Jahrgang 
1872
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zuführen, worauf wir indeſſen unabläſſig unſer Augenmerk richten. Ebenſo ſind wir ſtets darauf bedacht geweſen, die Geſundheit unſerer Schüler durch die Verbeſſerung lokaler Verhältniſſe und die Beſeitigung mancher Uebelſtände zu berückſichtigen, ſoweit dieß in unſerer Macht ſteht, und werden auch fernerhin dieſem Gegenſtande unſere beſondere Aufmerkſamkeit zuwenden. Bei normaler körperlicher Entwicklung zeigt ſich dann das weitere Bedürfniß nach geiſtiger Ausbildung der verſchiedenen Beanlagung entſprechend von ſelbſt. Geſunde, kräftige Knaben greifen gern und mit Ansdauer zu ihren Schularbeiten und ſind im Stande nach allen Beziehungen ihren Pflichten nachzukommen. Unluſt zur Arbeit, Zerſtreutheit im Unterrichte, Oberflächlichkeit in der Ausführung der Aufgaben ſind in der Regel die Folgen vernachläſſigter körperlicher Ausbildung und ein Beweis für den krankhaften Zuſtand des Körpers. Mens sana in corpore sano iſt daher der Grundſatz, der von Pädagogen nicht genug gewürdigt werden kann. Die Beachtung desſelben gewährt nicht allein das höchſte irdiſche Glück, ſondern ermöglicht allein auch die harmoniſche Ausbildung des Menſchen. Noch viel nachtheiliger jedoch als die vernachläſſigte körperliche Ausbildung wirkt die ein⸗ ſeitige geiſtige Entwicklung oder vielmehr Dreſſur für den künftigen irdiſchen Lebensberuf, welche man in unſerer Zeit von verſchiedener Seite her, namentlich von ſolchen verlangt, die den Werth einer harmoniſchen Geiſtesentwicklung recht gut ſchätzen könnten, wenn ſie in dankbarer und beſcheidener Geſinnung ſich der Stätte erinnerten, wo ſie die Grundlagen zu ihrer geiſtigen Ausbildung gelegt haben. Die zu ängſtliche Berückſichtigung des künftigen irdiſchen Berufes bei der geiſtigen Ausbildung der Jugend, wie ſie gegenwärtig alle Stände durchdringt, ſcheint uns ein gefährlicher Irrthum. Nach dieſer Anſicht ſollen ſchon in der Schule und auf den unterſten Stufen derſelben die verſchiedenen Berufsarten bei der geiſtigen Ausbildung maß⸗ gebend ſein, der künftige Kaufmann, Fabrikant, Techniker, Oekonom und alle anderen Berufsarten, ſie ſollen alle die erforderlichen Kenntniſſe ſich aneignen. Abgeſehen davon, daß dieß wegen der Mannigfaltigkeit der Forderungen abſolut unmöglich wäre, ſo iſt es auch pädagogiſch ganz fehlerhaft. Alle dieſe Berufsarten erfordern einen geordneten, geſchulten Geiſt, die harmoniſche Ausbildung der Geiſteskräfte überhaupt. Auf dieſe harmoniſche Ausbildung legen wir daher mit Recht das größte Gewicht; wir werden jedoch der For⸗ derung, daß dieſe Vorbereitung und Ausbildung für das Leben zu geſchehen habe, dadurch gerecht, daß wir zu der formalen geiſtigen Ausbildung diejenigen Unterrichtsfächer erwählen, die für alle dieſe Berufsarten praktiſchen Werth haben. Mit der reifenden Geiſtesbildung entwickelt ſich im Kinde allmählich das dritte, tiefinnerſte menſchliche Bedürfniß, das ſittlich⸗religiöſe und verlangt dringend Befriedigung. Die Schule ſoll dieſem Bedürfniß entſprechend die in dem Kinde noch ſchlummernden ſittlich⸗religiöſen Anlagen zur vollen Entfaltung und thatkräftigen Geſtaltung bringen. Lehrer und Schüler ſollen zu den Füßen deſſen ſitzen, der der Anfäuger und Vollender unſeres Glaubens iſt, ſie ſollen ſich als Kinder des einigen, ewigen Gottes, des Schöpfers Himmels und der Erde finden, ſie ſollen ſein Walten und Wirken in der Natur, in der Menſchenwelt und in ſeinem heiligen Worte erkennen. Dieſe Erkenntniß wirkt tiefere Erforſchung des eignen Weſens, Selbſterkenntniß und Reue über das in der menſchlichen Natur von Jugend auf ſchlum⸗ mernde Böſe, und dieſes Bewußtſein erweckt ſie zu der ſeligen Empfindung der Erlöſung durch den Heiland und Erlöſer der Welt, dem ſie ſich nun mit glaubensſtarken, lieberfüllten Herzen für das ganze Leben anſchließen. Aber nicht allein die menſchliche Natur verlangt eine derartige körperliche, geiſtige und ſittllich⸗ religiöſe Ausbildung, ſondern auch das Leben, ſchon dieſes irdiſche Leben, und hierbei erlauben Sie mir noch einige Augenblicke zu verweilen. Daß körperliche Rüſtigkeit und Geſundheit eine der Hauptbedingungen für das glückliche Betreiben jeder Berufsart iſt und das höchſte Gut, wird allgemein zugegeben und geht aus dem Worte:Geſundheit iſt der größte Reichthum, welches Wort in Jedermanns Munde iſt, hervor. Je angeſtrengter namentlich in geiſtiger Beziehung eine Berufsart iſt, je mehr ſie verlangt, daß alle Funk⸗ tionen der menſchlichen Geiſtesthätigkeit, Verſtand, Gedächtniß, Willenskraft in Thätigkeit geſetzt werden, deſto größer muß der Fonds körperlicher Geſandheit ſein. Der Arbeiter, welcher vorzugsweiſe ſeine Glieder regt, die Berufsarten alle, welche in friſcher, freier Luft betrieben werden, haben alle den großen Vortheil, daß ihre Arbeit den Körper abhärtet und kräftigt. Ebenſo verlangt aber auch der praktiſche Beruf, daß die Geiſteskräfte allſeitig entwickelt werden. Unſere Zeit fordert von jedem praktiſchen Berufe, von dem Kauf⸗ mann und Fabrikanten, dem Techniker, Oekonomen und Handwerker, daß er ſeinen Beruf nicht einſeitig betreibe, ſondern daß er allen geiſtigen Bewegungen auf den verſchiedenſten Gebieten der menſchlichen Thätig⸗ keit folgen, daß er alle dieſe Regungen für ſeinen Beruf ausnutzen könne; wir ſind den Zeiten nicht