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trachten. Um 9 Uhr kamen wir im ſchöͤnen Buſch an und erfriſchten uns dort an den von zu Hauſe mit⸗ genommenen Mundvorräthen und an einem Glaſe friſchen Bieres. Hierauf wurden die ſchönen Punkte des Parkes aufgeſucht und längere Zeit im Irrgarten, an dem Teiche, und an der herrlichen Villa verweilt. Nachdem ein munterer Geſang unſerer Schüler, die ſich in der Muſikhalle des Gartens aufgeſtellt hatten, uns einen gar lieblichen Ohrenſchmaus bereitet hatte, traten wir den Rückmarſch nach Aſchaffenburg an, wo unſerer ein ſehr ſchmackhaftes Mittagseſſen im Garten des Hôtel Georgi erwartete. Nachdem die Begierde der Speiſe und des Trankes geſtillt war, wurden in der geräumigen Halle des Gartens verſchiedene patriotiſche Lieder geſungen, wo⸗ rauf der Unterzeichnete den Schülern die Zwecke eines weiteren Ausfluges auseinanderſetzte. Schulausflüge ſollen nämlich, ſo ſagte er, nicht allein das einförmige Leben, des Dienſtes gleichgeſtellte Uhr, unterbrechen und erfriſchend auf die Beſtrebungen der Schule wirken; ſie ſollen nicht allein einen freieren Verkehr zwiſchen Lehrenden und Lernenden herſtellen und die oft verborgenen Charakterſeiten der Schüler dem Erzieher bloslegen, nein, ſie ſollen zugleich den geiſtigen Horizont der Schüler erweitern. Aus dieſem Grunde geht man mit den Schülern der Oberklaſſen an Punkte, die durch ihre geographiſche Lage, durch hiſtoriſche Erinnerungen, durch induſtrielle oder künſtleriſche Leiſtungen, durch inſtructive Sammlungen eine pädagogiſche Bedeutung haben. Er wies hierauf an drei Momenten die hiſtoriſche Bedeutung der zwiſchen Odenwald und Speſſart im lieblichen Mainthal gelegenen Stadt Aſchaffenburg nach. Das erſte Moment führt weit zurück in die alte Ge⸗ ſchichte, wo das römiſche Reich noch blühte, und unſerem lieben Vaterlande eine höhere Cultur noch nicht aufgegangen war. Das Pompejanum, jene merkwuͤrdige Nachahmung des in dem untergegangenen Pom⸗ peji aufgefundenen Hauſes des Caſtor u. Pollux zeigt die hohe Stufe der römiſchen Cultur, die auch inden Landſtädten Italiens ſolche Kunſtwerke ſchuf. Es zeigt aber auch den Kunſtſinn König Ludwigs I., der die Kunſt⸗ werke Roms und Athens in den Städten ſeines Landes aufſtellte. Das andere Moment führt mitten hinein in die bewegte Zeit der deutſchen Geſchichte, wo ein freiſinniges Geſchlecht wenigſtens in der Kaiſer⸗ wahl, die nach der goldnen Bulle von den geiſtlichen und weltlichen Churfürſten geübt wurde, ſich von Rom Unabhängigkeit erſtritten hatte. Das herrliche Schloß, die Sommerreſidenz der Kurfürſten von Mainz, zeugt von dem Glanze und der Herrlichkeit dieſer Tage. Das dritte Moment endlich tönt uns entgegen in dem Kanonendonner vor den Mauern dieſer Stadt, die im Jahre 1866 Zeuge der letzten Schläge geweſen iſt, welche unſer zerſplittertes Vaterland allmählich zur Einheit führten. Wer dürfte aber, ſo ſchloß er ſeine Anrede, dieſer Einigung gedenken, ohne den hochherzigen König dieſes Landes zu nennen, der in ſchwerer, banger Zeit zuerſt das Panier der deutſchen Reichseinheit, die deutſche Kaiſerkrone, ſeinem oberſten Kriegsherrn zuerkannte. Ein dreimaliges Hoch auf unſer deutſches Vaterland, auf den Sieg über ſeine äußeren und inneren Feinde ſchloß dieſe Auſprache.— Nun begaben wir uns nach dem Pompejanum) und nahmen die verſchiedenen Theile desſelben in Augenſchein. Nachdem die Lehrer den Schülern die Be⸗ deutung der einzelnen Räume erklärt und auf die merkmürdigſten Einzelnheiten aufmerkſam gemacht hatten,
*) Für mißbegierine Schüler geben wir folgende Notizen über dieſes Bauwerk:
Dieſer Prachtbau iſt ein Werk des kunſtliebenden Königs Ludwig I., der eine genaue Unterſuchung der Reſte zu Pompeji durch den königl. Oberbaurath von Gärtner, die königlichen Profeſſoren Schlotthauer und Louis vornehmen ließ, um eine im Weſentlichen übereinſtimmende Nachbildung eines römiſchen oder pompejaniſchen Hauſes zu geben. Es ſchließt ſich in ſeinen Ausführungen dem Hauſe des Castor& Pollux(Casa di Castore& Polluce) in der Straße des Merkur zu Pompeii an, ohne jedoch ſclaviſch alle Einzelnheiten wiederzugeben. Die Vorderthür, Anticum, führt in einen Gang, Vestibulum, und durch dieſen in das Atrium. Auf dem Fußboden des Vestibulum iſt in Moſaik das Wort salve angebracht, wie es in Pompeji häufig vorkommt. An den Wänden be⸗ finden ſich die Abbildungen von Castor& Pollux. Neben dem Vestibulum befindet ſich das Gemach des Pförtners, Ostiarius, gegenüber die Cella des Sclaven, der die Wache hatte, des Atriensis. Neben dem Atrium links liegen die Schlafgemächer für die Fremden mit Abbildungen, welche Aurora und Cephalus, Narcissus an der Quelle und Phädra vorſtellen, ferner die Ala, ein nach dem Atrium offenes Gemach, worin der Altar der Haus⸗ und Schützgölter ſtand. Das oben offene Dach des Atriums wird von 12 korinthiſchen Säulen getragen. Diefe Sänlen ſchließen das quadrat⸗ förmige Compluvium ab, in welchem ein kleiner Genius durch eine Fackel einen Waſſerſtrahl entſendet. Auf den Wänden des Atriums finden ſich Ceres, Venus, Victoria, Diana, Saturn, Hygiea, Bacchus, Bacchantin, Fortuna ab⸗ gebildet. Nun folgt dem Vestibulum gegenüber das am reichſten geſchmückte Gemach des ganzen Hauſes, das Tab- Ünum, oder Empfangszimmer des Herrn. An den Ecken am Eingang zum Tablinum ſtehen zwei antike Büſten von Marmor. Der Fußboden des Tablinum zeigt in reicher Moſaikarbeit die Bildniſſe der Minerva und des Apollo, die beiden Wandgemälde ſtellen die Entdeckung des Achill durch Ulyſſes unter Lycomedes Töchtern auf Scyros und den Streit des Achill mit dem Agamemnon vor. Neben dem Tablinum liegt rechts das Winterſpeiſezimmer, Triclinium, links das Empfangszimmer für die Hausfrau, Exedra, Damit ſchließt das Vorderhaus. Das Hinter⸗


