Jahrgang 
1870
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und die hierauf gegründete Organiſation derſelben erhielt den Beifall der hohen Staatsbehörden, indem die⸗ ſelben unſere gehorſamſten Anträge, welche wir in einem höheren Orts verlangten Berichte, die Organiſation der Realſchulen unſers Großherzogthums betreffend, niederlegten, die hochgeneigteſte Genehmigung ertheilten. Die Feſtſtellung des Zieles der Realſchulen des Großherzogthums, ſowie die hierauf geſtützte Prüfungsordnung ſteht bevor. Hierdurch wird, ohngeachtet der Rückſicht auf wichtige lokale Bedürfniſſe, eine größere Ueber⸗ einſtimmung in die ſeither verſchiedenartig ſich entwickelnden Realſchulen unſeres Landes gebracht werden, indem in Bezug auf die Dauer des Unterrichtes, in den Zielpunkten und in den Berechtigungen, geſtützt auf eine gleichfalls übereinſtimmende Prüfungsordnung eine Gleichmäßigkeit hergeſtellt wird. Ueberall wird eine Vorſchule für Knaben vom 6. bis etwa zum 10. Lebensjahre den Uebergang auf die Realſchule erleichtern. Zweckmäßig iſt unſere hieſige Einrichtung, daß auf der oberſten Stufe dieſer Vorſchule eine Theilnahme an dem lateiniſchen Unterricht der Realſchule verſtattet iſt. Der Unterricht an der Realſchule erſtreckt ſich in der Regel vom 10. bis zum 16. Lebensjahre, in größeren Städten bei bedeutend gefüllten Klaſſen in 6 und mehr Abtheilungen, an kleineren Orten in 5 Abtheilungen, wovon eine zweijährig iſt. Wir haben hier, mit beſonderer Berück⸗ ſichtigung der hieſigen Verhältniſſe, der dritten Klaſſe von unten in der Regel einen zweijährigen Curſus gegeben, weil mehrere neue Lehrgegenſtände in dieſer Klaſſe beginnen, weil aus dieſer Klaſſe die meiſten Schü⸗ ler confirmiert und durch den Confirmandenunterricht in Anſpruch genommen werden; weil ferner aus dieſer Klaſſe mehrere Schüler ins praktiſche Leben übertreten und eines einigermaßen ſicheren Abſchluſſes ihrer Bil⸗ dung bedürfen, weil überdieß ein Zuſammenfaſſen der Kräfte vor dem Eintritt in die Oberklaſſen nothwendig iſt. Die Bedürfniſſe werden uns in der Folge den Weg andeuten, der innerhalb der neuen Organiſation zur Erreichung des Hauptzieles einzuſchlagen iſt. Wenn auch noch manches nahe liegende Bedürfniß unſerer Schule unter Umſtänden gebieteriſch ſeine Befriedigung fordern dürfte, ſo freuen wir uns doch mit allen Freunden der Anſtalt vorerſt des erreichten Zieles; unſere Schule hat nunmehr die Einrichtung, daß ſie das realiſtiſche Bil⸗ dungsziel allſeitig erreichen, mit ihren Schweſteranſtalten erfolgreich concurrieren kann und alle denſelben zu⸗ ſtehende Berechtigungen erhalten wird. Wir freuen uns, daß endlich auch die Stellung der Lehyrer eine ſolche geworden iſt, daß ein fortwährender Wechſel im Lehrerperſonal nicht zu befürchten ſteht.

Mit dem Gefühl des innigſten Dankes erkennen wir in dem Erreichten zunächſt den Beiſtand Gottes, der von jeher ſeinen Segen auf dieſer Schule ruhen ließ und der unſern ſchwachen Bemühungen zur Förderung derſelben ſeine ſtarke Hilfe verlieh, ſo daß dieſe Entwicklungsphaſe ſoweit erfolgreich beſtanden iſt. Wir ſind dabei weit davon entfernt, uns irgend ein Verdienſt zuſchreiben zu wollen, obſchon wir uns das Zeugniß geben dürfen, daß wir mit allen Kräften an der Förderung der Anſtalt gearbeitet haben. Wir wiſſen nur zu wohl, daß auch die unbedeutend erſcheinenden Fragen und Aufgaben der Jugendbildung und Erziehung gar innig zuſammenhängen mit den ſocial⸗politiſchen Ereigniſſen unſerer Zeit, daß das unſcheinbar Kleine, ſowie auch das tiefeingreifende Große gelenkt und geleitet wird von deſſen Hand, der die Geſchicke der Menſchen lenkt zu ihrer wahren Bildung und Erziehung. Iſt nicht die immer lauter werdende Forderung nach erhöhter, allgemeiner Bildung der Jugend, deren Wichtigkeit jeder brave, aufrichtige Lehrer ſchon lange empfand, iſt ſie nicht eine Folge der Ereigniſſe unſerer Zeit? Freilichwohl kommt das erhöhte Bildungsbedürfniß meiſt noch nicht aus dem inneren Bildungstriebe, ſondern wird nur äußerlich mit Rückſicht auf einige wichtige Be⸗ rechtigungen empfunden; allein ein großer Gewinn liegt ſchon in der vollſtändigen Durchbildung der Jugend, insbeſondere in einer gründlichen Charakterentwickelung derſelben. Aber der Herr lenkt nicht allein die großen Ereigniſſe, ſo daß jeder ſeine allmächtige Hand ſpüren kann, ſondern er iſt es auch, der uns ſelbſt mit Muth und Ausdauer erfüllt, der uns die Kräfte verleiht, ein gemeinnütziges Werk ſicher hinauszuführen, der die Herzen unſerer Mitmenſchen lenkt, ſo daß ſie mit uns ringen nach Einem Ziele. Welchen Dank wir anch für die unſerer Schule ſo reichlich zu Theil gewordene Menſchenhilfe zollen müſſen, kann nur derjenige richtig würdigen, der alle die Beweiſe hochgeneigter Fürſorge für unſere Schule genauer kennt. Im Hinblick auf die allgemeinen Ereigniſſe und mit beſonderer Berückſichtigung der Bedürfniſſe des Odenwaldes trat unſere hohe Staatsregierung für die Fortentwicklung unſerer Schule entſchieden ein, und die hohen Stände bewilligten in richtiger Würdigung gern die Mittel, welche zur geiſtigen und ſittlichen Vervollkommnung des Volkes dienen ſollen, in einer Zeit, in welcher die Kraft des Volkes ſo außerordentlich in Anſpruch genommen wird. Ins⸗ beſondere haben Se. Erlaucht der Graf zu Erbach⸗Fürſtenau ſowohl als Präſident der hohen erſten Kammer, als auch privatim ſich mit großer Wärme und Entſchiedenheit der Realſchulangelegenheit und insbeſondere der hieſigen Realſchule angenommen und hierdurch auf's Neue die hohe Fürſorge bewährt, welche Hochdieſelben, ſowie alle Glieder des erlauchten Grafenhauſes für die Entwicklung des Volkes, ſowie insbeſondere für die Förderung der hieſigen Realſchule an den Tag legten. Endlich gebührt auch dem hieſigen Stadtvorſtande unſer