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7. Verfügung vom 14. Juli 1883, betr.:„Die Feier des 400jährigen Geburtstages Dr. Martin Luthers.“
In Nachachtung dieſer Verfügung fiel der Unterricht am 10. November aus, und wurde für die evangeliſchen Schüler der Realſchule und des Mädcheninſtituts eine öffentliche Schulfeier nach folgen⸗ dem Programm angeordnet:.
1. Geſang der Realſchüler:„Hoch thut euch auf, ihr Thore der Welt,“ Motette von Klein. 2. Feſtrede des Directors:„Die reformatoriſchen Verdienſte Luthers um die höheren Schulen Deutſchlands.“ 3. Geſang der Schülerinnen des Mädchen⸗Inſtituts:„Kommt herzu, laſſet uns dem Herrn frohlocken,“ Motette von Löchner. 4. Geſang:„Ein' feſte Burg iſt unſer Gott.“
8. Verfügung vom 16. Auguſt 1883. Bei Ausſtellung der Cenſuren der Schüler der höheren Lehranſtalten iſt von der Erteilung eines Generallocus, der aus Speciallocationen für einzelne Lehr⸗ fächer abgeleitet wird und die Geſamtleiſtungen in allen Lehrfächern zuſammenfaſſend charakteriſieren ſoll, fortan abzuſehen. 3
9. Verfügung vom 11. Januar 1884. Wenn von mehreren dieſelbe Anſtalt beſuchenden Brüdern der eine oder der andere ſich im Genuß einer Freiſtelle befindet, ſo ſind die von Zahlung des Schulgeldes befreiten Brüder als vollzahlende zu betrachten, und demgemäß iſt dem nächſtfolgenden Bruder zu einem Drittel und etwaigen weiteren Brüdern zur Hälfte das Schulgeld zu erlaſſen.
Der Nachmittagsunterricht wurde wegen der Hitze Montag den 4. Juni, Dienſtag den 5. Juni, Freitag den 29. Juni, Montag den 2. Juli, Dienſtag den 3. Juli ausgeſetzt.
Durch Allerhöchſtes Decret vom 28. Juni 1883 wurde Reallehrer Theodor Litt auf ſein Nach⸗ ſuchen unter Anerkennung ſeiner langjährigen, treuen Dienſte mit Wirkung vom 1. Auguſt an in den Ruheſtand verſetzt. Da ein Nachfolger bis dahin noch nicht beſtellt werden konnte, ſo trat bis Herbſt 1883 ein Proviſorium ein, über welches oben bereits berichtet wurde.— Über 40 Jahre verſah Litt mit unermüdlicher Ausdauer und vorzüglichem Erfolge die Pflichten des Lehrers und Erziehers, leitete, als älteſter Lehrer, wiederholt in Vacanzen die Directionsgeſchäfte und trat eifrig in den verſchiedenen Entwicklungsphaſen der Anſtalt für das Wohl derſelben ein. Sehr gern würden wir ihn auch fernerhin, wenigſtens bis zur Jubiläumsfeier, in ſeiner Berufsthätigkeit geſehen haben, wenn er nicht, durch öftere Affectionen der Atmungsorgane geſtört, ſeine Penſionierung gewünſcht hätte. Möge ihm die wohlver⸗ diente Ruhe völlige Geneſung und einen heiteren Lebensabend gewähren; die Schule wird ihm ſtets ein dankbares Andenken bewahren.—
Da der Sedantag dieſes Jahr auf einen Sonntag fiel, ſo wurde von einer beſonderen Feier desſelben abgeſehen. Die Geſchichtslehrer der Anſtalt nahmen jedoch Veranlaſſung, in dem Unterricht auf die Bedeutung dieſes Tages in geeigneter Weiſe aufmerkſam zu machen. In der 1. Klaſſe führte der Unterzeichnete die Schüler in Oskar v. Redwitz Lied„vom neuen deutſchen Reich“ ein und las den Abſchnitt:„ein Heldenbrief“, vor.
Die Feier des Geburtstages Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs fand unter Beteiligung von Eltern und Angehörigen unſerer Schüler, ſowie des hieſigen Mädcheninſtituts, in der Turnhalle nach folgendem Programm ſtatt:
Geſang:„Heil unſerm Fürſten Heil“. Rede des Directors: Die Regierung Ludwig's V. und die Drangſale des 30jährigen Krieges. Vortrag des Realſchülers Philipp Kadel von Zotzenbach: Die Neiſt des Landgrafen Ludwig V. nach Jeruſalem. Geſang: Vaterlandslied, an des Rheines Strand,
olksweiſe.
Durch Allerhöchſtes Decret vom 6. October 1883 wurde Reallehrer Dr. Froſt auf ſein Nach⸗ ſuchen bis zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit in den Ruheſtand verſetzt.
In welcher Weiſe die höheren Ortes ausdrücklich empfohlene Rückſicht für die Pflege der Ge⸗ ſundheit der heranwachſenden Schüler beachtet wurde, möge durch nachfolgende Angaben über unſere Schulausflüge dargethan werden.
Wir machten monatlich einen Klaſſenausflug in die Umgebung von Michelſtadt. Der Unter⸗ zeichnete beſuchte dabei mit den Schülern der I. Klaſſe das Römerkaſtell zu Würzberg, ſowie die Sammlungen zu Erbach, das Kloſter(die Eginhardskapelle) zu Steinbach. Jeder dieſer Ausflüge wurde zugleich nutzbringend für den Unterricht verwertet, wie wir dies für unſeren Sommerausflug nayer an⸗ geben wollen. Dieſer fand am 31. Mai 1888 ſtatt.
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