Jahrgang 
1865
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Meyer und Herr Graveur Hartmann unterricht im Freihand⸗, Fach⸗ und Linear⸗Zeichnen er⸗ theilten. An der Winterabendſchule wirkten die Herren Reallehrer Litt und Kromm. Das Unter⸗ richtsmaterial bildeten Schönſchreiben, Rechnen, Geometrie, Orthographie und deutſcher Styl. Die Zahl der Theilnehmer an dem Unterricht, den die beiden letztgenannten Lehrer gaben, betrug 30.

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7) Chronik der Auſtalt.

Mit dem Beginne des Sommer⸗Semeſters 1864 fand der lebhaft empfundene Mißſtand, daß den is⸗ raelitiſchen Zöglingen der Realſchule bisher keine Gelegenheit geboten war, im Lokal der Anſtalt Unter⸗ weiſung in der Religion zu genießen, ſeine Beſeitigung; es wurde nämlich von Großherzoglicher Oberſtudien⸗ Direction geſtattet, dem israelitiſchen Religionsunterricht auf dem Lectionsplan der Realſchule eine bleibende Stelle anzuweiſen.

Am 21. Juni v. J. unternahmen die Lehrer in Gemeinſchaft mit den Zöglingen der Anſtalt einen vom herrlichſten Wetter begünſtigten Ausflug nach dem ſchönen und erinnerungsreichen Schloſſe Breuberg bei Neu⸗ ſtadt. Noch ſchaukelten ſich die Aeſte der Bäume und die Zweige der Sträucher im leichten Morgenwinde, noch hatten die Strahlen der Frühſonne den perlenden Thau von Gräſern und Blumen nicht hinweggeküßt; da veerlließen wir, etwa hundert an der Zahl, in geordnetem Zug, welcher von zwei jugendlichen Trommlern er⸗

öffnet wurde, unſern Wohnort. Gleich vor Michelſtadt umgab uns eine liebliche Scenerie. Zu unſerer Linken breitete ſich ein buntfarbiger Wieſenteppich aus, den die klare Mümling wie ein Silberband durchſchlängelte; zu unſerer Rechten zog ſich am Rande eines Waldrückens ein wellenförmiges Gefild hin, das mit den Gaben der Ceres reichlich ausgeſtattet war; vor uns lag ein einſames ſtattliches Gehöft, welches von einer mächtigen Linde treu bewacht wurde; ganz nahe dabei ein prangender düftereicher Park, hinter deſſen königlichen Baum⸗ wipfeln ein bethürmtes Schloß auftauchte, und an den eben erwähnten Edeſſitz reihte ſich ein hübſches, langge⸗ ſtrecktes Dorf, aus deſſen zahlreichen Schornſteinen blauer Rauch wirbelnd emporwallte. Als Rahmen des köſtlichen Bildes dienten im Oſten, Norden und Weſten waldbekränzte Bergrücken. Der originelle Zauber, den der Anblick der Gegend übte, wurde noch dadurch erhöht, daß die Sonne Berg und Thal mit Gold⸗ ſchleiern umkleidete, der Himmel in ſanfter und heiterer Bläue wie ein liebendes Mutterauge über der Land⸗ ſchaft ruhte und zahlreiche Flügelbarden unſer Tempe zum Concertſaal machten. Hier in dem lieblichen Ge⸗ ſträuch und den laubdunkeln Stauden des nahen Luſtgartens wirbelten Nachtigallen ihre zärtlichen Lieder und flöteten Amſeln wundervoll; dort ertönte von hohen Baumgipfeln herab der luſtige Geſang der Droſſeln und das traute Geſchwatz der Staare, während aus dem thauigen Saatengrün Lerchen wie Singraketen zum Himmel empor⸗ ſtiegen undim blauen Raum verborgen ihr freudiges Tilirili ſchmetterten. Die ſchöne Gegenwart in vollen Zügen genießend, folgten wir den Schlangenwindungen der das Mümlingthal in nördlicher Richtung durchziehenden Kunſtſtraße. Einige hundert Schritte unterhalb des mehrgedachten Parkes traten die Berge näher an den duftigen Wieſengrund heran, um ſich in der Mümling zu beſpiegeln und dem Spiele der Wellen zuzuſchauen. Hier zogen ein umfangreiches Hammerwerk mit ſeinen rieſigen Schlöten und ein maleriſch gelegenes Forſthaus die Blicke an. Als wir uns dieſen Gebäuden und ihrer pittoresken Umgebung näherten, rauſchten uns knorrige Eichen, ſchlankſtämmige Buchen und weißſchaftige Birken nebſt hochragenden Tannen und dunkelgrünen Fichten freundliche Grüße zu und überraſchte uns zugleich ein wunderliches Schnabelconcert, in welchem ſich Finken und Raben, Tauben und Häher, Spechte und Habichte hören ließen. In das Zirpen und Zwitſchern, Locken und Rufen, Krächzen und Girren, Kreiſchen und Schreien der befiederten Bewohner des Waldes miſchte ſich das Pochen der Hämmer des Eiſenwerkes, das Murmeln und Rauſchen des Waſſers und das Brekekexkoar der muſterhaft Tact haltenden Fröſche der benachbarten Weiher. Das Bild reizender landſchaftlicher Abwechſelung, das ſich dem Auge darbot, die mannigfaltigen Töne, die aus dem geheimniß⸗ vollen Walde erklangen, die milde, reine balſamiſche Luft, die uns umfächelte, dies Alles konnte nicht verfehlen, eine überaus fröhliche Stimmung hervorzurufen. Dem Genius der Landſchaft den Tribut der freudigſten Be⸗ wunderung und des wärmſten Dankes darbringend, wandelten wir durch das eingeengte Thal dahin. Letzteres erweiterte ſich bald wieder und zeigte uns dann das nette Dörfchen Zell und in einiger Entfernung von dieſem den freundlichen Marktflecken König. Kaum hatten wir dem letztgenannten Orte den Rücken gekehrt, ſo bogen

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