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aufrichtigſter Dank dafür, daß er weitere Opfer einer Schule bringt, die im Intereſſe der hieſigen Stadt und Gegend gegründet wurde, die bis dahin ſo ſegensreich für das Aufblühen des Odenwaldes gewirkt und von verſchiedener Seite in recht wichtigen Beziehungen ſo dankenswerthe Unterſtützung gefunden hat. Im Hin⸗ blick auf dieſe hochgeneigte Fürſorge, der ſich unſere Schule in dieſer wichtigen Entwicklungsphaſe zu erfreuen hatte, ſagen wir hier nochmals unſeren aufrichtigſten, tiefgefühlteſten Dank.
Hohe und hochgeehrte Anweſende! Aus der Darlegung der auf das realiſtiſche Bildungsziel gegründeten, unter Berückſichtigung der hieſigen Verhältniſſe geſtalteten neuen Organiſation folgen nun leicht die Bedingun⸗ gen, unter welchen eine erfolgreiche Benutzung der erweiterten Anſtalt möglich iſt, welche Bedingungen wir als wohlgemeinte Wünſche den verehrlichen Eltern öffentlich ausſprechen. Zur Erreichung des Zieles, namentlich in den ſprachlichen und mathematiſchen Fächern, iſt es durchaus nothwendig, daß uns die Kinder ſo zeitig als möglich übergeben werden, damit ſie ſchon in der Vorbereitungsſchule, oder doch in den Unterklaſſen der Real⸗ ſchule, den Grund legen, auf welchem der in den Oberklaſſen auszuführende Ausbau ſicher vollführt werden kann. Wir haben Beiſpiele genug, daß ſelbſt gutbegabte und fleißige Schüler nur deßhalb nicht voran kamen, weil ihnen dieſe Grundlagen fehlten. Das iſt dann für den Lehrer eine unendlich ſchwierige Aufgabe, immer und immer wieder auf die Anfänge zurückkommen zu müſſen; für den Schüler aber wird es, wenn er ge⸗ gewiſſenhaft iſt, eine Geiſt und Körper aufreibende Arbeit, wenn er durch Privatſtunden oder durch Selbſt⸗ ſtudium nachholen ſoll, was andere Kinder ſchon Jahre zuvor gehabt haben. Der leichtſinnige Schüler aber erreicht trotz aller Sorgfalt des Lehrers das vorgeſteckte Ziel nicht. Daher ſollten alle Eltern, die es mit ſich und mit ihren Kindern gut meinen, die Kinder ſo zeitig als möglich uns übergeben. Weiter iſt es durch⸗ aus erforderlich, daß die Eltern ihre Kinder alle Klaſſen der Schule durchlaufen laſſen. Allerdings ſuchen wir ſchon in der dritten Klaſſe einen gewiſſen Abſchluß zu geben, weil von jeher Schüler aus dieſer Klaſſe ſchon in die verſchiedenen Geſchäfte übertraten und überhaupt vor dem Uebergang in die Oberklaſſen ein Zu⸗ ſammenfaſſen der Kräfte auf dieſem Standpuukte durchaus nothwendig iſt; allein dieſer Abſchluß genügt den geſteigerten Anforderungen in den Berufsarten und zur Ertheilung der Berechtigungen nicht. Erſt in einem reiferen Alter nach der Confirmation, wenn Körper und Geiſt eine entſprechende Ausbildung erlangt haben, vermag die Schule die Lehrgegenſtände in einer größeren Allgemeinheit darzuſtellen und der Jugendbildung den erforderlichen Abſchluß zu geben; erſt dann kann insbeſondere die Schule denjenigen Einfluß auf die Cha⸗ rakterbildung äußern, der unumgänglich nothwendig iſt, wenn die Schule nicht für die Schule, ſondern für das Leben wirken ſoll. Unſere Realſchulen haben gerade daran am meiſſen gekränkelt, daß ſie nicht wie die preußiſchen Realſchulen, oder die Gymnaſien ihren Unterricht auf ein reiferes Alter der Schüler ausdehnen konnten. Darum fehlten auch alle Vergleichungspunkte zwiſchen den Leiſtungen der Realſchulen und Gymna⸗ ſien, und ſtellte man dennoch Vergleiche an, ſo mußte man nothwendig ungerecht werden, wenn man auf Rechnung des realiſtiſchen Bildungszieles ſchrieb, was doch nur in den der Realſchule ungünſtigen Verhält⸗ niſſen lag. Wenn aber die preußiſchen Realſchulen und die Gymnaſien überhaupt die Unterrichtszeit bis zum 18. Lebensjahre mindeſtens ausdehnen, ſo verlangen wir gewiß nicht zu viel, wenn wir das 16. Lebensjahr zur Erreichung des realiſtiſchen Bildungszieles in der Regel feſtſtellen. Der künftige Geſchäſtsmann, Fabri⸗ kant, Techniker, Kaufmann wird es uns gewiß ſpäter Dank wiſſen, daß wir das Unterrichtsziel bis dahin ausdehnten, weil er viel raſcher, ſicherer und umfaſſender die Pflichten ſeines Berufes ergriff; der künftige Gelehrte, der noch zeitig die mittleren Klaſſen des Gymnaſiums erreicht und bei ernſtem Fleiß in den alten Sprachen Nichts verſäumt hat, wird den Schatz von mathematiſchem und realiſtiſchem Wiſſen um Alles ſpäter nicht miſſen wollen. Darum die wohlgemeinte Erinnerung an alle Eltern: Laſſen Sie Ihre Kinder alle Klaſſen der Schule durchlaufen, weil nur dann Ihre Kinder allſeitig das Ziel erreichen können. Endlich aber kann das weiter hinausgerückte Ziel, welches die neue Organiſation dem Schüler vorſteckt, nur dann ſicher erreicht werden, wenn Schule und Haus einträchtig an der Erziehung arbeiten. War dieß auch ſeither ſchon erforderlich, ſo wird es nun unerläßliche Bedingung, da das reifere Alter der Schüler viel größere Gefahren darbietet, die nur durch ein nach übereinſtimmenden Grundſätzen geleitetes Verfahren und durch das verſtändige Zuſammenwirken von Schule und Haus zu umgehen ſind. Hohe und hochgeehrte Anweſende! Gerade an dieſer Stelle möchte ich mich gern über dieſes Zuſammengreifen von Schule und Haus ausführlicher aus⸗ ſprechen, wenn mich nicht die vorgerückte Zeit daran verhinderte. Daher verſchiebe ich dieſen hochwichtigen Gegenſtand, von welchem das Gelingen aller unſerer Anſtrengungen abhängt, auf einen anderen Zeitpunkt. Zwei wohlbegründete Wünſche aber kann ich in der Beziehung nicht mit Stillſchweigen übergehen, weil ſie ſehr häufig unbeachtet bleiben. Der eine betrifft die Unterſtützung wohlbedachter Anordnungen der Schule durch die Eltern. Alle unſere Anordnungen bezwecken das geiſtige und ſittliche Wohl der uns anvertrauten


