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begaben wir uns durch den Schloßgarten in das Schloß. Hier bewunderten wir die große Anzahl der mit den werthvollſten Gemälden ausgeſtatteten Zimmer, ſowie im dritten Stocke die große Reihe der Mainzer Churfürſten. Nachdem wir nun noch die Heiligegeiſt⸗Kirche im Innern beſichtigt hatten, begaben wir uns durch einen andern Theil des ſchönen Thales in das Höôtel und fuhren gegen Abend nach Hauſe zu⸗ rück, wo wir erſt um 10 Uhr ankamen. Dieſer Ausflug, welcher die verſchiedenſten Eindrücke auf uns hervorzubringen geeignet war, wird nicht verfehlen, bleibende Erinnerungen in unſeren Schülern zurückzulaſſen.
Durch Verfügung Großh. Miniſteriums des Innern vom 12. Mai l. J. ſind die Beſtimmungen hinſichtlich der Befreiung von Schulgeld an den Gymnaſien auch auf die hieſige Realſchule ausgedehnt worden.
Darnach ſollen geiſtig beſonders begabte und ſtrebſame, aber unbemittelte Schüler nach folgenden Grund⸗ ſätzen von der Entrichtung des Schulgeldes befreit werden:
. 1. Die Zahl der Freiſtellen an der Nealſchule bemißt ſich nach der Schülerzahl in derſelben und ſoll von je 20 Schülern einer von der Entrichtung des Schulgeldes freigegeben werden können.
2. Eine ſolche Befreiung iſt an den Nachweis guter Befähigung, guter Beſtrebung und guter Sitte eines Schülers gebunden, ohne Rückſicht auf das künftig von demſelben zu ergreifende Fachſtudium. 5 3. Die Befreiung iſt nur auf Nachſuchen und Erweis der Dürftigkeit und je auf ein Jahr zu ertheilen.
4. Bei einer größeren Zahl gleich empfehlbarer Bewerber ſollen die den oberen Klaſſen angehörigen zunächſt berückſichtigt werden. 4 5. Je nach der Zahl der Bewerber bleibt es einer Anſtalt überlaſſen, innerhalb der ihr zuſtehen⸗ den Befreiungsſumme ſtatt der ganzen Befreiungen auch halbe zu gewähren. 3
6. Die Befreiungen erfolgen Seitens der Lehrerconferenz der betreffenden Anſtalt nach Benehmen mit der Bürgermeiſterei über die Vermögensverhältniſſe der Bewerber und nach ſorgfältiger und gewiſſen⸗ hafter Prüfung und Beachtung der maßgebenden Vorbedingungen.
Die Geſuche um eine derartige Befreiung ſind an Großh. Direction der Realſchule zu richten. Außerdem ſoll bei Brüdern, welche dieſelbe Anſtalt beſuchen, dem zweiten ein Drittel des Schulgeldes, dem dritten und folgenden die Hälfte desſelben erlaſſen werden.
An Geſchenken wurden der Realſchule im Laufe des verfloſſenen Schuljahres zugewendet:
1. Von Großh. Miniſterium des Innern, Abtheilung für Schulangelegenheiten: a. Notizblatt des Vereins für Erdkunde. Jahrgang 1874. b. Mittheilungen der Großh. Heſſ. Centralſtelle für die Landesſtatiſtik. Jahr⸗ gang 1874. c. Jahresberichte der Königl. bayeriſchen Realgymnaſien zu München, Augsburg, Speyer, Regens⸗ burg. Wübtng, derr ben, und Kunſthandlung G th in Münſter: Dr. Schellen, Aufgaben für das th
. Von der Buch⸗ un 8.„ 5 retiſche Reehnn 2 Te und. unſthang ung Coppenra h in Münſter: Dr. Schellen, Aufgaben für das theo⸗
3. Von der Verlagsbuchhandlung von Bädecker in Eſſen: Koppe, Anfangsgründe der Phyſik. 1873.
haus, die Privatwohnung, iſt durch einen ſchmalen Gang, Fauces, mit dem Atrium verbunden. Dieſer Gang führt auf einen mit Säulen umgebenen offenen Hof, Peristylium, vor welchem der Hausgarten, Viridarium, ſich befindet. Im beristylium, befindet ſich die Brunnenöffnung, um Waſſer aus der Ciſterne zu ziehen. Die Wände zeigen die Abbildungen des Jupiter, der Cybele, des Merkur, der Venus, die Hinterwand des Viridarium iſt mit Bäumen, Sträuchern, Blumen und Vögeln bemalt. Auf der rechten Seite des Peristilium vorwärts liegt das Sommer⸗ Triclinium. Dem Fenſter gegenüber iſt ein koſtbares Moſaikbild eingefügt, das der Papſt Gregor XVI. Ludwig I. zum Geſchenk machte. Auf der andern Seite des Peristylium beſindet ſich die Küche und der Keller. In der Küche iſt der Heerd und auf demſelben Nachbildungen von antiken Küchengeräthen aufgeſtellt. Vom Peristilium führt eine Thür nach Außen zum Treppenaufgang nach dem oberen Stock. Vor der Thüre iſt auf dem Fußboden in Moſaik zu leſen:„cave canem“. Die Treppe führt zum größten Zimmer des Hauſes, wahrſcheinlich zum Arbeits⸗ zimmer der Hausfrau. Im Moſaikfußboden ſind drei antike Medaillons mit den Abbildungen der Juno, des Me⸗ duſenhauptes und des Jupiter eingefügt, auf den Wänden bemerken wir den Muſageten und die Muſen. Von dieſem Gemach kommt man auf den Balkon, der nach der einen Seite offen iſt und deſſen Rückwand mit Bacchanten⸗ Gruppen geziert iſt. An der Rückwand liegen drei Zimmer, die Cubicula für die Familie, reich mit Malereien verſehen. Das erſte Zimmer, das Schlafgemach der Hausfrau, iſt mit den Bildniſſen der Diana u. des Endymion, des Mars u. der Venus, des Ulyſſes u. der Penelope, der Thetis u. des Vulkan, des Jupiter u. der Juno, das zweite mit den Genien, das dritte endlich, das Kinderzimmer, mit ſpielenden Kindern geziert. Vom Balkon führt dann eine Thür auf die offene Loggia, die wohl als Ausſichtspunkt angelegt iſt. Von hier gelangt man durch eine außerhalb lie⸗ gende Treppe auf das Dach über dem Triclinum, ſowie in ein über dem Frauengemach liegendes Zimmer, das nach allen Seiten Ausſichten bietet und eigentlich nicht zu dem pompejaniſchen Hauſe gehört, ſondern nur der herr⸗ lichen Ausſicht wegen zugefügt wurde. 4


