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ferne, wo das„Ne sutor ultra crepidam“ nicht mehr ganz paßt, indem die ſtets wachſende Concurrenz und der Kampf um die Eijiſtenz nicht allein alle Kräfte herausfordert, ſondern ſie anſpornt, auf verſchiedenen Ge⸗ bieten ſich Geltung zu verſchaffen. Die Feſſeln des Zunftweſens ſind geſprengt; frei bewegt ſich der Ge⸗ ſchäftsbetrieb nach allen Seiten; die Produkte des menſchlichen Gewerbfleißes, die Erzeugniſſe des Bodens werden weder durch unüberſteigliche Zollſchranken, noch durch die Entfernung gehindert, unſere Märkte zu beeinfluſſen. Unter ſolchen Verhältniſſen wird es dem Einzelnen ſchwerer und ſchwerer, den Kampf mit der überfluthenden Concurrenz zu beſtehen, wenn er nicht die Regſamkeit des Geiſtes beſitzt, alle Con⸗ jecturen zu benutzen, allen Bewegungen auf den verſchiedenſten Gebieten zu folgen und ſie zu ſeinem Vor⸗ theile auszubeuten. Hierzu gehört vor Allem ein gebildeter, geſchulter Geiſt, der ſich in die verſchiedenartigſten Verhältniſſe zu fügen weiß und ſie auf ſeinen Beruf anzuwenden verſteht, neben entſprechenden Kenntniſſen in den wichtigſten Unterrichtsgegenſtänden. Ganz beſonders aber verlangen die heutigen Verhältniſſe die Ausbildung der ſittlich⸗religiöſen Anlagen, eine Ausbildung, die nicht bloß im Wiſſen und im treuen Feſt⸗ halten an Glaubensſätzen beſteht, ſondern die das innerſte Weſen des Menſchen erfaßt und ihm eine Ent⸗ ſchiedenheit und Feſtigkeit zu geben im Stande iſt, die Nichts erſchüttert. Die Aufhebung äußerer Schranken im geſellſchaftlichen Leben und im Geſchäftsverkehre hat nämlich zugleich vielfach eine Lockerung der wich⸗ tigſten Forderungen, ein Rütteln an den ewigen Geſetzen der Sittlichkeit und Religion hervorgerufen, welche Jedem einen ſittlich⸗religiöſen Halt nothwendig macht. Da gilt es unter dem geſchäftlichen Drängen und Treiben, ſich ſtets des unveränderlichen Ankergrundes bewußt zu bleiben, unter dem Streben nach irdiſchen Vortheilen und Fortſchritten ſtets das hohe Ziel, welches uns unſere himmliſche Berufung vorhält, im Auge zu behalten und die hohe Beſtimmung des Menſchen nicht zu vergeſſen. Aus dieſen Gründen halten wir alſo daran feſt, daß das Ziel, welches Schule und Haus gemeinſchaftlich an den Kindern er⸗ reichen ſollen, kein anderes ſein kann, als die harmoniſche Entwicklung der körperlichen, geiſtigen und ſitt⸗ lich⸗religiöſen Anlagen des Kindes zum geiſtigen Eingreifen in die praktiſchen Berufskreiſe und zur freudigen Bethätigung im ewigen Reiche Gottes. 5—
Nachdem ich Ihnen, hohe und hochgeehrte Anweſende, auf ſolche Weiſe das Ziel, welches Schule und Haus gemeinſchaftlich an den Kindern erſtreben ſollen, dargelegt habe, ergibt ſich nun leicht das Ver⸗ hältniß von Schule und Haus und die Mittel, welche bei der Erreichung des Zieles anzuwenden ſind. Vor⸗ erſt iſt klar, daß nur durch das Zuſammenwirken von Schule und Haus die hohe Aufgabe der Jugend⸗ bildung und Erziehung zu erreichen iſt. Die Privaterziehung mag immerhin eine ausſchließlich individuelle Behandlung des Zöglings ermöglichen, eine allſeitige Ausbildung in körperlicher, geiſtiger und ſittlich⸗religiöſer Beziehung aber iſt ihr nur bis zu einem gewiſſen Grade möglich. Das wichtige Moment, welches in dem täglichen Umgang mit Altersgenoſſen, in dem Ringen und Streben nach denſelben pädagogiſchen Zielen, in der Vergleichung und richtigen Würdigung des eignen Standpunktes liegt, dieſes wichtige Moment läßt die Privaterziehung der Natur der Sache nach nicht zu. Dieſer tägliche Umgang übt in der Bethä⸗ tigung der mannigfaltigſten Tugenden, Nachgiebigkeit und Verträglichkeit, Muth und Entſchloſſenheit, Offen⸗ heit und Biederkeit, Treue und Wahrhaftigkeit, Gefälligkeit und Hingabe, alle dieſe Tugenden ſind nur im Umgange mit Menſchen zu üben; die Gefahr, welche im Zuſammenſein mit unartigen Kindern, deren es natürlich in jeder Schule gibt, liegt, dieſe Gefahr wird beſeitigt durch den allgemeinen Geiſt, der in einer wohlgeleiteten Kinderſchaar ſich bald entwickelt. So lernt auch der Knabe ſich frühzeitig rüſten im Kampfe gegen das Schlechte und Gemeine, den er nothwendig im Leben aufnehmen muß. Höher noch iſt das Ringen und Streben der Schülerſchaar nach gleichen Zielen im Unterrichte wegen der Möglichkeit die eignen Kräfte zu prüfen und ihnen die rechte Richtung zu geben, anzuſchlagen. Da findet auch der begabte Schuler immer noch in dieſem oder in jenem Fache einen Begabteren, mit dem er ringen und dadurch zu höherer Vollkommenheit heranreifen kann; und auch der Minderbegabte, ja der ſchwache Schüler wird in dieſen geiſtigen Ring⸗ und Wettkampf mit hineingezogen und die allmählich wachſende Kraft erweckt Luſt zu erneuten Anſtrengungen. Ebenſowenig kann nun aber die Schule allein die Jugend dem zu erſtrebenden Ziele entgegenführen. Wenn manche Eltern wähnen, ihre Pflichten gegen ihre Kinder dadurch erfüllt zu haben, daß ſie dieſelben in eine gute Schule ſchicken und hierfür die erforderlichen Ausgaben beſtreiten, ſo iſt dieß eben ein gefährlicher Wahn, deſſen traurige Folgen ſich nur zu bald zeigen, der Schule aber gewiß nicht zur Laſt gelegt werden können. Aber, ſo ſprechen Manche, ich kann mich doch nicht mit der Erziehung


