28
Kohlenſäuremenge in unſeren Lungen das Gleichgewicht, ſo bleibt die Kohlenſäure in dieſen oder vielmehr in dem Venenblute zurück, der Gaswechſel geräth in Stillſtand und wir erſticken. Iſt dagegen die An⸗ füllung eine geringere, ſo wird wenigſtens der Gaswechſel verlangſamt, es werden die Stoffwechſelvorgänge in ſämmtlichen Organen erſchwert und bei längerer Andauer und Wiederkehr des Hinderniſſes die Ge⸗ ſammtkräfte des Körpers vermindert. Mit dem Verluſte der Friſche unſerer Geſundheit büßen wir das Widerſtandsvermögen gegen anderweitige ſchädliche Einflüſſe ein und erkranken um ſo eher..
Eine zweite Verunreinigungsquelle liefern die Verdunſtungsſtoffe unſerer Haut und unſerer Beklei⸗ dung. In unſerer Haut ſinden ſich auf jeden Quadratzoll Tauſende kleiner Schweiß⸗ und Fettdrüſen, aus welchen außer Waſſer, deſſen Dämpfe in der Atmoſphäre nicht als unbedingt ſchädlich angeſehen werden können, fortwährend übelriechende Gaſe und Fette austreten. Die Menge dieſes Anstritts iſt ſchwer zu er⸗ mitteln und ſchwankt nach zahlreichen, zu dem Geſammtſtoffwechſel unſeres Körpers in Beziehung ſtehenden Verhältniſſen. Doch überzeugt man ſich leicht von der Anweſenheit jener Gaſe in der Luft durch den üblen Geruch in den Schlafzimmern. Auch haften ſie in unſern Kleidungsſtücken, wie der Geruch dieſer nach längerem Gebrauche bei der Aufbewahrung in Schränken oder in unbewohnten Zimmern beweiſt. Verbin⸗ den ſie ſich mit dem Staube, welcher von außen her unſere Haut erreicht, ſo geben ſie zuweilen zu chemiſchen „Zerſetzungen Anlaß, wie die Unterſuchung der Fußbekleidung von Menſchen lehrt, welche nicht auf ſtrenge Reinlichkeit ſehen. Ein bedeutender Antheil des üblen Geruches in Schulzimmern läßt ſich mit Sicherheit auf die Ausdünſtung der Füße zurückführen.
Weniger Beachtung, obwohl mit Unrecht, hat bisher die von der Verbrennung der Heiz⸗ und Leucht⸗ ſtoffe ausgehende Verunreinigungsquelle gefunden. Macht ſich dieſe Quelle auch nur zur Winterzeit geltend, ſo iſt ſie doch um ſo höher anzuſchlagen, als gerade während dieſer Zeit die Schulzimmer am meiſten ge⸗ ſchloſſen gehalten werden. Bei dem nicht ſelten mangelhaften Zuge der Oefen entweicht nur zu leicht der den Augen und den Lungen verderbliche Rauch in die Zimmer anſtatt in das Freie, bei dem Gebrauche eiſerner Oefen überdies noch das ſchädliche Kohlenoxydgas. Unbedingt werden bei der Verbrennung der Leuchtſtoffe Kohlenſäure, Kohlenwaſſerſtoffe, Kohlenoxydgas und ſchwefelige Säure der Zimmerluft beigemengt.
Ferner entnehmen wir Falk's ſanitätspolizeilicher Ueberwachung der Schulen folgende Stellen:
Im Schullocal werden folgende Momente zur Verſchlechterung der Luft beitragen:
1) Der Staub, welchen die Kinder auf ihren Kleidungsſtücken mitbringen. Auch die Kleider, welche vor den Schulſtunden von den Kindern abgelegt werden, erfüllen die Luft, namentlich wenn dem Ofen nahe gehängt, leicht mit widerlichen Gerüchen. 3
2) Die Beleuchtungs- und Heizmittel. Bei natürlicher Ventilation für einen Raum von 100 Cubik⸗ metern und der Lichtſtärke von 100 Normalflammen fand Zoch, Zeitſchrift für Biologie, nach 4 Stunden eine Zunahme an Kohlenſäure von 1,81141 bei Petroleum, 1,562 bei Leuchtgas.—
3) Am meiſten aber tragen daran die Inſaſſen der Schule bei, indem ſie durch ihre Athmung und Ausdünſtung die Luft in verſchiedener Weiſe alteriren.
Die eingeathmete Luft kehrt bei der Expiration mit Coz reicher ins Zimmer zurück. Nach Vierordt enthält beim ruhigen Athmen die ausgeathmete Luft im Mittel 4,334% Coz, während ſich in der freien Luft 0,04% in Raumtheilen, 0,06% in Gewichtstheilen Coz, in derſelben befinden. Die ausgeathmete Luft enthält außerdem Waſſer, Stickſtoff, Ammoniak, Kohlenwaſſerſtoff und flüchtige organiſche Stoffe. Die Haut ſcheidet in 24 Stunden 1 Kilogramm Waſſer ab. Auch Spuren von Kohlenſäure, freiem Ammoniak und Stickſtoff hat Gerlach gefunden.
Dieſe gasförmigen Stoffe ſind aber heftige Gifte für den menſchlichen Organismus, in Sonderheit für die zarte Conſtitution des Kindesalters.
— Das Schulgebäude ſoll im Intereſſe der Geſundheit von Lehrern und Schülern, ſowie eines ge⸗ deihlichen Unterrichts auf einem freien, dem Lichte und der Luft zugänglichen, ſtillen Platze, fern von ge⸗ werblichen Anlagen und Beſchäftigungen liegen.(Siehe Falk, die ſanitäts⸗polizeiliche Ueberwachung höherer und niederer Schulen; Programm der Muſterſchule zu Frankfurt a./M. 1870.) Das Lokal der hieſigen Realſchule ſtößt mit zwei Seiten an enge Gäßchen und Winkel, in welchen unbedeckte Dungſtätten und Düngerhaufen ſich beſinden, nach den beiden andern Seiten, nach welchen die meiſten Fenſter der Schul⸗ klaſſen gehen, iſt der Garten und Hof der ‚Kellerei.“ Beſonders ſtörend für den Unterricht wirkt der
,


