Jahrgang 
1865
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gungen ſind ſein Werk, wie wir aus dem Wertheimiſchen Wappen über dem Eingange in die Burg ſehen, welches den Namen dieſes Grafen und die Jahrzahl 1499 trägt. Der erſte größere Bau zur Linken im vorderen Schloßhofe iſt vom Grafen Johann Caſimir von Erbach ums J. 1620 erbant. Im Saale desſelben ſind die Wappen ſeiner Ahnen in Stukkatur an der Decke angebracht..22252

Zur Zeit, als Wertheim und Eppenſtein nebſt Conrad von Weinsberg im Beſitze des Schloſſes waren, hatten dieſe ſich ſo in das Schloß getheilt, daß Wertheim die Gebäude zur Linken, Eppen⸗ ſtein und Weinsberg aber einige Gebäude neben der Kapelle erhielten. Die Kapelle, welche aber längſt nicht mehr exiſtirt, der Thurm, der Brunnen ec. ſollten gemeinſchaftlich ſein. Später, nach dem Abgange der Grafen von Wertheim, theilte man jedoch nach einem andern Modus. 2

Im 14. Jahrhunderte, zur Zeit des Fauſtrechts und ſittlicher Verwilderung in Deutſchland, beun⸗ ruhigten die Eigenthümer des Breubergs nicht ſelten die benachbarten Erbachiſchen und Pfälziſchen Beſitzungen. Deßhalb ſchloſſen im J. 1396 ſämmtliche Schenken von Erbach, von den drei, damals vorhandenen Linien, mit Kurpfalz ein gegenſeitiges Schutzbündniß mit einander. Zur Zeit des 30jährigen Krieges ſtand der kaiſerliche General Tilly im Begriffe, den Breuberg zu beſetzen. Am 13. Juli 1631 erſchien nemtich der Obriſt von Bredaw mit einem Reitercommando auf Befehl deſſelben, um das Schloß durch den Obriſtlieutenant Gograu in Beſitz zu nehmen. Nur auf die Verſicherung der Grafen von Lowenſtein und Erbach von ihren dem Kaiſer ergebenen Geſinnungen ließ derſelbe nur den Capitän⸗Lieutenant von Kröͤchtenn mit einem Reiter zurück und zog wieder ab. 2.

Bald darauf aber war das Schloß der Schauplatz von mancherlei Streitigkeiten zwiſchen den beiden Beſitzern desſelben. Graf Johann Dietrich von Lowenſtein, der eine Ganerbe, war damals zur katholiſchen Kirche übergetreten und ein eifriger Anhänger der ligiſtiſchen Partei, während die Grafen Ludwig der Ritter und Georg Albrecht I. von Erbach ebenſo eifrige Anhänger der evangeliſchen Kirche waren und deßhalb auf Seiten der Gegner jener, namentlich des Königs Guſtav Adolf von Schweden, ſtanden, bei welchem ſie auch Kriegsdienſte nahmen. Beſonders waren es die beiden Sohne des Grafen Ludwig, die Grafen Gottfried und Georg Friedrich, welche bei Nürnberg auf ſchwediſcher Seite fochten. Der letztere fiel dort vor den Augen Guſtav Adolfs im Kampfe und ſtarb gleich darauf zu Nürnberg an ſeinen Wunden. Der jüngere, Graf Gottfried, aber beſetzte bald darauf im Auftrage des Königs nach kurzer Gegenwehr den Breuberg und behielt denſelben in ſeiner Gewalt bis zu ſeinem, am 25. Juli 1638 hier erfolgten Tode. 5 A5

Daß unter den damaligen Zeitverhältniſſen das Commando eines eifrigen Proteſtanten den katholiſchen Ganerben des Breubergs ein beſchwerliches war und auch von dem Grafen Gottfried manche Ueberſchreitungen vorgekommen ſein mögen, dies iſt wohl kaum in Frage zu ſtellen. Gaben nun dieſe Vorgänge für die Lö⸗ wenſteiniſche Seite Veranlaſſung zu Klagen, ſo hatte Erbach dazu in der Folge deren noch groͤßere. Nach dem Tode des Grafen Gottfried von Erbach wußte nemlich der Graf Johann Dietrich von Lö⸗ wenſtein für ſeinen Sohn Ferdinand Carl ein kaiſerliches Mandat zu erwirken, wodurch derſelbe zum Obercommandanten des Breubergs ernannt wurde, und derſelbe ergriff denn auch alsbald Beſitz von der Burg. Ein kleines kaiſerliches Commando unter einem Fähndrich wurde noch durch Löwenſteiniſche Musquetiere ver⸗ ſtärkt, die unter ihrem Lieutenant Kurtz ſich fortwährend die gröblichſten Exceſſe gegen den Erbachiſchen Amt⸗ mann auf dem Breuberge zu Schulden kommen ließen, das Erbachiſche Zeughaus leerten, alle darin vorhan⸗ denen Waffen und Munition in das Löwenſteiniſche Zeughaus brachten, ſich nicht nur auch ſonſt an dem Erbachiſchen Eigenthume vergriffen, ſondern ſelbſt förmliche Brand⸗ und Raubzüge in die Erbachiſchen Dorf⸗ ſchaften unternahmen und die ohnedies durch die fortwährenden Einquartierungen und Truppenzüge heimgeſuchte Gegend vollends herunterbrachten. Das Aergſte aber war eine, auf Befehl und unter den Augen des jungen Grafen Ferdinand Carl von Löwenſtein auf dem Breuberge vollzogene Mißhandlung an dem Erbachiſchen Amtmanne daſelbſt. Der Graf war zu dem Ende ſelbſt auf den Breuberg gekommen und ließ am erſten Ad⸗ ventsſonntage des J. 1641, Morgens vor dem Gottesdienſte, den Amtmann Kiſſeberth mit freundlichen Worten zu ſich entbieten, war aber während dem aus ſeiner Wohnung über die Brücke nach dem Galgen gegangen. Noch auf der Brücke wurde nun Kiſſeberth, ein 60jähriger Greis, deſſen Verbrechen darin beſtand, daß er ſeinem Herrn ein treuer Diener war, durch 3 Löwenſteiniſche Stallbedienten von hinten mit Prügeln über⸗ fallen, zum Grafen Ferdinand hingetrieben, dort auf Befehl desſelben mit ſtarken Stricken an den Galgen gebunden und nun in ſeiner Gegenwart mit dicken birkenen Prügeln ſo unbarmherzig geſchlagen, daß er end⸗ lich unter jammervollem Geſchrei, über und über blutrünſtig, ohnmächtig niederfiel und in Folge davon tödt⸗ lich erkrankte. Mehrere Perſonen ſagten bei der Unterſuchung eidlich aus, daß ſie unten an der Mümling bei Neuſtadt, wohin ſie zur Kirche gingen, das jammervolle Geſchrei des Amtmanns gehört und die Worte, un⸗ terſchieden hätten:O Jeſu, komm mir zu Hülfe! O Jeſu, verlaß mich nicht!* 515

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