchigen Urlaub erhalten hatte. Die Vertretung übernahmen in beiden Fällen die Kollegen.
Vom 31. März ab hat Oberlehrer Th. Becker einen gwöchigen Urlaub zu einer mili⸗ täriſchen Übung erhalten; in den ev angeliſchen Religionsſtunden vertritt ihn Pfarrer Heinzemann von hier, in den übrigen Stunden das Lehrerkollegium, das ihn auch ſchon im Auguſt 1896 bei gleicher Veranlaſſung einige Tage in einer Anzahl von Stunden vertreten hat.


