wir von der Hochſtraße ab, um auf einem Feldweg, der in nordöſtlicher Richtung über einen bewaldeten Berg⸗ rücken führte, unſerm Ziel raſcher nahe zu kommen. Nun begann ein beſchwerliches Steigen; aber die Mühe, die wir aufzuwenden hatten, durfte uns um ſo weniger verdrießen, als wir für dieſelbe durch eine anmuthige Ausſicht belohnt wurden und muntere Wachteln im nahen Weizenfelde zu unſerer Begrüßung ihr Raurau⸗ Pickperwick erſchallen ließen. Sobald wir die Höhe glücklich erreicht hatten, nahm uns ein ſchöner Wald in ſeine grünen Arme und ſeine duftende Kühlung auf. Hier gönnten wir uns eine kurze Raſt, die zugleich zur Beſchwichtigung unſerer bellenden Magen benutzt wurde. Darauf ſetzten wir, in hohem Grade erfriſcht, unſere Wanderung fort. Der von uns weiter verfolgte Weg wand ſich anfangs durch den ſchattenreichen Forſt, welcher den Bergrücken bedeckte, ſenkte ſich dann abwärts und führte die Wanderer durch Rimhorn's beſonnte und belebte Fluren in einen von Wald umkrönten romantiſchen Thalgrund, wo heiter grünende Wieſen mit nickenden Blumen, ſäuſelnde Bäume und lispelndes Gebüſch, ſprudelnde Quellen und frohmurmelnde Bäche, klappernde Mühlen und eine von den friſcheſten Kränzen des Lebens umwehte, ſtill trauernde Ruine, artige Dörfer und hoffnungsreiche Saaten uns zauberiſch anſprachen. An die Stelle der Freude ob der Schönheit des blühenden Thales, das wir jubilierend durchpilgerten, trat plötzlich bei einer Biegung des Weges der ſtärkſte Reiz der Ueberraſchung; denn hell ſtrahlend im Glanze der Sonne trat der Breuberg wie ein königlicher Gebieter im⸗ poſant aus ſeiner lieblichen Umgebung hervor. Von dem Moment an, wo das ſchloßgekrönte Eruptiv⸗Ge⸗ bilde prachtvoll vor uns aufſtieg, hiengen die ſtaunenden Blicke faſt unverwandt an demſelben, bis wir um die Mittagsſtunde am Fuße des ſtattlichen Kegelberges anlangten.
Vor Neuſtadt kam uns Herr Reallehrer Litt entgegen, der mit der Frühpoſt vorausgereist war, um in dem gedachten Städtchen ein frugales Mittagsmahl für uns zu beſtellen. Nach gegenſeitiger Begrüßung reihten wir uns in Ordnung, marſchierten darauf unter Trommelſchlag in das friedliche Städtchen und nahmen unſere Einkehr in einem ſchmucken Gaſthaus. Da das Mahl für uns gerüſtet war, ſo ließ ſich die zahlreiche Ge⸗ ſellſchaft in einem heitern, geräumigen Saal an den bereits gedeckten Tiſchen nieder, hieb weidlich ein und brachte zugleich mit dem erquickenden Naß der Reben dem traubenbekränzten Bacchus und mit kräftigem Gerſten⸗ ſaft dem König Gambrinus Libationen dar. Nach Tiſch widmeten wir der Ruhe einige Stunden, theils um dem Verdauungswerke beſſer obzuliegen, theils um den etwas erſchlafften Kräften durch allerlei Ergötzlichkeiten Spannung und Ton zurückzugeben. Insbeſondere ließen die Herren Kromm und Lang, ſowie einige der Schüler ihren glücklichen Humor ſpielen, indem ſie eine recht drollige, mit ſtürmiſchem Beifall aufgenommene Vor⸗ ſtellung improviſierten. Um 3 Uhr boten wir dem Wirthe abſchiedlich unſern Gruß und erſtiegen auf ſchlängelndem Pfad den Gipfel des 1200 Fuß hohen Breubergs, der ſich in ſtolzer Iſolierung aus dem Mümlingthal emporſteilt und mit Recht als die Krone der Landſchaft gilt.
Bei der Beſteigung des majeſtätiſchen Kegels machten wir die erfreuliche Wahrnehmung, daß Fleiß und
Kunſt mit einander gewetteifert haben, durch Anlegung von Terraſſen die ſonnigen Halden des Berges zur Anpflanzung von Fruchtbäumen, Reben und anderen Gewächſen ſo gut wie möglich zu benutzen. Den Gipfel des ſchönen Erd⸗Gebildes ziert eine umfangreiche, ſtolze Burg. Sie beſteht aus einer herrlichen architektoniſchen Gruppe von impoſanten Gebäuden, deren Mittelpunkt ein quadratiſcher, wol achtzig Fuß hoher, zinnenge⸗ krönter Thurm bildet. Das mächtige Ganze umſchließen doppelte, durch breite und tiefe Gräben von einander getrennte und ehedem mit ſtarken Thürmen beſetzte Mauern. Ueber das hiſtoriſche Intereſſe, welches der Breuberg beanſprucht, gibt G. Simon in ſeiner Geſchichte der Dynaſten und Grafen zu Erbach und ihres Landes S. 16, S. 190 u. 198 Belehrung, wie folgt: „Bereits den Römern ſcheint der Bergkegel als Kaſtell gedient zu haben. Man will auf dem Breu⸗ berg die Ueberreſte eines römiſchen Bades gefunden haben. Noch vorhanden iſt daſelbſt ein viereckiger Stein, etwa 3“ hoch und 1 ½¼“ im Quadrat, auf jeder Seite mit einem nicht mehr genau zu erkennenden Götter⸗ bilde verſehen. Auch unter dem Schloſſe Breuberg, im Thale der Mümling bei Neuſtadt, hat man die Spuren eines römiſchen Gebäudes entdeckt. Jenes Schldß ward ſpäter das Stammſchloß der alten Breuberger. Daß dieſe die Erbauer desſelben ſind, läßt ſich jedoch keineswegs behaupten, da ſich mit Wahrſcheinlichkeit eine andere Burg nachweiſen läßt, nach welcher ſie ſich früher nannten und deren Zubehörungen bis in die neuere Zeit Breubergiſches Allod war, nemlich das ehemalige Schloß Lützelbach. Vermuthlich iſt darum der Breuberg vom Kloſter Fuld zum Schutze ſeiner hieſigen Beſitzungen erbaut und dann dem angeſehenſten Geſchlechte in der Nähe übertragen worden, welches ſich dann auch darnach nannte. Die aus der älteſten Zeit vorhandene Oberlehnshoheit dieſer Abtei über den Breuberg iſt der ſprechendſte Beweis dafür.
Die Burg war im frühern Mittelalter bedeutend kleiner als jetzt. Man ſieht noch, wenn man den vorderen Schloßhof verlaſſen hat, die Spur des alten, urſprünglichen Schloßgrabens. Graf Michael II. von Wertheim hat dasſelbe, nachdem er im J. 1497 alleiniger Beſitzer des Schloſſes und der ganzen Herr⸗ ſchaft geworden, bedeutend vergrößert. Die Gebäude an der ehemaligen Zugbrücke und die äußeren Befeſti⸗


