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IV. Geſchichte der Anſtalt.
Am 16. Juni 1911 beſuchten die Herren Geheimerat Süffert und Geh. Oberſchulrat Block unſere Anſtalt und wohnten dem Unterricht in verſchiedenen Klaſſen bei.
Am 25. September 1911 beſtanden vier Schüler und am 27. Februar 1912 drei Schüler unſerer Klaſſe II'b die fakultative Abſchlußprüfung; bei dieſen Prüfungen waren dem Direktor die Obliegenheiten des Vertreters der Regierung übertragen.
Der Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs und der Sr. Majeſtät des Kaiſers wurden öffentlich in unſerem Zeichenſaale gefeiert. Am 25. November hielt Prof. Dr. Klaſſert die Feſtrede; bei der zweiten Feier ſprach Prof. Dr. Hönig. An dieſem Tage wirkten unſere früheren Schülerinnen Frl. Auguſte Kredel und Frl. Hildegard Schultz bei der Aufführung der Märchendich⸗ tung„Beim Rattenfänger im Zauberberge“ von Frida Schanz, komponiert von C. Attenhofer, mit, indem erſtere die Klavierbegleitung, letztere die Sologeſänge übernahm. Ihnen ſei auch an dieſer Stelle dafür Dank geſagt.
Durch Verfügung Großh. Miniſteriums wurde der Lehramtsreferendar Adam Schnellbacher vom 1. April 1911 ab zum Lehramtsaſſeſſor ernannt, und es wurde ihm geſtattet, ſeine Lehrtätig⸗ keit an unſerer Anſtalt im Schuljahre 1911 freiwillig fortzuſetzen. Vom 28. Juli ab war er zu einer achtwöchigen militäriſchen Uebung einberufen. Durch Verfügung Großh. Miniſteriums wurde dem Lehramtsaſſeſſor Schnellbacher die Verwaltung einer Lehrerſtelle an der höheren Bürgerſchule zu Vilbel vom 29. Februar bis zum 30. März 1912 übertragen.
Durch Verfügung Großh. Miniſteriums wurde dem Lehramtsreferendar Ludwig Eſcher aus Erbach geſtattet, ſeinen Vorbereitungsdienſt im zweiten Jahre mit Beginn des Winterhalbjahres 1911 an unſerer Anſtalt fortzuſetzen.
Lehrer Fröhlich, der ſeine Stelle bei der hieſigen israelitiſchen Gemeinde mit Wirkung vom 1. November 1911 aufgab, erteilte an unſerer Anſtalt den israelitiſchen Religionsunterricht noch bis Vnbe Dezember; von Anfang Januar 1912 ab wurde dieſer Unterricht dem israelitiſchen Lehrer Bick übertragen.
Am 7. März ließ das Großh. Rabbinat Darmſtadt II den israelitiſchen Religionsunterricht an unſerer Anſtalt durch den Aſſiſtenten Herrn Dr. Marx prüfen.
An dem wahlfreien Unterricht der Stenographie nach dem Syſtem Gabelsberger nahmen 22 Schüler der Klaſſen IIa— IIIb und an dem Handfertigkeitsunterricht im Anſchluß an die Phyſik 8 Schüler der Klaſſen IIa-— IIIa teil.
Am 16. Mai machten die Schüler aller Klaſſen Ausflüge in die Umgebung Michelſtadts. Einige Klaſſen dehnten ſie bis zum Neckartal aus. Am 1. und 2. September machten die Schüler der Klaſſen IIa und IIb einen zweitägigen Ausflug über Hetzbach, Affolterbach, Siedelsbrunn, Kall⸗ ſtädter Tal, Weinheim nach Zwingenberg und von da über Melibokns, Felsberg, Neunkircher Höhe, Reichelsheim nach hier zurück. Die Schüler der anderen Klaſſen machten Ausflüge mit den Zielen Reichelsheim, Rodenſtein und näher gelegenen Orten. Die Schüler der beiden unteren Klaſſen um⸗ gingen die Grenzen der Gemarkung Michelſtadt, die eine die weſtliche, die andere die öſtliche Grenze.
Am 10., 11., 12., 14., 28., 29. Auguſt und am 13. September mußte der Unterricht in der letzten Stunde des Vormittags und am Nachmittag der Hitze wegen ausfallen. Am 6. Februar fuhren die Schüler aller Klaſſen mittags am Galgenberg Schlitten.
Zum Spielen außerhalb der Schulzeit wurde unſer Schulhof oft benutzt. Auch auf dem Turnplatz des Turnvereins Michelſtadt ſpielten unſere Schüler, die in Michelſtadt und ſeiner nächſten Umgebung wohnen, im Nachſommer an zwei Tagen der Woche; hier hatte der Schüler Reubold der Klaſſe IIa die Aufſicht. Am Baden und Schwimmen an unſerem Badehäuschen auf dem Anweſen der Herren Fabrikanten Rexroth beteiligten ſich die Schüler während der Sommermonate fleißig; der Schüler Kolb der Klaſſe IIa führte wie im Vorjahre die Aufſicht.
Der Geſundheitszuſtand der Lehrer und Schüler war in dieſem Jahre befriedigend.
Nach einer Verordnung Großh. Miniſteriums ſoll den Eltern aller Schüler zu Anfang eines jeden Halbjahres bekannt gegeben werden, an welchen Wochentagen ſich die Hefte mit den verbeſſerten und beurteilten ſchriftlichen Arbeiten in den Händen der Schüler befinden, damit die Eltern von den Fortſchritten ihrer Kinder durch Einſicht in deren ſchriftliche Leiſtungen fortlaufend


