Jahrgang 
1861
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und Ehrlichkeit zu erziehen und ſie vor franzöſiſchem Leichtſinn und Uebermuth zu bewahren ſuchen, aber wir werden die franzöſiſche Sprache als ſolche, mag ſie auch oft genug zur Gleißnerei und Lüge gemißbraucht werden, nicht aus der Schule des höheren Bürgerſtandes verbannen dürfen. Aber, wie geſagt, wer dieſe Sprache lernen will, der muß ſie früh beginnen, und darum ſollten die Eltern nicht mehr ſo lange mit dem Eintritt ihrer Söhne in die Schule zögern. Nur diejenigen Knaben, die keine fremde Sprache erlernen wollen, können eher in etwas vorgerückterem Alter, die nöthigen Kenntniſſe vorausgeſetzt, in die höheren Klaſſen ohne Störung für die Schule und ohne Nachtheile für ihre Ausbildung aufgenommen werden; ſolche müſſen dann aber auch ihrem erſten Plane treu bleiben und nicht, wie es auch manch⸗ mal geſchieht, plötzlich mit dem Wunſche hervorrücken, nun auch noch, wie ſie ſagen, das Franzöſiſche mitzunehmen. Daraus entſteht für ſie nur Stück⸗ und Flick⸗ werk, für die Schule aber mannigfache Störung. Darum, wie bei Allem im Leben, feſte Entſcheidung, und wenn ſie getroffen iſt, conſequente Durchführung des einmal gefaßten Planes!

Wie bezüglich des Eintritts, ſo haben wir aber auch hinſichtlich des Aus⸗ tritts der Schüler Wünſche, die wir nicht verſchweigen wollen. Unſere Schule iſt ſo eingerichtet, daß ein Schüler, der ſie ganz durchlaufen will und dabei den nöthigen Fleiß anwendet, vier Jahre in ihr verbleiben muß. Schon lange aber iſt der Lehrplan ſo geordnet, daß denjenigen Schülern, welche recht feſt in den verſchiedenen Unterrichtsgegenſtänden werden wollen, ein Repetiren einer der beiden oberen Klaſſen, am beſten der zweiten, empfohlen werden muß. Und nur ſolche Schüler, die wirklich den ganzen Curſus der Schule abſolviren, alſo vier oder beſſer fünf Jahre in ihr verbleiben, können wir als den Maßſtab Deſſen gelten laſſen, was die Schule leiſtet. Bei ſolchen aber können wir auch aus der Erfahrung heraus die beſtimmteſte Zuſicherung geben, wenn ihnen anders das nöthige Talent nicht abgeht, daß ſie ebenſowohl in höheren Schulen mit Leich⸗ tigkeit weiter ſtudiren, als auch in den Geſchäften des bürgerlichen Lebens allen herkömmlichen Anforderungen ohne Anſtand entſprechen können. Nun aber kommt es noch immer nicht ſelten vor, daß auch aus den unteren Klaſſen ſchon, oft nach ein oder zwei Jahren, Knaben von der Schule abgehen und dennoch im Leben dafür angeſehen ſein wollen, daß ſie einmal Realſchüler geweſen ſeien; namentlich meinen noch immer nicht wenige Eltern, daß die Confirmation auch für unſere Schüler die Grenze der Schulzeit ſein müſſe. Das iſt aber eine ganz falſche Vorſtellung, und wer ſo denkt, thäte beſſer, er vertraute ſeine Söhne nie⸗ mals der Realſchule an, ſondern ſchickte ſie in die Volksſchule, die ja heut zu Tage überall meiſt recht Tüchtiges leiſtet. Die Volksſchule hat ihren ganzen Lehrplan ſo geordnet, daß ſie mit der Confirmation abſchließt; die Realſchule aber, die einmal auf einer breiteren Grundlage ruht, weil ſie mehr Unterrichts⸗ gegenſtände umſchließt, und zum Andern tiefer geht, weil ſie überall von ſtreng wiſſenſchaftlicher Methode ausgeht, kann nicht mit der Confirmation ihre Aufgabe als gelöſt betrachten und muß wenigſtens noch auf ein, beſſer aber noch auf zwei Jahre nach derſelben Anſpruch machen. Ich nehme gar keinen Anſtand, es auszuſprechen, daß die Volksſchule auf gleicher Altersſtufe in einem oder dem anderen Lehrgegenſtand oft weiter gehen kann, als die Realſchule, eben weil die letztere in ihrem Lehrplan eine ganz andere Oeconomie befolgt, als jene, und