Jahrgang 
1886
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III. Chronik der Schule.

Das Schuljahr begann Donnerstag den 16. April mit der Prüfung der angemeldeten Schüler; es traten 50 neue Schüler ein. Am folgenden Tage wurde vor ſämtlichen Schülern die Disciplinar⸗ ordnung des Gymnaſiums vom Direktor verleſen und die neu eingetretenen durch Handſchlag zur Beobachtung derſelben verpflichtet.

Gleich in den erſten Tagen des Semeſters unterzog Herr Profeſſor Schmidt⸗Rimpler von Marburg im Auftrage des Herrn Miniſters die Schüler des Gymnaſiums einer Augenunterſuchung. Nach dem in demArchiv für Opthalmologie von v. Graefe XXXI 4 veröffentlichten Berichte über die an 6 Anſtalten der Provinz angeſtellte Unterſuchung iſt der Befund am hieſigen Gymnaſium erfreulich. Es heißt in dem Berichte(S. 142):Die Sehſchärfe war bei 199 Schülern(von 241 unterſuchten)(82,5 pCt.) 1, bei 38 Schülern(15,7 pCt.) ½ und bei 4(1,6 pCt.) ½: ein gegenüber dem Frankfurter und Fuldaer Gymnaſium günſtiger Procentſatz. In der auf S. 153 aufgeſtellten Tabelle iſt derDurchſchnitt der Myopen für die ganze Anſtalt mit 32,0 pCt. ange⸗ geben. Der Procentſatz ſteigt von 0 in Sexta auf 10 in V, 21 in IV, 26 in IIIe, 19 in IIII, 47 in II2, 54 in II1, 40 in I2, 55 in II.

Die Pfingſtferien dauerten von Samstag 23. Mai bis Sonntag 31. Mai.

Am 2. Juli machten die Schüler in verſchiedenen Abteilungen die herkömmliche Turnfahrt. Die Sexta machte einen weiten Spaziergang in den Wald; die Quinta und Quarta wanderte nach Ems und beſuchten von da aus Niederlahnſtein und Stolzenfels am Rhein; die Tertia machte einen Aus⸗ flug nach dem Siebengebirge; die Sekunda fuhr mit der Weſterwaldbahn nach Hachenburg und ver⸗ brachte den Tag im ſchönen Niſterthale bei der alten Abtei Marienſtatt; die Prima endlich, die einen Tag früher aufgebrochen war, fuhr mit der Bahn nach Eppſtein, und wanderte dann über König⸗ ſtein auf den großen Feldberg, wo Nachtquartier gemacht wurde. Leider war ſowohl am Abend des 1. Juli als auch am folgenden Morgen die Spitze des Berges von Nebel umhüllt. Längs des römiſchen Pfahlgrabens ging die Wanderung am 2. Juli nach dem römiſchen CaſtellSaalburg, dann nach Homburg; von hier aus wurde die Rückfahrt mit der Eiſenbahn über Frankfurt, wo der Römer beſichtigt wurde, und Limburg gemacht. Das Wetter war für die verſchiedenen Abteilungen im ganzen günſtig.

Am 5. Juli verlor die Anſtalt einen hoffnungsvollen und liebenswürdigen Schüler, den Quintaner Rudolf Kloz; er ſtarb an der Diphtheritis; am 8. d. M. begleiteten ſämtliche Lehrer und Schüler die Leiche zu Grabe; die Leichenrede hielt Herr Pfarrer Weckerling.

Die Herbſtferien begannen den 15. Auguſt und dauerten bis zum 19. September.

Am 26. October wurde in herkömmlicher Weiſe eine Nachfeier des Sedantages veranſtaltet: am Nachmittag machten die Klaſſen unter Leitung ihrer Ordinarien einen weiteren Ausflug und ver⸗ gnügten ſich mit Spiel und Geſang. Auch ſonſt wurden im Laufe des Schuljahrs von den einzelnen Klaſſen in Begleitung der Klaſſenlehrer wiederholt weitere Wanderungen in die Umgegend gemacht.

Mitte Oktober trat der cand. prob. Herr Schedtler ſein Probejahr am hieſigen Gym⸗ naſium an.

Am 3. Dezember unterzog der Herr Prov.⸗Schulrat Dr. Lahmeyer mehrere Klaſſen des Gymnaſiums einer eingehenden Reviſion. Nachträglich wird bemerkt, daß im vorigen Schuljahre am