Jahrgang 
1890
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Schülern und erläuterte dieſelbe; die neu eingetretenen Schüler wurden durch Handſchlag zur Beobachtung derſelben verpflichtet.

Am 28. Mai verließ der Kandidat des höh. Schulamts Boleslaus von Kaſinowski die Anſtalt, nachdem er das vorſchriftsmäßige Probejahr beendet hatte.

Wie in früheren Jahren bereicherte Herr Pfarrer Dr. Muth die hieſige Lehrerbibliothek durch eine Sendung von Büchern, die hauptſächlich der neueſten deutſchen Litteratur angehören. Die reichen Spenden des verehrten Herrn ſind für uns um ſo wertvoller, da die Gymnaſialbibliothek wegen der Beſchränktheit der zur Verfügung ſtehenden Mittel nur ſelten Anſchaffungen auf dieſem Gebiete machen kann. Das Nähere ſiehe unter V.

Die Pfingſtferien dauerten vom 8. bis zum 16. Juni.

Donnerstag den 11. Juli machte die Oberprima einen Ausflug nach dem großen Feldberge; die Klaſſe war an dem freien Nachmittag vorher über Limburg nach Idſtein gefahren, erſtieg von da aus den Feldberg und kehrte dann über Epſtein, wo zu Mittag geſpeiſt wurde, wieder nach Montabaur zurück, wo ſie am Abend gegen 7 Uhr wieder eintraf. Die übrigen Klaſſen machten an freien Nachmittagen wiederholt unter Begleitung ihrer Klaſſenlehrer weitere Spaziergänge; die freundliche Umgegend bietet ſolche in reicher Auswahl.

Das Gymnaſium in Montabaur teilt mit den höhern Lehranſtalten, die ebenfalls in kleineren Städten liegen, das Schickſal, daß herumziehendeKünſtler das Anſinnen ſtellen, ihnen ſolche Stunden, die für den Unterricht beſtimmt ſind, für ihre Leiſtungen zur Verfügung zu ſtellen. Es iſt ſelbſtredend, daß ſolche Zumutungen zurückgewieſen werden, da meiſtens das Angebotene mit dem Unterricht in keiner nähern Beziehung ſteht. In dieſem Jahre wurde eine Ausnahme gemacht, da ein namhafter Vorleſer den Fechter von Ravenna von Fr. Halm zum Vortrage brachte. Die obern Klaſſen waren faſt voll⸗ zählig erſchienen. Der Direktor gab eine kurze litteraturhiſtoriſche Einleitung. Das iſt dann ſo eine Art vondeutſcher Lehrſtunde..

Gemäß der Miniſterialverfügung vom 23. Juli 1888 wurden die Geburts⸗ und Todestage unſerer erſten beiden Kaiſer, Wilhelm J. und Friedrich III.(15. Juli, 18. Oktober, 9. März und 22. März) in der vorgeſchriebenen Weiſe teils von dem geſamten Gymnaſium im Kaſinoſaale, teils in den einzelnen Klaſſen gefeiert.

Am 27. Januar wurde vom Gymnaſium der Geburtstag Sr. Maj. des Kaiſers Wilhelm II. in feſtlicher Weiſe in dem angemeſſen ausgeſchmückten großen Rathausſaale begangen. Die Feſtrede hielt

der Direktor. Zu Anfang des Winterſemeſters trat Herr Goerg das vorſchriftsmäßige Probejahr an.

Der Geſundheitszuſtand ließ im vergangenen Jahre ſowohl bei Lehrern als bei den Schülern viel zu wünſchen. Herr Lückenbach wurde bei Beginn des Winter⸗Semeſters krank und konnte ſeine Stunden erſt nach Neujahr wieder in ganzem Umfange aufnehmen. In Oberſekunda vertrat ihn der Hilfslehrer Schmitt; die lateiniſchen Stunden in Oberprima wurden mit denen in Unterprima combiniert.

Die im Januar ausgebrochene Influenza hat unter den Schülern arg gehauſt. An verſchiedenen Tagen fehlten weit über 100 Schüler, zugleich ſetzten auch mehrere Lehrer(Breuer, Schmitz, Seck) den Unterricht aus. Erſt nach etwa 14 Tagen war die gewohnte Ordnung wieder hergeſtellt. Dieſe erlitt aber Ende Februar wieder eine Störung, indem wahrſcheinlich infolge des lange Zeit ſchneidend ſcharf wehenden Oſtwindes verſchiedene Schüler und die Herren Breuer und Wurm erkrankten und letzterer eine ganze Woche, erſterer zwei Wochen dem Unterricht entzogen wurden.

Die Abiturienten machten die ſchriftlichen Arbeiten vom 6.11. Februar. Die mündliche Prüfung wurde am 20. und 21. März unter dem Vorſitz des Geh. Regierungsrats Dr. Lahmeyer abgehalten.