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zeugung geführt, daß nur die geiſtige Ueberlegenheit des deutſchen Volkes, ſein ſittlich⸗religiöſer Ernſt, wie er von Alters her und im großen Ganzen auch jetzt noch in der deutſchen Schule und Familie gepflegt wurde, ſolche Ereigniſſe herbeiführen konnte. Dieſe Ueberzeugung hat uns oft unſere mühevolle Arbeit erleichtert und uns immer wieder zu erneuten Anſtrengungen ermuntert; dieſe Ueberzeugung veranlaßt mich, mit einigen Ermahnungen und Bitten vor Sie, hochgeehrte Eltern unſerer Schüler zu treten. Die Schule iſt nur der Eine Faktor in der Bildung und Erziehung des Menſchen, die Erreichung der hohen Ziele der geiſtigen und namentlich der ſittlich⸗religiöſen Bildung, auf welcher von jeher die Kraft und die Größe eines Volkes beruhte, fordert durchaus eine auf richtigen Grundſätzen baſirte Uebereinſtimmung von Schule und Haus.
3 Schon in einer früheren Actusrede hatte ich daher hervorgehoben, daß die Erreichung des der Real⸗ ſchule geſteckten Zieles nicht allein erfordere, daß die Eltern ihre Kinder zeitig genug der Schule über⸗ geben, daß ſie ferner dieſelben alle Klaſſen der Schule durchlaufen laſſen, ſondern daß Schule und Haus einträchtig an der Erziehung und Bildung der Schüler arbeiten. Das reifere Alter der Schüler erfordert nicht allein eine allgemeinere Behandlung der wichtigſten Wiſſenszweige, die Befeſtigung in den auf den ver⸗ ſchiedenen Stufen des Unterrichtes erlangten poſitiven Kenntniſſe, es verlangt vor Allem die auf ſittlich⸗ religiöſen Grundlagen beruhende Herausbildung des Charakters. Der Abiturient der Realſchule ſoll nicht nur ein beſtimmtes Maß des Wiſſens ſicher beherrſchen, ſondern ſeine Charakterentwicklung ſoll auch in dem Grade fortgeſchritten ſein, daß der Drang nach höherer geiſtiger und namentlich ſittlich⸗religiöſer Aus⸗ bildung ihm unverlierbares Eigenthum geworden iſt. Hierzu iſt erforderlich, daß die Schule noch Einfluß habe auf das Alter, in welchem der Jüngling vom Knaben Abſchied nimmt, in welchem die mit Roſen bekränzten Pforten des Kindergartens ſich ſchließen und das Regen und Ringen, das Wetten und Wagen im Kampfe des inneren und äußeren Lebens beginnt, in welchem der Wogenſchlag äußerer Gefahren und Hinderniſſe, erwachender Leidenſchaften und Triebe mächtig eingedämmt werden muß durch die Kraft des ſittlichen Charakters. Nicht die Schule allein kann die Charakterentwicklung bis zu dem Grade fördern, es bedarf dazu der verſtändigen Mitwirkung des Hauſes. Darum habe ich bereits früher zwei Wünſche in der Beziehung angeführt. Ich hatte den Wunſch ausgeſprochen, daß die Eltern die Anordnungen der Schule unterſtützen möchten, weil ohne dieſe Unterſtützung der Erfolg unſerer Mühe und Arbeit von vorn⸗ herein zerſtört wird; ich hatte ferner den Wunſch geäußert, daß die Eltern mit Sorgfalt den Umgang ihrer Kinder überwachen möchten. Dieſe beiden Wunſche beziehen ſich indeſſen nur auf einige Mittel, welche die Eltern zur Erreichung des zu erſtrebenden Zieles anzuwenden haben, ſie laſſen das Ziel ſelbſt und das Verhältniß des Hauſes zur Schule, aus welchen von ſelbſt dann die anzuwendenden Mittel ſich ergeben werden, unberückſichtigt. Erlauben Sie mir daher, auf dieſes Ziel und das hieraus ſich ergebende Verhäͤltniß des Hauſes zur Schule jetzt etwas genauer einzugehen.—
Das Ziel aber, welches Schule und Haus im Verein an den Kindern erreichen wollen, kann kein anderes ſein, als die Entwicklung der körperlichen, geiſtigen und ſittlich⸗religiöſen Anlagen des Kindes zum geiſtigen Eingreifen in die praktiſchen Berufskreiſe und zur ſittlichen Bethätigung im ewigen Reiche Gottes. Wir können nur in der harmoniſchen Entwicklung der dem Menſchen innewohnenden körperlichen, geiſtigen und ſittlich⸗religidſen Anlagen ein wahrhaft humanes Bildungsziel erblicken. Wir ſind ebenſowenig der Anſicht, daß dieſe Entwicklung nur für den praktiſchen Lebensberuf geſchehe; wir verlangen vielmehr ganz beſonders, daß er geſchehe zur ſittlichen Bethätigung im ewigen Reiche Gottes. Die Nothwendigkeit einer derartigen Entwicklung ergibt ſich ſchon aus der Natur des Menſchen, die nach dieſen verſchiedenen Rich⸗ tungen hin beanlagt iſt, und die, wenn ſie nicht einſeitig behandelt wird, nothwendig aus ſich heraus das Bedürfniß einer harmoniſchen körperlichen, geiſtigen und ſittlich⸗religiöſen Ausbildung erzeugt. Im erſteu Kindesalter regt ſich unwiderſtehlich das Bedürfniß nach Licht, Luft, und Bewegung zur Entfaltung und Kräftigung der körperlichen Anlagen, und die neueſten von Aerzten und Pädagogen aufgeſtellten Forderungen verlangen übereinſtimmend und dringend, daß dieſem Bedürfniß Rechnung getragen werde, daß namentlich die Bewegung in freier, geſunder Luft der Jugend ermöglicht werde. Es iſt daher höchſt thöricht, wenn von mancher Seite der Jugend die freie Zeit, die Ferien, die unter heiterer Fröhlichkeit gemachten Spiele mißgönnt werden, wenn man dieſelbe nur in das Lehrzimmer bannen will. Leider erlauben die hieſigen, höchſt ſchwierigen Verhältniſſe immer noch nicht, den gerade im Winter ſo nothwendigen Turnunterricht ein⸗


