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zu Gammelsbach, Niederſensbach u. ſ. w. beſaßen, waren Freyenſteiner Burglehen. Dieſelben werden im 14. Jahrhunderte ausdrücklich:„Waldauer Lehen“ genannt. Es war hier auch eine Schloßkapelle, welche einen eignen Kaplan hatte, der von den Schenken der Erbacher Linie, welche im Mittelalter die alleinigen Be⸗ ſitzer des Schloſſes waren, präſentirt wurde.— Freyenſtein wurde häufig von den alten Erbachern ihren Ge⸗ mahlinnen als Wittwenſitz verſchrieben.
Welch einen hohen Werth Freyenſtein, natürlich mit den dazu gehörigen Gütern und Gefällen, für ſeine Beſitzer gehabt haben muß, geht daraus hervor, daß im Jahre 1389 Schenk Eberhard IX. ein Viertheil der Burg mit ihren Zugehörungen an Cuntz von Helmſtädt für die, für jene Zeit bedeutende Summe von 1300 fl. verſetzte. Es war auch der Sitz eines Erbachiſchen Amtes, das von ihm ſeinen Namen hatte.
Ob die Freyenſteine, welche übrigens auch in Schwaben ſehr begütert geweſen zu ſein ſcheinen, nach dem Verkaufe ihrer hieſigen Beſitzungen ausgeſtorben ſind oder nur den Odenwald verlaſſen haben, darüber findet man hier keine Auskunft. Nach der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts kommen ſie im Erbachiſchen, nicht mehr vor.“
Kurz vor 2 Uhr ſagten wir der mehrerwähnten Burg und ihrer maleriſchen Umgebung Lebewohl und machten uns auf den Rückweg nach Beerfelden. Auf dem Marſche von Gammelsbach nach dem letztgenannten Orte mußten wir uns erhöhten Anſtrengungen unterziehen; denn der Boden, auf welchem wir uns bewegten, war aufſteigend, und die Schwüle der Luft hatte ſich in den Mittagsſtunden bedeutend geſteigert. Obwohl ſich mancher Seufzer— über die Lippen der Wanderer ſtahl, ſo verlor doch keiner der Weggeſellen den Muth. Nach einem anderthalb⸗ ſtündigen unbequemen Marſche betraten wir die Schwelle eines Gaſthauſes in Beerfelden, um ein beſcheidenes Mahl einzunehmen. Als wir uns an Speiſe und Trank erſättigt hatten, begab ſich der größere Theil der Geſell⸗ ſchaft nach der kaum eine Viertelſtunde abſeits von Beerfelden gelegenen uralten Mahlſtatt, wo ſich in früheren Zeiten die 28 Schöffen der Obercent zu verſammeln pflegten. Eine hochwipfelige Linde ſtreckt ihre alternden Arme über die intereſſante Stätte aus, und dicht neben dieſem altehrwürdigen Baum, den ſo mancher Sturm durchzaust hat, ſchaut düſter ein wohlerhaltener Galgen, beſtehend aus drei ſtarken, oben mit Querbalken verbundenen ſteinernen Säulen, auf den ernſthaften Ort nieder. Die Linde und der Rabenſtein belebten außerordentlich die Phan⸗ taſie der Beſchauer und gaben ihnen auch zu denken. Da ein Gewitter im Anzug war, ſo eilte die Geſellſchaft, die der gedachten Mahlſtätte einen Beſuch gemacht, nach der nahen Stadt zurück. Hier verweilten wir ſo lange, bis ſich die heranziehenden Wetterwolken entladen hatten. Kaum war Letzteres geſchehen, ſo traten wir friſch und fröhlich den Heimweg an. Auf demſelben verſetzten uns aber mehrere Wetter, die drohend über unſern Häuptern hinzogen, in lebhafte Beſorgniſſe. Faſt unaufhörlich rollte der Donner und durchſchlängelten Blitze die warme Luft. Auch ſtellte ſich ein heftiger Regen ein; doch bot uns gegen dieſen ein an der Straße gelegenes Wirthshaus erwünſchten Schutz. Erſt gegen Abend lächelte der Himmel aus tiefblauem Auge die erſchrockene Erde wieder an, und bald hatte ſie den Schreck vergeſſen. Munter förderten wir die Schritte, und ſchon lag die Heimat nicht mehr ferne: da durchlief plötzlich unſere Reihen eine uns alle tief erſchütternde Kunde. Es hieß, der Vater eines der Theilnehmer an der Excurſion wäre in der Gemarkung Michelſtadt's von einem Blitz erſchlagen worden. Wie lebhaft wünſchte unſer Herz, daß die Schreckenspoſt keine Beſtätigung finden möchte! Als wir aber leider nur zu bald volle Gewißheit über das tragiſche Ereigniß erlangten, da blieb kein Auge thränenleer. Vom innigſten Mitleid bewegt, kamen wir um 10 Uhr Abends in Michelſtadt an. Zwei Tage ſpäter be⸗ gleitete die Liebe und Achtung der ganzen hieſigen Bevölkerung den unerwartet raſch ſeiner Familie entriſſenen Mitbürger zum Grabe. Auch ſämmtliche Lehrer und viele Schüler der Anſtalt erwieſen dem Heimgegangenen die letzte Ehre. Sit ei terra levis!
In der 2. Hälfte des Monats September v. J. feierten wir unſer Turnfeſt in herkömmlicher Weiſe. Unter den feſtlichen Productionen nahmen ſelbſtverſtändlich die mannigfaltigſten Leibesübungen die erſte Stelle ein; einige erheiternde Geſänge, die von den jungen Turnern vorgetragen wurden, dienten gleichſam als Inter⸗ mezzo's. Trotz dem, daß rauhes, unfreundliches Wetter eingetreten war, hatten wir die Freude, die Reihen⸗ folge der vorgeführten Leiſtungen von der lebhaften Theilnahme ſowohl vieler Väter und Mütter, Brüder und Schweſtern unſerer Schüler, als auch vieler Freunde und Gönner der Anſtalt, namentlich Seiner Erlaucht des Herrn Grafen Adalbert zu Erbach⸗Fürſtenau, begleitet zu ſehen.
Am 28. September a. p. erfolgte eine(nicht öffentliche) Prüfung aller Claſſen.
Wie in allen Gauen des deutſchen Vaterlandes, ſo wurde auch in den Thälern und auf den Höhen des Odenwaldes das 50jährige Erinnerungsfeſt der Völkerſchlacht bei Leipzig am 18. October 1863 in wür⸗ diger Weiſe gefeiert. Leider fiel die Feier des glorreichen Tages, an welchem vor 50 Jahren das Joch der. Fremdherrſchaft gebrochen und dem großen deutſchen Vaterlande die Selbſtſtändigkeit und Freiheit wiederge⸗ geben wurde, in unſere Herbſtferien. So kam es, daß nur einige von den Lehrern und Schülern der Anſtalt ſich an dem ſchönen, allen Theilnehmern unvergeßlichen Feſte, das die Einwohnerſchaft Michelſtadt's am


