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Geſtalt des menſchlichen Körpers“ entſchieden für eine Anlehnung in der Kreuzgegend und zeitweiliges Aufſtützen der Ellenbogen aus. Er ſagt Seite 51:.
„Der charakteriſtiſche Theil der menſchlichen Wirbelſäule iſt die nach vornen konvexe Lendenkrüm⸗ mung. Je vollkommener dieſe ausgebildet iſt, um ſo mehr iſt der ganze Rumpf in ſchöner Entfaltung auf⸗ gerichtet; je weniger ſie ausgebildet iſt, um ſo plumper und unedler erſcheint die ganze Geſtalt. Die mög⸗ lichſt vollendete Ausbildung der Lendenkrümmung iſt deßhalb für die ſchöne Entwicklung des Körpers von dem entſchiedenſten Intereſſe; ſie wird aber noch von größerem Intereſſe dadurch, daß ihre charaktervolle Ausbildung der ſicherſte Schutz gegen Skolioſe iſt; denn eine Wirbelſäule, bei welcher die normalen Krüm⸗ mungen möglichſt ſcharf ausgeprägt ſind, kann nicht leicht mehr in die falſchen ſeitlichen Verkrümmungen (Skolioſe) gedrängt werden.— Eine zweckwäßig eingerichtete Lehne muß den Fehler der geraden Lehne ver⸗ meiden und wo möglich ein Hilfsmittel für die richtige Ausbildung der normalen Lendenkrümmung ſein. Beiden Anforderungen entſpricht die Fahrner'ſche Lehne und leiſtet noch mehr, indem ſie die Möglichkeit gibt, die ganze Wirbelſäule in unſchädlicher Weiſe zu entlaſten, und damit alſo ein Ausruhen des Rückens zu geſtatten, ohne die dabei ſonſt möglichen Gefahren herbeizuführen. Die Fahrner'ſche Lehne iſt nämlich nur ſo hoch, daß ihre obere Kante gerade in die Höhle der Lendenkrümmung fällt, ſie geſtattet alſo ein Ueberbiegen nach hinten mit Vermehrung der Lendenkrümmung, wobei der ganze obere Rumpf durch die federnde Spannung der Lendenwirbelſäule getragen wird. Es iſt unverkennbar, daß dieſe Art, die Haltung der Wirbelſäule der Schwere zu überlaſſen, nicht nur unſchädlich, ſondern für die normale Entwicklung der Wirbelſäule ſogar ſehr vortheilhaft iſt.— Da nun aber die bezeichnete Lehne nur um Weniges niedriger iſt, als die Ellenbogenhöhe, ſo iſt es auch möglich, die Ellenbogen auf die Lehne aufzuſtützen; hierdurch werden die Schultergürtel feſtgeſtellt und können den Rumpf tragen helfen, ſo daß damit auch die Bruſt⸗ wirbelſäule entlaſtet iſt und ohne Nebengefahren ausruhen kann.— Die Fahrner'ſche Lehne iſt demnach die zweckmäßigſte von allen, und eine hohe, den Rücken erreichende Lehne kann nur dann zweck⸗ dienlich ſein, wenn ſie, gleich der Fahrner'ſchen, ein Rückwärtslehnen über einen in die Lendengegend vorſpringenden Widerſtand geſtattet und in ihrem oberen Theile ſo gebaut iſt, daß dieſer die rückwärts geworfene untere Hälfte der Bruſtwirbelſäule ſtützen hilft.“ Die Höhe dieſer Kreuzlehne ſoll durchweg nach Fahrner ½ Zoll weniger als die Differenz betragen.(Siehe Bericht über öſterreichiſches Unterrichtsweſen. Aus An⸗ laß der Weltausſtellung 1873, herausgegeben von der Commiſſion für die Collectiv⸗Ausſtellung des öſter⸗ reichiſchen Unterrichtsminiſteriums. Anhang I. Schulbauten und Schul⸗Hygiene.) Dort heißt es:
„Die Kreuzlehne ſoll nie fehlen und ſo hoch über dem Sitzbrett angebracht ſein, daß der etwas zurückgebogene Ellenbogen gerade ihren oberen Rand trifft, wenn das Kind ſitzt, d. h. etwa 20 Em. über dem Sitzbrett.“
Es ſcheint uns indeſſen zweckmäßig, die Kreuzlehne mit der Rückenlehne zu verbinden, d. h. die ſenkrecht aufgerichtete Kreuzlehne, an welche ſich der Körper in der Schreibhaltung anlehnen ſoll, unter einem ſehr ſtumpfen Winkel von etwa 100° bis unter die Schulterblätter fortzuführen, jedoch ſo, daß ſich die Ellenbogen zeitweilig auf die Kreuzlehne aufſtützen und zugleich der Rücken in der Sitzhaltung einen leichten Stützpunkt bekommt. Schildbach hält gleichfalls dieſe Verbindung von Kreuz⸗ und Rückenlehne für zweckmäßig. Auch die Württembergiſche Subſellienordnung vom Jahr 1868 ſagt darüber§ 20:
Was die Form der Rückenlehne betrifft, ſo hat dieſelbe eine ununterbrochene Fläche zu bilden, welche an der Sitzbank, beziehungsweiſe in der Nähe derſelben beginnt und bis zum Ende der Schulter⸗ blätter oder etwas über dieſe hinausreicht, welche jedoch nicht in gerader Linie vorläuft, ſondern der Lenden⸗ wirbelwölbung durch eine entſprechende Biegung entgegen kommt.
Die Rücklehne zerfällt hiernach in zwei in einander übergehende Theile, nämlich in ein unteres
vertikales und in ein oberes leicht rückwärts geneigtes Stück. Für die Höhe der Rückenlehne wird ¼ der Körperlänge verlangt. Ueber die Frage, ob man Einzel⸗ oder durchgehende Lehnen anwenden ſollte/ gehen die Anſichten noch weit auseinander. Die Kunze'ſche Bank hat Einzellehnen, ſo daß zwiſchen je zwei Sitzplätzen zwiſchen den Lehnen ein Zwiſchenraum bleibt, der zum bequemen Ein⸗ und Ausſteigen der Schü⸗ ler benutzt werden kann. Wir können uns nicht mit der Einzellehne befreunden, da bei der geringſten Verſchiebung des Körpers leicht ein nachtheiliger Druck durch die Kanten der Lehne auf den Rücken des Schülers ausgeübt wird; auch erſcheint uns der Vortheil beim Ausſteigen nicht ſehr in die Waagſchale zu


