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bleibende Anſchauungen für alle Altersſtufen unſerer Schüler erwarten. Da jedoch die Meldungen zur Teilnahme an dieſem Ausfluge von Seiten der Schüler verhältnismäßig nur wenig zahlreich ſich heraus⸗ ſtellten und die Witterung im Monat Juni ſehr ungünſtig war, ſo mußte der Ausflug unterbleiben.
Nach Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums des Innern und der Juſtiz, Abteilung für Schulangelegenheiten, wurde die Schulfeier des Geburtstages Sr. Königlichen Hoheit des Großherzogs auf Samstag den 11. September verlegt. An dieſem Tage wurde ein öffentlicher Feſtact unter Be⸗ teiligung von Eltern und Angehörigen der Schüler und des Mädcheninſtituts nach folgendem Programm abgehalten:.
1. Geſang: Heil unſerm Fürſten Heil. 2. Feſtrede des Directors: Die große Landgräfin Henriette Karoline. 3. Geſang: Das Kaiſerlied von Sehring.
Mittwoch den 22. September machten der Director in Begleitung des Herrn Reallehrers Heußlein mit 22 Schülern der I. Klaſſe einen Ausflug nach dem Nationaldenkmal auf dem Niederwald. Nachdem der Unterzeichnete ſchon in der Schule die wichtigſten Erläuteruugen in Betreff der Entſtehung des Denkmals und ſeiner Hauptteile unter Vorzeigung von Lehmann's geographiſchen Charakterbildern gegeben hatte, wurde die Fahrt über Mainz nach Bingen Mittwoch den 22. September mit dem erſten Zuge bei ungünſtiger Witterung angetreten. In Mainz beſuchten wir das römiſche Muſeum und wurden durch Herrn Dr. Lindenſchmidt, der in der liebenswürdigſten Weiſe ſelbſt den Führer machte, auf die wichtigſten Gegenſtände dieſer ausgezeichneten Sammlung aufmerkſam gemacht. Von da gingen wir an der Stadthalle vorüber und nachdem wir uns an einem Glaſe Bier in der Wirtſchaft zum heil. Geiſt erquickt hatten, in den Dom, wo wir die wichtigſten Denkmale beſichtigten. Nachdem wir nun auch noch das Guttenberg⸗ und Schiller⸗Denkmal geſehen hatten, fuhren wir mit der Eiſenbahn nach Bingen, obwohl das Wetter ſich noch nicht aufgeklärt hatte, in der Hoffnung, daß uns der Himmel am nächſten Tage für unſere Beharrlichkeit mit freundlichen Blicken belohnen würde. In Bingen wurden wir von Herrn Reallehrer Falkenhagen freundlich empfangen und nach unſrem Gaſthofe, dem Pariſer Hof, geleitet. Nachdem wir hier den Bedürfniſſen des Leibes genügt hatten, benutzte der Unterzeichnete einige Augenblicke nach dem Abendeſſen, um den Schülern die Bedeutung des Nationaldenkmals näher zu erläutern. Er knüpfte dabei an die Worte an, die auf dem Poſtamente des Denkmals unter der Germania ſtehen:„Zum Andenken an die einmütige und ſiegreiche Erhebung des deutſchen Volkes und an die Wiederaufrichtung des deutſchen Reiches 1870— 71.“ Er entwickelte in längerer Rede unter Rückblicken auf die deutſche Geſchichte, wie dieſe Einmütigkeit des deutſchen Volkes zu den herrlichen Siegen und zur Wiedererrichtung des von den deutſchen Patrioten ſchon nach dem Sturz des alten römiſchen Reiches deutſcher Nation erhofften neuen deutſchen Reiches, deſſen erbliche Krone auf den in der Geſchichte bewährten Hohenzollernſtamm überging, geführt habe. Ein dreifaches Hoch auf unſern Heldenkaiſer beſchloß dieſe Anrede. Hierauf wurden die in der Schule gegebenen Notizen nochmals wiederholt und einige patriotiſche Geſänge von den Schülern vorgetragen. Am nächſten Morgen be⸗ ſtätigte ſich unſere Hoffnung, denn ein heiterer Himmel ermunterte uns ſchon frühe zur Fortſetzung unſerer Reiſe. Mit dem Dampfboot fuhren wir nach Rüdesheim und ſtiegen zum Niederwald empor. Dort angekommen, betrachteten nun die Schüler das Denkmal in allen Einzelheiten, worauf der Unterzeichnete ſeine Erläuterungen über die Bedeutung desſelben fortſetzte und dabei an die andern Worte, die auch die Schlußworte der Kaiſerrede bei der Einweihung des Denkmals waren, anknüpfte:„Den Gefallenen zum Gedächtnis, den Lebenden zur Anerkennung, den künftigen Geſchlechtern zur Nacheiferung.“ Er erinnerte daran, daß die Gefallenen nicht nur zur Abwehr des frevelhaften Ueberfalls die Waffen ergriffen hatten, ſondern daß ſie voll und ganz die Schmach rächten, die ſeit Jahrhunderten durch die Franzoſen über unſer Volk gekommen war, daß ihre Aufopferung zur Wiedereroberung der uns entriſſenen Provinzen und zur Wiedererrichtung des neuen deutſchen Reiches geführt habe. Er ermahnte dann zum Danke im Hinblicke auf die großen Thaten und Errungenſchaften des Krieges 1870— 71, zum Danke gegen unſern Heldenkaiſer, der noch am Abend ſeines Lebens den Kampf aufgenommen hat, zu dem ihn einſt ſeine edle Mutter, die Königin Luiſe in ſchwerer, banger Zeit mit prophetiſchem Geiſte aufgerufen hatte, zum Danke gegen das große Dreigeſtirn am militäriſchen und politiſchen Himmel: Bismarck, Moltke, Roon, von welchen jeder in ſeiner Weiſe das große Werk fördern half; zum Danke gegen die unvergleichlichen


