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material in der Winter⸗Abendſchule bildeten Schönſchreiben, Rechtſchreibung und deutſcher Styl, Rechnen und Geometrie. Die Sonntagsſchule wurde von 54, die Winter⸗Abendſchule von 40 Geſellen und Lehrlingen frequentiert.
7) Chronik der Anſtalt.
Der Rückblick auf das vergangene Schuljahr erfüllt uns mit Freuden⸗ und Dankgefühlen; denn dasſelbe hat einen im Ganzen recht glücklichen Verlauf genommen. Im Perſonal⸗Beſtande des Lehrercollegiums traten keine Veränderungen ein, und in Betreff der Geſundheit von Lehrern und Schülern blieb wenig zu wünſchen übrig. Nur diner der Lehrer, Freiherr von Touſſaint, war längere Zeit durch Unwohlſein verhindert, die ihm übertragenen Functionen zu erfüllen.
Am 13. Auguſt 1863 machte die Mehrzahl der Lehrer und Schüler der Anſtalt einen Ausflug durch das freundliche Mümlingthal in die an Naturſchönheiten ſo reiche Obercent. Um 6 Uhr Morgens erfolgte unter Trommelſchlag der Ausmarſch. Den mannigfachen Krümmungen des friſchen, rechts und links mit Wald beſäum⸗ ten Thales folgend und Herz und Sinn labend an den eigenthümlichen Reizen, welche dem Mümlingthal als be⸗ neidenswerthes Erbtheil zugefallen ſind, näherten wir uns gegen 9 Uhr der Stadt Beerfelden. Unfern dieſem Hauptorte der Obercent machten wir Halt, um unter ſchattigen Bäumen im Angeſicht des 2182 Fuß hohen Kräh⸗ bergs auszuruhen und einige Erfriſchungen einzunehmen. Nachdem wir kurze Zeit geraſtet und uns reſtauriert hatten, brachen wir auf und zogen bald in die nahe gelegene Stadt ein. Hier rauſchte uns eine wegen ihrer Ergiebigkeit geprieſene Quelle entgegen, die als der Urſprung der Mümling, unſeres Mäander, ein beſonderes Intereſſe erregte. Sobald wir den Rücken der Hochebene, auf welcher Beerfelden erbaut iſt, erſtiegen und das freundliche, gewerb⸗ fleißige Städtchen hinter uns liegen hatten, ſtellte ſich in ſüdlicher Richtung den überraſchten Blicken eine im großen Style der Natur gebildete Gebirgslandſchaft dar und winkte im Schooße des nahen Gammelsbacher Thales das Ziel unſerer Wanderung, nämlich die auf einer mäßigen, aber faſt ſenkrecht aufſteigenden Anhöhe in traulich ſtiller Abgeſchloſſenheit ruhende Burgruine Freienſtein. Die lebhafte Freude, welche der Anblick der herrlichen Gegend hervorrief, wurde uns leider durch die wahrhaft tropiſche Hitze verkümmert, die über Höhen und Tiefen brütete. So beſchwerlich und ermüdend der Marſch von Beerfelden bis Freienſtein wegen der ungewöhnlichen Hochſommer⸗ hitze war, ſo dauerte doch die ganze Geſellſchaft dieſe Beſchwerlichkeiten muthig aus. Gegen 12 Uhr war das Dorf Gammelsbach erreicht, das ſich mit ſeinen wohlhäbigen Bauernhöfen und ärmlichen Hütten an die Wände des waſſerreichen Thales anlehnt. Langſam ſtiegen wir den ſchmalen Burgweg hinan und lagerten uns, auf der ſteilen Höhe angekommen, in den einladenden Schatten des epheubekleideten Gemäuers der Burg Freienſtein. Fürwahr, eine ſchöne und erwünſchte Lagerſtätte! Nachdem wir wegmüden Wanderer eine einſtündige Raſt gehalten, uns an der Kühle des Schattens, ſowie an verſchiedenen Arten von Getränken erquickt, unſere eßluſtigen Magen befriedigt und die Augen an dem lieblichen Bilde, das Burg und Dorf, Wald und Feld, Berg und Au abgaben, ergötzt hatten, wurde zur ſpeciellen Betrachtung der anſehnlichen Trümmer der Burg Freienſtein geſchritten, welche ſich in unſerer unmittelbarſten Nähe erhoben. Einen Blick in die Vergangenheit dieſes intereſſanten Bauwerkes gewährt Simon in ſeiner Geſchichte der„Dynaſten und Grafen zu Erbach“, S. 107 ff.:„Die Burg Freienſtein“, berichtet der Verfaſſer des angeführten Werkes,„in allen Urkunden des 14. und 15. Jahrhunderts:„Frienstein“, war die alte Erbachiſche Grenzfeſte nach dem Neckar hin und zu dieſem Zwecke vortrefflich gewählt, um den Gebirgspaß über Beerfelden nach dem Mümlingthale zu vertheidigen. Es liegt höchſt maleriſch in ſeinen Trümmern auf einer kleinen, aber ſteilen Anhöhe zur Rechten des Gammelsbacher Thales. Wann und von wem dasſelbe erbaut worden, darüber fehlen faſt alle Nachrichten. Ein Erbachiſches Wappen mit dem Helme und den Büffelhörnern, welches daran vorhanden iſt, gehört nach ſeiner ganzen Form der Mitte des 14. Jahrhunderts an. Das Schloß ſelbſt aber muß bedeutend älter ſein, nach den Eckſteinen der Hauptgebäude, welche aus rauhen Quadern(rustica) beſtehen. Da die Schenken von Erbach höchſt wahrſcheinlich ſchon ſehr frühe nicht blos in den Beſitz des Centgerichtes zu Beerfelden kamen, ſondern deßhalb auch ſchon vorher in der Obercent angeſeſſen und begütert waren, ſo iſt anzunehmen, daß ſie auch die Erbauer dieſer Burg geweſen ſind, welche, ihrer ganzen Anlage nach, den Zweck der Landesvertheidigung gegen Süden gehabt haben muß. Die Perren von Freyenſtein, welche von der Feſte ihren Namen haben, waren, ſo weit die Geſchichte reicht, nur Burgmänner und Vaſallen der Erbacher, und die Lehen, welche ſie in der Umgegend
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