Jahrgang 
1873
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ſie die richtige Zuſammenſetzung hat, ergibt ſich leicht aus folgenden Betrachtungen. Die Luft im Freien beſteht aus 79 Raumtheilen Stickſtoff und 21 Raumtheilen Sauerſtoff und enthält außerdem wechſelnde Mengen von Waſſerdampf, Kohlenſäure und Ammoniak. Der Kohlenſäuregehalt beträgt in 1000 Raum⸗ theilen athmoſphäriſcher Luft nur 0,4 dis 0,6 Raumtheile. Dieſe Zuſammenſetzung der athmoſphäriſchen Luft im Freien wird durch die in der Athmoſphäre vorgehenden chemiſchen Prozeſſe der Verbrennung, Ver⸗ weſung und Fäulniß nur wenigralterirt, ſodaß die zur Athmung der Thiere und Pflanzen erforderliche Miſchung immer vorhanden iſt, zumal die Pflanzen im Sonnenlichte ſogar Sauerſtoff ausathmen. In geſchloſſenen Räumen dagegen, in welchen viele Menſchen oder Thiere zugleich athmen, muß dieſe Zuſammenſetzung bald ſich weſentlich ändern. Die ausgeathmete Luft enthält nämlich eine ganz andere Gasmiſchung als die ein⸗ geathmete. In den Lungen wird ein Theil des Sauerſtoffs der eingeathmeten Luft abſorbirt, während die Kohlenſäure des venöſen Blutes zum Theil austritt. Die ausgeathmete Luft muß daher neben anderen Zerſetzungsprodukten eine viel größere Menge von Kohlenſäure enthalten, als die eingeathmete. Dieſer in der Lunge ſtattfindende Gasaustauſch wird nur dann mit der erforderlichen Vollſtändigkeit ſtattfinden können, wenn die eingeathmete Luft noch die nothwendige Menge von Sauerſtoff enthält, er wird dagegen aufhören, wenn dieſelbe ſo mit Kohlenſäure geſchwängert iſt, daß die Spannung dieſes Gaſes ſich in den Lungen ins Gleichgewicht ſetzt. Wenn dieſer Fall auch nur annäherungsweiſe eintritt, ſo wird ſofort der ganze Ernährungsproceß weſentlich alterirt. Der in die Lunge aufgenommene Sauerſtoff hat nämlich den Zweck, die kohlen⸗ und ſtickſtoffhaltigen Beſtandtheile der feſten und flüſſigen Nahrung, zwar nicht in den Lungen, wie dieß häufig noch angenommen wird, ſondern vielmehr auf dem Kreislaufe des Blutes durch den Körper chemiſch ſo umzugeſtalten, daß die verſchiedenen organiſchen Gebilde des Körpers entſtehen können. Tritt er nun nicht in der erforderlichen Menge in die Lungen ein, ſo wird dieſer chemiſche Proceß beſchränkt, die Ernährung des Körpers wird mangelhaft. Die übrigen in der Luft angehäuften Zerſetzungsprodukte werden dagegen einen direct nachtheiligen Einfluß ausüben können. Es gibt ſich dieß ſofort durch Appe⸗ titloſigkeit bei den Kindern, durch Kopfweh und Geſichtsbläſſe kund. Wenn nun auch dieſe äußerſte Grenze in der Zuſammenſetzung der Luft trotz mangelndem Luftraum, dank den ſchlecht ſchließenden Thüren und der Sorgfalt der Lehrer, die regelmäßig nach jeder Stunde die Fenſter öffnen, hier noch nicht eingetreten iſt, ſo treten doch noch weitere Momente der Luftverſchlechtung hinzu, die es uns Angeſichts der zunehmen⸗ den Frequenz zur Pflicht machen, auf die Gefahr hinzuweiſen, Dieſe weiteren Momente ſind die Trans⸗ ſpiration, die Ausdünſtung der Kleidungsſtücke und beſonders die Lage der Aborte. Den letzteren Gegen⸗ ſtand werden wir unten beſonders behandeln und wollen hier nur noch der beiden andern Momente Er⸗ wähnung thun.-Der menſchliche Körper iſt nämlich mit einer außerordentlichen Menge von Schweiß⸗ und Talgdrüſen verſehen, durch die eine Reihe von Stoffen, unter welchen Waſſer und Kohlenſäure, auch Stickſtoff ſind, in ſolcher Menge austreten, daß nach Seguin's Unterſuchungen die Haut des Menſchen täglich die doppelte Menge von Stoffen abgibt, als die Lunge. Endlich verſchlechtert auch die Ausdünſtung der naſſen Ueberkleider, Kappen und Regenſchirme, die deßhalb bei neuen Schulbauten, z. B. in Frankfurt am Main und Sachſenhauſen auf den Corridoren abzulegen ſind, außerordentlich die Luft.

Die Wichtigkeit einer ausreichenden und richtig zuſammengeſetzten Luftmenge für jeden Schüler rechtfertigt die Anführung einiger hierauf bezüglichen Stellen der einſchlägigen Literatur.

Der Aufſatz:Luft und Bewegung zur Geſundheitspflege in den Schulen im Programm des Großh. Gymnaſiums zu Darmſtadt 1867. ſagt:

Neben Licht und Wärme und der durch den Schlund aufgenommenen Nahrung iſt aber die Luft die wichtigſte Lebensbedingung. Ein erwachſener, arbeitender Mann bedarf zu ſeiner Erhaltung täglich durchſchnittlich 5 8 Pfund Speiſen, welche 12 Pfund feſte Stoffe enthalten. In derſelben Zeit athmen die Lungen 19 26 Pfund Luft ein. Man ſieht hieraus, wie wichtig es für die Entwicklung und Erhal⸗ tung des Menſchen iſt, daß ihm die Luft in der ſeinem Bedürfniß angemeſſenen Zuſammenſetzung geboten werde.

Die Hauptbeſtandtheile der freien Luft ſind aller Orten und unter allen Verhältniſſen annähernd dieſelben, nämlich etwa 79 Raumtheile Stickſtoff und 21 Raumtheile Sauerſtoff. Außerdem enthält die freie Luft eine verhältnißmäßig geringe Beimengung von Waſſerdampf, Kohlenſäure und Ammoniak, und in ſehr geringen Mengen einige andere Gaſe. Der Waſſergehalt iſt je nach der Temperatur und andern Ver⸗