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Unſere Schule verdankt aber zunächſt ihre Entſtehung und allmähliche Entwicklung der Fürſorge des Erlauchten Gräfl. Hauſes von Erbach⸗Fürſtenau. Sr. Erlaucht, der höchſtſeelige Graf Albert von Erbach⸗Fürſtenau hat nicht allein die Realſchule auf den Grund des in den 20r Jahren hier beſtehenden Progymnaſiums erbaut, ſondern auch mit unermüdlicher Sorgfalt die neugegründete Anſtalt unterſtützt in einer Zeit, in welcher die Hilfsquellen derſelben ſehr ſpärlich waren. Hochderſelbe hat lange Jahre hindurch einen namhaften Beitrag zur Realſchule gegeben, das Lokal der Realſchule und den Turn⸗ platz unentgeltlich derſelben überlaſſen. In gleich hochherzigem Sinne haben auch die hohen Nachfolger, der verſtorbene Graf Alfred, ſowie hochdeſſen durchlauchtigſte Gemahlin, die Gräfin von Erbach⸗Fürſtenau gehandelt und namentlich hat der verſtorbene Herr, ſowie die Erlauchten Grafen von Erbach⸗Erbach, und von Erbach⸗Schönberg die Intereſſen der Realſchule auf dem hohen Landtage vertreten und hier⸗ durch die Auſtalt in wichtigen Perioden ihrer Geſchichte gefördert. Unſere Schule verdankt aber ihre Ent⸗ wicklung und Ausbildung auch dem thätigen Eingreifen Großh. Staatsregierung, welche ſchon in den 30 r Jahren einen bedeutenden Zuſchuß zu den Koſten der Realſchule gewährte und denſelben noch vermehrte, als ſich in der Folge die Bedeutung der Schule für den ganzen Odenwald gezeigt hatte; ja ſie trat im Jahr 1874 ein für die Deckung aller Ausgaben, ſodaß der Stadt nunmehr nur ein fixierter Beitrag angeſonnen wurde. Sie hat endlich ſchon ſeit dem Jahr 1869 nach Erweiterung der Anſtalt und Reorganiſation der⸗ ſelben die Anſtalt zu einer Realſchule 2. Ordnung erhoben und ſie mit wichtigen Berechtigungen, insbe⸗ ſondere mit dem Rechte der Ausſtellung der für den einjährig⸗freiwilligen Militärdienſt giltigen Zeugniſſe ansgeſtattet. Sie hat endlich in Berückſichtigung der finanziellen Lage der Stadt einen namhaften Beitrag zur Erbauung des neuen Realſchulgebäudes bewilligt. Mit großer Umſicht und Sorgfalt hat Großh. Kreisamt Erbach die Intereſſen der Realſchule gewahrt und iſt namentlich für Erbauung des neuen Realſchulgebäudes entſchieden eingetreten. Auch der hieſige Stadtvorſtand hat in richtiger Würdigung der Wichtigkeit der Schule für die Intereſſen der Gemeinde ſtets einen für die hieſigen Verhältniſſe ſehr bedeutenden Beitrag zur Real⸗ ſchule gegeben und insbeſondere für die Herſtellung der neuen Lokalitäten ſehr große Opfer gebracht. End⸗ lich hat auch der Vorſtand der Sparkaſſe zu Erbach durch Gewährung des Kapitals zu billigem Zinsfuß ein dankenswerthes Intereſſe an einer Anſtalt bewieſen, welche weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus durch Verbreitung nuͤtzlicher Kenntniſſe und durch den Segen einer geordneten Erziehung den Wohlſtand der Bevölkerung zu heben vermag. Wie könnte ich endlich überſehen, daß die Schule ihre jetzige Geſtaltung, Ausdehnung und Blüthe einer Reihe von Directoren und Lehrern verdankt, die auch unter den ſchwierigſten Verhältniſſen, welche insbeſondere in der letzteren Zeit in der Beſchränktheit der Lokale bei ſteigender Frequenz der Schule lagen, dennoch den Muth und die Ausdauer nicht verloren. Wie ſollte ich vergeſſen, daß auch das Vertrauen des Publikums, das zum Theil ſelbſt die Grundlagen ſeiner Bildung dieſer Anſtalt ver⸗ dankt, uns bis dahin in unſeren mühevollen Beſtrebungen gefördert und unterſtützt hat. Gerade die heute ſo zahlreich hier verſammelten früheren Schüler der Anſtalt wiſſen zu beurtheilen, wie viel ſie derſelben für ſich zu verdanken haben und haben daher vertrauensvoll ihre Kinder uns wieder zur Erziehung und Unterweiſung übergeben.
Indem wir daher der Entwicklungsphaſen, welche die Schule in den engen Räumen des alten Gebändes durchlaufen hat, gedenken, ſprechen wir den hohen Gönnern und Freunden unſerer Schule, den Staats⸗ und Gemeindebehörden, den Fach⸗ und Berufsgenoſſen, dem Publikum und den früheren Schülern der Anſtalt, die uns Theilnahme und Unterſtützung gewährten, unſeren tiefgefühlteſten Dank hiermit aus. Wir werden nicht vergeſſen, was ſie für die Förderung der Schule gethan haben; wir werden uns beſtreben, auch in den neuen Verhältniſſen, in dem erweiterten Wirkungskreiſe, in welchen wir heute eintreten, uns dieſer Unterſtützung und Mitwirkung ſtets würdiger zu machen und hierdurch die Schule auf der ihr vorgezeichneten Bahn weiteren Entwicklungen entgegenzuführen.
Dieſe Entſchließungen aber führen uns heute auf den zweiten Theil unſerer Betrachtung. Es drängt uns heute, auch einen Blick vorwärts auf die Zukunft der Schule zu werfen. Wir werden gerade dadurch unſeren Dank am beſten beweiſen, daß wir in den neuen Verhältniſſen mit gleichem Fleiße und den⸗ ſelben Kraftanſtrengungen nach den der Schule vorgeſteckten erweiterten Wirkungszielen ringen. Wohin wir in den neuen Lokalitäten unſere Blicke richten, überall ſehen wir die pädagogiſchen Forderungen durch die Herrn Architekten ſorgſam gewahrt, überall durch die Hand geſchickter Meiſter und Arbeiter ausgeführt. Unſere Schule kann nunmehr nach Herſtellung der neuen Lokalitäten das in der Aufgabe der Realſchule liegende Ziel der harmoniſchen Entwicklung der körperlichen, geiſtigen und ſittlichen Anlagen des Menſchen zum geiſtigen Eingreifen in die praktiſchen Berufskreiſe erreichen; namentlich iſt es ihr jetzt erſt möglich durch einen fortdauernden, geordneten Unterricht in der Gymnaſtik das Mißverhältniß zwiſchen täglich er⸗ neuter geiſtiger Anſtrengung und körperlicher Erholung abzuſtellen und durch eine allſeitige Uebung aller


