Jahrgang 
1865
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Alle von dem Grafen Georg Albrecht angebrachten Klagen konnten in jener Zeit zu keinem Reſultate führen. Das Kammergericht nahm zwar ſeine Klageſchrift an, doch war hier auf keine baldige Entſcheidung zu hoffen. Da nun überdies der Graf perſönlich kaum noch Einlaß auf dem Breuberge erlangen konnte bei einem Beſuche des Schloſſes am 31. Juli 1639 wurde ihm ſein Rath Dr. Hinderhöffer von einem Lö⸗ wenſteiniſchen Soldaten, man weiß nicht, ob aus Unvorſichtigkeit oder aus Abſicht, an der Seite erſchoſſen, bei einem andern mußte er längere Zeit vor dem Thore warten, weil der Thorhüter erſt bei dem Untercom⸗ mandanten Kurtz anfragen mußte, ob er dem Grafen Einlaß gewähren dürfe, ſo ſuchte derſelbe ſich zuletzt ſelbſt Hülfe und bemächtigte ſich am 19. März 1644 mit Gewalt der Burg, wobei auf Löwenſteiniſcher Seite 1 Mann todt blieb, 3 aber verwundet wurden, unter denen der eine von den eigenen Leuten geſchoſſen worden war. Erſt der Weſtphäliſche Friedensſchluß machte allen dieſen Streitigkeiten ein Ende.

Daß die Burg Breuberg eine eigene Schloßkapelle mit einem Altare zu Unſerer lieben Frauen hatte, iſt bereits erwähnt. Eines Kapellaus Friedrich zu Breuberg wird ſchon im Jahre 1273 als Zeugen Erwähnung gethan. Zur Zeit des 30jährigen Krieges war ſie noch vorhanden, denn der oben genannte Graf Gottfried von Erbach, der auf dem Breuberg im J. 1638 ſtarb, wurde in derſelben beigeſetzt. Gegenwärtig iſt ſie jedoch nicht mehr da. Vermuthlich ſtand ſie in der Nähe des großen Thurmes. Ein einfacher Saal in einem der Löwenſteiniſchen Häuſer auf dem Breuberge war von den zwanziger Jahren dieſes Jahrhunderts an bis zur Vollendung der neuen katholiſchen Kirche zu Neuſtadt für die Katholiken der Umgegend zum Gottes⸗ dienſte hergerichtet.

Da der Breuberg ſeiner Zeit ſehr feſt war, ſowohl durch ſeine Lage, als durch ſeine tiefen Gräben und ſtarken Mauern und Thürme, ſo wurde er ſowohl von Erbach, als von Wertheim und Löwenſtein als Landesfeſtung betrachtet. Wenn er dieſen Zweck nicht immer erfüllte, ſo waren die oben erwähnten Streitig⸗ keiten zwiſchen den verſchiedenen Beſitzern die Urſache davon. Sowohl Erbach, als Löwenſtein hatten hier ein Zeughaus. Die Stelle im äußeren Schloßhofe, wo ein in Stein ausgehauener Arkebuſier mit geſpannter Armbruſt auf den Eintretenden zu zielen ſcheint, zeigt noch den Ort, wo es einſt ſtand, ferner ein gemein⸗ ſchaftliches Archiv, welches jedoch ſpäterhin durch Nachläſſigkeit ſehr geſchädigt wurde. Auch das Crimi⸗ nalgefängniß für die Herrſchaft Breuberg war bis in das gegenwärtige Jahrhundert hier.

Um die Burg gegen äußere Feinde zu vertheidigen, hatten beide Ganerben noch bis in die 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts dieſelbe mit Geſchütz verſehen. Von Erbachiſcher Seite waren damals hier: eine große Feldſchlange,ſchießt 5 Pfd. Eiſen; ein Stück, diewilde Frau genannt,ſchießt 4 Pfd. Eiſen; eine kleine Schlange, derRenner genannt,ſchießt 2 Pfd. Eiſen; eine deßgleichen, dieRennerin ge⸗ nannt,ſchießt 2 Pfd. Eiſen; eine kleinere Art,ſchießt 1 ½ Pfd. Eiſen; ein Falkonett,ſchießt 1 ½ Pfd. Eiſen, und 8 weitere Falkonette. Im Ganzen 26 kleinere und größere Stücke, zuſammen 19,214 Pfd. ſchwer, die zwiſchen den Jahren 1520 40 gegoſſen waren. Erbach verkaufte ſie im J. 1752, weil ſie ihrem Zwecke bereits damals nicht mehr entſprachen.

Auf dem Breuberge war endlich ſchon vom 14. Jahrhunderte an der Sitz eines Wertheimiſchen und eines Eppenſteiniſchen, ſpäter Erbachiſchen Amtmanns, der verſchiedenen Keller oder Recepturbeamten, und ſeit 1807 eines Landraths, die alle auch ihre Unterbeamten hier hatten u. ſ. w. bis in die neuere Zeit. Erſt in den dreißiger Jahren dieſes Jahrhunderts zogen dieſe Beamten nach und nach hier weg, ſo daß gegenwärtig nur noch ein Kaſtellan hier iſt, um die Aufſicht über die Gebäude zu führen.

Die Herrſchaft Breuberg, wie ſie heute noch genannt wird, iſt ſeit drei Jahrhunderten zur Hälfte eine Beſitzung der Grafen von Erbach, und zwar ſeit dem J. 1747 der Linie von Erbach⸗Schönberg. Sie ge⸗ hörte ohne Zweifel größtentheis in der alten fränkiſchen Zeit zur königlichen Villa Umſtadt und wurde mit dieſer bereits im J. 768 vom Könige Pipin dem Kloſter Fulda geſchenkt. Daher erſcheint die Herrſchaft Breuberg mit den weiter unten bemerkten Ausnahmen das ganze Mittelalter hindurch als Fuldiſches Lehen. Von der Abtei Fulda aber, welche bekanntlich ſehr frühe die Immunität, die Befreiung von der königlichen Gerichtsbarkeit empfing, wurden, dem gewöhnlichen Gange der Dinge in jenen Zeiten nach, in dieſem Bezirke Kloſtervögte beſtellt, welche im Namen des Stifts die Gerichtsbarkeit zu verwalten hatten. Dies waren in dieſem Bezirke die alten Breuberger. Die Geſchichte der alten Breuberger iſt, wie die aller dieſer Familien, Anfangs ſehr in Dunkel gehüllt, da es erſt im 12. Jahrhundert unter den hochadligen Geſchlechtern allgemeine Sitte wurde, ſich nach ihren Stammſchlöſſern zu nennen.

Ein Conrad von Breuberg kommt zwiſchen den Jahren 1222 und 1229 mehrmals als Zeuge vor. Gegen das Ende des 13. Jahrhunderts erſcheint Gerlach Reiz von Breuberg als ein höchſt bedeutender Mann. Kaiſer Rudolf von Habsburg machte ihn im J. 1290 zum Landvogt des Landfriedens in Thü⸗ ringen und in der Wetterau. Auch bei König Adolf(von Naſſau) ſtand er in hohem Anſehen. Er beglei⸗ tete denſelben auf ſeinem bekannten Kriegszuge nach Thüringen und erhielt dort den Oberbefehl über ſeine