Jahrgang 
1875
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Und weiter unten:Nachdem die Nackenmuskeln ermüdet ſind, läßt ihre Spannung nach und nun fällt dieſelbe Arbeit dem oberen Theile der Rückenmuskeln zu. Bald ſind auch dieſe ermüdet, und nun iſt der Knabe gezwungen, ſich anderen Stützpunkten zu überlaſſen, zunächſt einem oder beiden Ellenbogen. Dieſe ſtützen den Oberarm, dieſer wieder die Schulterblätter und an dieſen hängt der Rumpf, bis auch dieſe Theile ermüden und die Bruſt auf dem Tiſchrand einen Halt⸗ oder Stützpunkt ſuchen muß.

Und endlich:Das Reſultat der Unterſuchung iſt alſo folgendes: Vom erſten Augenblicke des Schreibens an iſt das Kind in beſtändigem Kampfe mit der Schwerkraft, welcher es durch anhaltende, gleichmäßige Muskelanſtrengung die Wage halten ſollte. Dies geht über die menſchliche Kraft, iſt rein unmöglich.

1 Leicht begreiflich wird es daher für jeden Unbefangenen ſein, daß dieſe unnatürliche Verſchiebung der Wirbelſäule zur Rückenverkrümmung in einem Alter führen müſſe, in welchem ſelbſt die feſteren Theile des Körpers eine gewiſſe Biegſamkeit haben, daß die Krümmung des Rückens und das Anlehnen der Bruſt an die harte Tiſchkante eine Beengung der Bruſt⸗ und Baucheingeweide zur Folge haben müſſe, daß endlich die Annäherung des Auges an die Schrift allmählich die Kurzſichtigkeit erzeugen müſſe.

Nachdem die Hauptquelle dieſer Uebel in der allzugroßen Diſtanz erkannt war, entſtand ein leb⸗ hafter Kampf gegen dieſelbe, der indeſſen immer noch nicht beendet iſt, da die Pädagogen die Stehhaltung des Schülers aus pädagogiſchen Gründen für unumgänglich nöthig erachten, und dieſe ohne eine gewiſſe Di⸗ ſtanz nicht möglich iſt. Man vermittelte daher zuerſt, indem man die Diſtanz möglichſt verringerte. So verlangt Pappenheim für Kinder von 57 Jahren 5 Zoll, für ſolche von 1014 Jahren 8 Zoll, Zwez für Kinder von 68 Jahren 3 ¼ Zoll. Da aber hierdurch die richtige Schreibhaltung nicht erzielt werden konnte, ſo machte man die Diſtanz= 0, oder ſogar negativ, d. h. man ließ die vordere Bankkante unter den Tiſch ſpringen. Fahrner fordert die Diſtanz= 0, Cohn= 1, Hermann ſogar= 2,5 Zoll. Um hierbei die Stehhaltung zu ermöglichen, ſuchte man dunch eine verſchiebbare Tiſchplatte, Kunze'ſche Schulbänke, Ollmützer Schulbank, oder eine bewegliche Tiſchklappe, Cohn und Hermann, zu helfen. Buchner, zur Schulbankfrage, ſchlug vor, die Subſellien durchgängig nur zwei⸗ ſitzig zu bauen, und in der Stehhaltung die Schüler ſeitlich austreten zu laſſen. Zu dieſen zwei Auskunfts⸗ mitteln trat noch ein drittes, der verſchiebbare Sitz(Daumiller, Kaiſer, Beeger.) Wir geſtehen, daß wir unter allen Syſtemen immer noch dem Buchner'ſchen, welches auch bei der Oſſenbacher Schul⸗ bank angewendet iſt, den Vorzug geben, weil die ſtörenden Verſchiebungen und Umklappungen, die dnrch den Muthwillen oder die Unachtſamkeit der Schüler wahrhaft vernichtend auf die Disciplin einer großen Klaſſe wirken können, nicht vorkommen und auch andere Vortheile an demſelben von Bedeutung ſind. Buchner, zur Schulbankfrage, zählt die folgenden Vortheile auf:

.Zunächſt wird dadurch die Schwierigkeit des Aufſtehens unmittelbar gehoben. In faſt derſelben Zeit, deren das Kind zum Aufſtehen bedarf, hat es ſich rechts oder links aus der Bank geſchoben. Es ſteht in der Gaſſe, welche zwiſchen je zwei Pulten herläuft.

Jeder Lehrer weiß, in wie widriger Weiſe bei 45 ſitzigen Bänken durch das Austreten eines Kindes der Unterricht unterbrochen wird. Entweder müſſen etliche Kinder aufſtehen und bei Seite treten, oder das austretende Kind ſieigt hinter dem Rücken der Bankgenoſſen aus und ein, ſtört ſie und beſchmutzt die Kleider.

Jedes Kind kann in der zweiſitzigen Bank unmittelbar vom Lehrer erreicht werden, ohne Störung eines anderen Kindes zum Lehrer gehen. Jedes Kind kann nur mit Einem Bankgenoſſen verkehren, und der Lehrer wird ſich hüten, zwei unruhige Geiſter oder zwei zu innige Freunde neben einander zu ſetzen. Jeden Augenblick kann der Lehrer an jeder Stelle ſein, alles überſchauen.

Allerdings hat dieſe Schulbank auch ihre Nachtheile. Sie erfordert viel größere Schulzimmer, nimmt dadurch die Kraft des Lehrers viel mehr in Anſpruch. Das Hinein⸗ und Hinausſchieben veranlaßt bei lebhaften Kindern manche Störung und nöthigt ſie zu Verſchiebungen ihres Körpers, die man durch die Conſtruction dieſer Schulbänke gerade hatte vermeiden wollen.(Schildbach, die Schulbankfrage, S. 32.) Unter dieſen Umſtänden muß man die Schulbankfrage immer noch als eine offene betrachten, deren Löſung hauptſächlich davon abhängen wird, daß man durch einen einfachen Mechanismus, der nicht von der Willkür des Schülers abhängt und keinerlei Störung veranlaßt, die Minusdiſtanz der Schreib⸗