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werde, oft aber auch eine gewiſſe Gleichgültigkeit in Erziehungsſachen mag die Schuld davon ſein. So geſchieht es denn nicht ſelten, daß die Kuaben erſt im 12. oder 13. Jahre zu uns kommen und dann in keine Klaſſe recht paſſen, weil ſie für die unteren zu alt, für die oberen aber zu mangelhaft vorgebildet ſind. Ganz beſonders nachtheilig iſt ſolch ſpäter Eintritt bei denjenigen Schülern, welche fremde Sprachen lernen ſollen. Jeder, wer ſolche erlernt hat, weiß, daß dazu vor Allem ein ſcharfes, frühzeitig geübtes Gedächtniß gehört, daß der Umfang Deſſen, was gelernt werden muß, wenn auch nur ein einigermaßen befriedigendes Ziel er⸗ reicht werden ſoll, ſehr groß iſt und darum nicht in 2—3 Jahren bewältigt werden kann, ja, und das iſt eine Hauptſache, daß auch dazu eine Bildung der Sprachorgane gehört, die nicht früh genug begonnen werden kann, zumal in einer Gegend, wie die unſrige, wo au ſich die Sprache des gemeineu Lebens nichts weniger, als fein und weich genannt werden kann. Wer darum ſeinen Sohn fremde Sprachen lernen laſſen will, der eile, ihn ſeinen Curſus bald bei uns beginnen zu laſſen. Bezüglich derjenigen Knaben, welche auf das Lateiniſche reflectiren, haben wir nun zwar in dieſer Beziehung keine Klage mehr zu führen, aber jener Rath gilt auch namentlich bezüglich der Schüler, welche Franzöſiſch lernen ſollen.
Nun ſagt vielleicht Mancher im Hinblick auf Das, was in unſeren Tagen ge⸗ ſchieht, und es iſt wirklich ſchon geſagt worden:„Weg mit einer Sprache, die wiederum, wie zu unſerer Väter Zeiten, dazu benutzt wird, in ſchmählichſter Weiſe die Welt mit einem Lügennetz zu umſtricken, aus Recht Unrecht und aus Unrecht Recht zu machen und Alles, was ſonſt den Völkern heilig war, in den Staub zu ziehen; erzieht eure Schüler zu deutſcher Treue und Wahrhaftigkeit; lehrt ſie ihre herrliche Mutterſprache richtig und tüchtig verſtehen und gebrauchen, und ſchmeichelt nicht dem Uebermuth unſeres Erbfeindes, indem ihr ſeiner Sprache in unſern vater⸗ ländiſchen Schulen eine ſo hervorragende Stelle anweiſt. Denen, die ſo ſprechen, antworten wir: Ihr meint es wohl ſehr gut und wir billigen ganz die tiefere Abſicht, die eurer Rede zu Grunde liegt; aber es dürfte nicht ſchwer ſein, den Be⸗ weis zu führen, daß Ihr zu weit geht. Einmal darf man einer ganzen Nation nicht zur Laſt legen, was einzelne kühne und gewiſſenloſe Abentheurer und ehr⸗ und geldgeizigen Glücksritter, die der Zufall zu Anſehen und Einfluß gebracht hat, ver⸗ brochen haben und noch verbrechen werden. Ferner iſt zu beachten, daß auch die franzöſiſche Nation von der göͤttlichen Vorſehung beſondere Gaben und Kräfte er⸗ halten hat, die wir, wie das Eigenthümliche jeder Nation, anerkennen und ſchätzen müſſen; wer ſo weit gekommen iſt, daß er ſich mit der franzöſiſchen Literatur be⸗ kannt machen kann, dem werden ſich auch in ihr reiche Fundgruben der erhabenſten Gedanken und edelſten Grundſätze erſchließen. Dabei iſt nun einmal das Franzö⸗ ſiſche ohne unſer Zuthun die Weltſprache geworden; wer nur einigermaßen in ihr bewandert iſt, kann ſich in allen Ländern der Welt zurecht finden und künftige Ge⸗ ſchäftsleute, wie die meiſten unſerer Schüler einſt werden wollen, wiſſen nicht, wann und wo ſie einmal die hier geſammelten Kenntniſſe in dieſer Sprache nöthig haben. Endlich aber iſt gerade das Franzöſiſche ein herrliches Mittel zur Bildung und Verfeinerung des deutſchen Organs, und die Beſchäftigung auch nur einiger Jahre damit drückt ſchon dem deutſchen Idiom unverkennbare Spuren auf. Darum werden wir denn auch nach wie vor der franzöſiſchen Sprache in unſerer Schule eine her⸗ vorragende Stelle anweiſen; wir werden zwar unſere Schüler in deutſcher Treue
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