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gläubiges Familienleben. Nicht die ſyſtematiſchen Einwirkungen der Schule ſoll das Haus üben, aber wohl ſoll die aus der rechten inneren Lebensquelle hervorſproſſende Liebe das junge Leben in jeder Beziehung ſchützen und bewahren, ſoll es kräftigen und zur vollen Reife gedeihen laſſen. Dieſe Liebe erweiſt ſich be⸗ ſonders auch noch darin, daß ſie zur rechten Zeit ſich äußert, daß ſie gerade zu den Schwachen ſich am meiſten herabläßt, ein Wiederſtrahl der Liebe Gottes, die das Erlöſungswerk für die ſchwache Menſchheit ſchuf. Dieſe Liebe äußert ſich da in einem zärtlichen Blick der Mutter, oder in einem ermunternden Wort des Vaters, da in einem Lob oder in einer Zurechtweiſung, da in der Anerkennung, die einer hervorragen⸗ den Perſönlichkeit oder einer guten Handlung von den Eltern gezollt wird, vor Allem aber in dem leben⸗ digen Beiſpiel, das die Eltern in Leid und Freud, in Noth und Tod an den Tag legen, und womit ſie beweiſen, daß ſie ſelbſt nicht allein höhere Lebensziele kennen, ſondern auch erſtreben. Ja, nur Derjenige, welcher ſelbſt des Lebens höchſte Aufgabe kennt und erſtrebt, kann Andere erziehen. Kann auch ein Blinder einem Blinden den Weg zeigen? Werden nicht beide in die Grube fallen? In einem ſolchen Hauſe entfernt man natürlich Alles, was der Erreichung dieſer Lebensziele hinderlich ſein könnte. Vor Allem iſt man darauf bedacht, daß alle Anordnungen der Schule pünktlich befolgt werden, man mißbilligt ſie weder in Worten noch durch die That, indem man ſie umgeht, man erzeigt den Lehrern, die einſt Rechenſchaft von ihrem Thun und Laſſen geben müſſen, Dankbarkeit und Hochachtung, man überwacht den Umgang der Kinder und hält darauf, daß ſie ſich nicht älteren, oft ungebildeten Perſonen anſchließen, vielmehr ſucht man dahin zu wirken, daß ſie gleichaltrige Schulgenoſſen, von deren Verhalten man ſich genaue Kenntniß verſchafft hat, zu ihrem Umgange wählen; man hält die Kinder nicht durch unzeirige Vergnügungen und Zerſtreuungen von der Erfüllung ihrer Pflichten ab, oder ſucht ſie wohl dadurch auf irrige Bahnen zu lenken; man überbürdet ſie nicht aus Selbſtliebe und Eitelkeit mit allerlei Privatarbeiten, die Leib und Seele aufreiben; man will ſie nicht frühreif werden laſſen und dringt nicht auf ihr zu raſches Fortrücken bei den Verſetzungen; man verlangt nicht Kräfte und Leiſtungen, wo die Natur ſolche verſagt oder ſpärlich aus⸗ getheilt hat, mit kurzen Worten: man hat ruhig das klar erkannte und zu erreichende Ziel im Auge, thut ſelbſt Alles, was man thun kann, damit es erreicht werde, entfernt Alles, was der Erreichung hinderlich ſein könnte und endlich, und das iſt ſchließlich die Hauptſache, man ſagt ſich, nachdem man Alles gethan hat, daß der Herr allein es iſt, der unſer Beginnen ſegnen kann und betet um den Segen des Höchſten bei dieſem wichtigen Geſchäfte, wie der fromme Landmann, wenn er Alles zur Förderung ſeiner Saaten gethan hat, wenn er alle Gefahren, die ihrem Gedeihen drohen, nach Kräften abgewendet hat, zuletzt zu dem betet, der Frühregen und Spätregen gibt und an deſſen Segen Alles gelegen iſt.
Ja, hohe und hochgeehrte Anweſende, auch bei dem Geſchäfte der Jugendbildung und Erziehung ſind wir zuletzt wieder auf den Segen von Oben hingewieſen; wir vermögen mit all unſerem Ringen und Schaffen, mit allen Regeln der Kunſt und Wiſſenſchaft nichts weiter zu thun, als den göttlichen Einflüſſen den Boden zu bereiten. Wenn wir daher auch dieſes Jahr unter Mitwirkung des Hauſes unſere eifrigen Bemühungen mit Erfolg gekrönt ſehen, wenn wir das Regen und Weben des kindlichen Geiſtes beobachten; wenn wir die Früchte des inneren Lebens in wahrer Dankbarkeit, in tiefer Ehrerbietung, in freudigem Gehorſam allmählich reifen ſehen: da erheben wir Lehrer, da erheben fromme Eltern Hände und Herzen zu Dem empor, der zu unſerer Arbeit Seinen göttlichen Segen gab. Solche Gefühle des innigſten Dankes bewegen jetzt auch unſere Herzen, wenn wir auf die Reſultate des abgelaufenen Schuljahres hinblicken, wenn wir bedenken, daß Gottes Güte und Barmherzigkeit uns unſere Lieben bis dahin bewahret, daß er ſie vor mancher Gefahr, die gerade in dieſem Jahre über ſie hätte kommen können, beſchützet und ſicher geleitet, daß er ſie hat geiſtig voranſchreiten laſſen, daß er ſie insbeſondere gefördert hat in der Erkenntniß ſeines Wortes und Willens, ſolche Gefühle ergreifen insbeſondere unſere Seelen im Hinblick auf euch, liebe Schüler, die ihr euch durch euren Fleiß, durch eure Leiſtungen und durch euer gutes Betragen die Zufriedenheit eurer Lehrer in dem Grade erworben habt, daß ſie euch ein öffentliches Lob ertheilen können. Dieſes Lob erhalten folgende Schüler:(Namenverleſung.) Indem wir euch vor dieſer großen Verſamm⸗ lung, vor euxen Eltern und Geſchwiſtern, vor euren Lehrern und Mitſchülern dieſe Auszeichnung zu Theil werden laſſen, erinnern wir euch daran, daß die treue Arbeit der Schule und des Hauſes unter Gottes Beiſtand euch in euren Beſtrebungen mächtig unterſtützt und ſicher dem Ziele entgegen geführt hat. Das werdet ihr nie vergeſſen, ihr werdet auch in der Folge zur Freude eurer Eltern und Lehrer auf der betre⸗


