Jahrgang 
1886
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20. Juli auch der Herr General⸗Superintendent Dr. Ernſt den evangeliſchen Religionsunterricht in ſämtlichen Gymnaſialklaſſen revidierte.

Die Weihnachtsferien dauerten vom 23. Dezember bis zum 7. Januar.

Am 3. Januar abends wurde mit den ortsanweſenden Schülern eine kleine Feier des Regierungs⸗ jubiläums Sr. Majeſtät des Kaiſers veranſtaltet und dabei das Gymnaſialgebäude feſtlich erleuchtet. Die vorgeſchriebene offizielle Feier fand nach der Rückkehr der auswärtigen Schüler am 7. Januar im großen Rathausſaale ſtatt: Geſänge und Deklamationen wechſelten mit einander ab; die Feſtrede hielt der Direktor.

Am 12. und 13. März wurde das mündliche Abiturienten⸗Examen abgehalten. Da der Herr Provinzial⸗Schulrat zu erſcheinen verhindert war, ſo führte der Direktor den Vorſitz; ſämtliche 21 Oberprimaner erhielten das Zeugnis der Reife; 4 wurden von der mündlichen Prüfung dispenſiert (Herr, Jung, Kunſt und Steilberg).

Am 20. März wurde in herkömmlicher Weiſe die Vorfeier des 90. Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers. im großen Rathausſaale mit Geſängen, Deklamationen und Koncertſtücken begangen. Die Feſtrede hielt Herr Dr. Marx. An dieſelbe ſchloß ſich die Entlaſſung der Abiturienten durch den Direktor; Namens der Scheidenden hielt der Abiturient D. Kunſt die Abſchiedsrede.

Die öſterlichen Klaſſenexamina begannen am 20. März mit der Prüfung der Sexta und der Quinta.

Der Geſundheitszuſtand war bei Lehrer und Schülern im allgemeinen ein befriedigender, obgleich eine zeitlang Diphtheritis und Scharlach in unſerer Stadt herrſchten und einer unſerer Schüler, wie oben bemerkt, der erſtgenannten Krankheit zum Opfer fiel; meiſtens waren die Anfälle, die in der Stadt vorkamen, leichter Art. Profeſſor Breuer und Oberlehrer Schmitz mußten krankheitshalber einige Tage vertreten werden.

VI. Stiftungen und Annterſtützungen.

Das Kuratorium hat gemäß ſeiner Befngnis armen und würdigen Schülern das Schulgeld entweder ganz oder zum Teil erlaſſen. Die Geſamtſumme der Erlaſſe reſp. Ermäßigungen belief ſich auf ca. 10% der Soll⸗Einnahmen aus dem Schulgeld. Die wirkliche Einnahme aus dem Schulgeld und ſonſtigen Hebungen von den Schülern belief ſich auf 21647 Mark. Stiftungen beſitzt die Anſtalt z. Z. immer noch keine. Ich kann daher hier an dieſer Stelle nur wiederholen, was ich ſchon ſeit einigen Jahren, leider immer erfolglos, an dieſer Stelle bemerkt habe: Das Kaiſer Wilhelms Gymnaſium iſt unter den Gymnaſien des preußiſchen Staates vielleicht das einzige, welches auch nicht über die kleinſte wohlthätige Stiftung zur Unterſtützung braver und talentvoller, aber armer Schüler verfügt. Andere Anſtalten haben mehr oder weniger reiche Fonds zu dieſem Zwecke und ſind ſo glücklich von Zeit zu Zeit neue Stiftungen zu erhalten. Ich kann an dieſer Stelle den Wunſch nicht unterdrücken, daß auch für unſere ärmeren Schüler ſich bald edle Wohlthäter finden mögen, die dieſem gerade im Weſterwalde ſehr empfindlichen Mangel abzuhelfen ſich entſchließen. Wer der erſte iſt, hat den ſchönſten Ruhm davon; iſt einmal ein Anfang gemacht, ſo läßt ſich hoffen, daß andere dem ſchönen Beiſpiel folgen werden.

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