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Schule einen reichen Segen für eine Stadt, ja für eine ganze Gegend. Deßhalb dürfen wir endlich mit Zu⸗ verſicht darauf rechnen, daß die Bevölkerung des Odenwaldes immer tiefer und allſeitiger die Bedeutung und Wichtigkeit unſerer Schule erkennen und immer mehr zur Entwickelung und Bildung der Jugend ausnutzen wird. Ganz beſonders aber rechne ich auf Ihre Unterſtützung und auf Ihren Beiſtand, hochgeſchätzte Lehrer. Ich betrachte es als einen mir ſehr günſtigen Umſtand, daß mir ein Wirkungskreis unter Männern angewieſen iſt, die durch ihre wiſſenſchaftliche Befähigung und Tüchtigkeit, durch ihre Einſicht und Erfahrung, durch ihr treues und ausdauerndes Wirken die Schule zu ihrer jetzigen Blüthe emporgearbeitet haben, und die es daher vermögen, in allen wichtigen Fragen der Erziehung und des unterrichts mir rathend und helfend beizuſtehen. Verehrte, theure Lehrer, laſſen Sie mich aus dem tiefſten Grunde meiner Seele reden. Das Verhältniß, in das ich heute zu Ihnen trete, iſt ein gar wichtiges, hohes und heiliges, da es die Entwickelung und Bildung des Menſchen zu dem hohen, ſchönen Ziele, das der Schöpfer ihm geſteckt, bezweckt. Da iſt Vereinigung der Kräfte nöthig, wie überall, wo der ſchwache Menſch Großes ſchaffen ſoll, da ſchwindet die Kraft des Einzelnen, da verhallt machtlos ſein Wort, und nur die harmoniſche Vereinigung der Kräfte läßt das Werk gelingen. Darum bitte ich Sie inſtändig, laſſen Sie uns in freundlicher Eintracht wirken an unfrer großen, ſchönen Aufgabe, in dem wetteifernden Ringen nach der Löſung derſelben laſſen Sie uns alle beſonderen Meinungen aufgeben und einig ſein in dem Streben, unſere Schüler zu immer höherer geiſtigen und ſittlichen Vervollkommnung und dadurch unſere Schule immer ſchönerer Entwickelung entgegenzu⸗ führen. Und da unſer perſönliches Auftreten und unſere ganze Lebensführung noch viel tiefer und nachhaltiger wirkt, als unſer Wort, o ſo laſſen Sie uns ſelbſt Muſter aller der Tugenden ſein, die wir ſo eindringlich predigen. Unſer Wandel zeige wahre und lautere Frömmigkeit ohne Heuchelei, thätige Nächſtenliebe und liebe⸗ volles Entgegenkommen gegen Jedermann ohne Schmeichelei, ſtrenge Gewiſſenhaftigkeit in der Erfüllung der Pflichten unſeres Berufes, gründlichen Fleiß in unſerer Selbſtbildung und Veredelung. Wo aber ſolche Männer ſchon ſeit vielen Jahren wirkten und ihren belehrenden und erziehlichen Einfluß geltend machten, da iſt ein weiteres Mittel zu einer erfolgreichen Wirkſamkeit in dem Geiſte der Schule zu finden, in dem Geiſte der Zucht und des Gehorſams, des Fleißes und des ernſten wiſſenſchaftlichen Strebens. Ja, liebe, theure Schüler, ihr ſeid die Früchte unſeres Schaffens und Sorgens, und wie man nur gute Früchte an einem guten Baume findet, ſo werdet auch ihr durch euren Fleiß, durch eure Leiſtungen und durch euer Betragen euern Lehrern, eurer Schule, euren Eltern Ehre machen und euch dodurch ſelbſt für euer ganzes Leben am meiſten nützen. An eurem Fleiße, an euren Leiſtungen, an eurem Betragen wird man die Schule, wird man die Beſtrebungen der Lehrer meſſen. Ihr müßt daher täglich nach immer größerer Erkenntniß in allem Wahren, Schönen und Guten ringen, ihr müßt euch ſelbſt beobachten lernen, damit ihr eure Fehler und ſündhaften Neigungen immer genauer kennen lernt. Nur ſo könnt ihr nach und nach reiner und beſſer und tüchtiger zu allem Guten werden, denn der erſte Schritt zur Beſſerung iſt die Selbſterkenntniß. Weil ihr aber noch zu ſchwach ſeid und in dieſem Ringen nach der Erlangung von größeren Kenntniſſen und Fertigkeiten, nach einer höheren, ſittlichen Ver⸗ vollkommnung oft erlahmt, ſo werden wir nicht müde, euch immer wieder zum emſigen Fleiß, zum ernſten Streben, zur gewiſſenhaften Erfüllung aller Pflichten anzuhalten, wir nahen euch mit liebevollen Ermahnungen und freundlichen Worten, wir zeigen euch durch unſer eigenes Beiſpiel die Pfade der Tugend; aber wir können auch, wenn ſchon mit innerem Schmerz, euch mit ernſtem Tadel und nöthigenfalls mit Strafen dazu an⸗ halten. In all unſerem Thun und Laſſen aber wird ſich ſtets die Sorge für eure wahre Wohlfahrt, für euer dauerndes Glück in dieſem und in jenem Leben kund geben. Aus dieſem Grunde werdet ihr all unſeren An⸗ ordnungen und Ermahnungen ſtets willig Folge leiſten, ihr werdet auch Tadel und Strafe gern hinnehmen und zu eurer Beſſerung gereichen laſſen. Auf dieſe Weiſe wird unſere Schule fort und fort den Grund legen zu all den Kenntniſſen und Fertigkeiten, die ihr dereinſt im Leben braucht; ſie wird aber auch die Stätte ſein, wo alles Gute, Wahre und Schöne, alles Heilige, Erhabene und Ewige gepflegt wird, wo die höchſten Güter der Menſchheit, Wahrheit, Liebe, Friede, Recht, Geſetz und Glaube gedeihen, wo die Engel alle, welche den Menſchen ſicher durch's Leben geleiten, ein⸗ und ausgehen, wo die Gefühle der treuen Kindes⸗ und Nächſtenliebe, des Gehorſams gegen Geſetz und Obrigkeit, der Anhänglichkeit zu Fürſt und Vaterland angefacht und gebildet werden, wo die Tugenden des deutſchen Volkes, Treue und Wahrhaftigkeit, Muth und Tapferkeit, Aufopferungs⸗ fähigkeit und Beharrlichkeit der Jugend eingepflanzt werden. Wie könnte ich endlich unterlaſſen, durch einen Rückblick auf mein ſeitheriges geſegnetes Wirken mich bei dem Eintritt in meinen neuen Beruf zu ſtärken. Die Anhänglichkeit meiner Schüler, von welchen viele nun ſchon ſeit Jahren in höheren und niederen Berufs⸗ kreiſen wirken, die Achtung und das Wohlwollen meiner Vorgeſetzten und meiner früheren Herren Collegen folgen mir hierher. Wenn ſich hierin offenbar die Gnade des Allgütigen zeigt, der unſer ſchwaches Beginnen ſegnet, der uns Kraft, Muth und Ausdauer bei Widerwärtigkeiten, Beſcheidenheit und Mäßigung bei erfolgreichem Fort⸗ gang unſerer Anſchläge gibt und uns dadurch die Herzen tüchtiger und braver Menſchen erſchließt, ſo darf ich


