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hältniſſen großen Schwankungen unterworfen; dagegen iſt der Gehalt an Kohlenſäure in freier Luft ziemlich feſtſtehend, nämlich 0,4 bis 0,6 Raumtheile Kohlenſäure unter 1000 Raumtheilen athmosphäriſcher Luft.
In geſchloſſenen Näumen dagegen, ſei es in engen Thälern, zwiſchen hohen Gebäuden oder in den Wohnungen der Menſchen findet nur eine unvollkommene Ausgleichung Statt, und es entſtehen Miſchungs⸗ verhältniſſe, welche bewirken, daß die Luft zum Athmen ungeeignet, und für die Geſundheit des Menſchen nachtheilig wird..
. Solche Veränderungen werden beſonders fühlbar, wo in einem geſchloſſenen Raum viele Menſchen zuſammengedrängt werden. Sie verderben die Luft durch das Athmen(Perſpiration) und durch die Aus⸗ ſcheidungen der Haut(Transſpiration.)
Die Erfahrung hat gelehrt, daß es nicht, wie man früher glaubte, der geringere Sauerſtoffgehalt, oder auch der größere oder geringere Gehalt an Waſſerdampf iſt, was die Luft in geſchloſſenen Räumen vorzugsweiſe ungeſund macht. Cbenſo wenig ſcheint es der größere Kohlenſäuregehalt zu ſein.— Dagegen erſcheinen als ſehr nachtheilig jene anderen Zerſetzungsprodukte, welche durch die Perſpiration und Transſpiration der Menſchen, ſowie durch anderweitige chemiſche Proceſſe zu gleicher Zeit mit der Kohlen⸗ ſäure zugeführt werden. Es ſind dies zum Theil abgeſtorbene und faulende Pflanzen⸗ und Thierſtoffe, Pa⸗ raſiten, Pilze und Infuſorienkeime, die ſich als feiner Staub beim Ausathmen aus den Lungen, und durch die Verdunſtung von der Haut des Menſchen, von naſſen Kleidern und Schuhen, feuchten Wänden und Fußböden erheben und in der nft ſchweben.— Man darf annehmen, daß die Menge dieſer Stoffe in geſchloſſenen Räumen in gleichem Verhältniß ſteht mit der in denſelben Räumen und derſelben Zeit durch Perſpiration und Transſpiration und durch anderweitige Proceſſe erzeugten Kohlenſäure, und ſo gibt der durch Kalkwaſſer leicht beſtimmbare Gehalt an Kohlenſäure einen ziemlich ſicheren Maßſtab zur Beſtimmung der Menge jener, im Allgemeinen als Miasmen bezeichneten, der Geſundheit ſchädlichen Beimengungen an.
Betrachtet man die Geſundheitsverhältniſſe, inſofern ſie durch den verſchiedenen Stand, d. h. durch Beruf und Beſchäftigung bedingt werden, ſo findet man das günſtigſte Verhältniß da, wo die Menſchen die größte Zeit des Lebens mit Arbeit in freier Luft beſchäftigt ſind; dagen die größte Sterblichkeit da, wo der Beruf zu dauerndem Anfenthalt in geſchloſſenen Räumen und zu ſitzender Lebensweiſe Anlaß gibt.
Man kann mit Recht behaupten, daß die Schulen geradezu die Brutſtätten von Krankheiten aller Art ſind, und daß der andauernde Aufenthalt in der verderbten Luft der Schulzimmer nicht nur eine be⸗ ſondere Empfänglichkeit für jene Kinderkrankheiten bewirkt, denen ſo viele Kinder erliegen, ſondern auch die geſunde, kräftige Entwicklung der Jugend weſentlich beeinträchtigt.
Ueber denſelben Gegenſtand ſpricht ſich das Gutachten des ärztlichen Vereins in Frankfurt a. M. folgendermaßen aus:
Es iſt bekannt, daß überall, wo eine größere Zahl von Menſchen in geſchloſſenen Räumen län⸗ gere Zeit verweilt, die Luft, welche zur Einathmung und damit zur Unterhaltung unſeres Stoffwechſels dient, alsbald eine nachtheilige und im äußerſten Falle ſogar eine gefährliche Beſchaffenheit annimmt. Sehen wir von der letzteren ab, welche glücklicherweiſe nur ſelten und bei grober Fahrläſſigkeit vorkommt, ſo zeigt ſich in Hospitälern, in Findelhäuſern, in Gefängniſſen und in den Werkſtätten großer Fabriken eine Ab⸗ nahme der Geſundheit und eine Zunahme von Sterblichkeit, welche in nachweisbarem Verhältniß zu der Beſchaffenheit der Luft ſteht.
Fragen wir nach der Quelle der Luftverderbniß in bewohnten Räumen, ſo kommen vor Allem die Ergebniſſe unſeres Athmens ſelbſt in Betracht. Wir erzeugen nämlich vermöge der chemiſchen Vorgänge in unſerm Körper fortwährend Kohlenſäure im Blute. Das von der Kohlenſäure durchdrungene Venenblut kommt bei ſeinem Durchgang durch die Lungen bei dem Athmen in ſtete Berührung mit der uns umgebenden Atmoſphäre. Der Sauerſtoff dieſer tritt durch die dünnen Wände der zarten Blutgefäße in letztere ſelbſt und wird durch das Arterien⸗ blut dem Herzen und ſämmtlichen Körpertheilen uͤberliefert, unterdeß an die Stelle desſelben die Kohlenſäure aus dem Venenblute in die Athmosphäre entweicht. Da nun unſere Ausathmungsluft durchſchnittlich auf 1000 Raumtheile 40 Kohlenſäure enthält, die Athmoſphäre aber nur 1 ½ pro Mille, ſo wird dadurch der Austritt der Kohlenſäure aus dem Venenblut der Lungen ebenſo erleichtert, wie er umgekehrt in einer mit Kohlenſäure angefüllten Zimmerluft, je nach dem Maße dieſer Anfüllung, erſchwert wird. Hält letztere der


