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bei dem nie völlig erreichten Ziel ſeines Strebens zu ermüden, bald den friſchen Muth und die lebendige Begeiſterung, bald die ſchonende Nachſicht und die tragende Geduld zu verlieren, welche Eigenſchaften alle zu ſeinem Amte nöthig ſind, als der Lehrerſtand! Gegen ſolche Gefahren des inneren Verkommens ſchützt nur ein frommer und feſter Glaube, der das Herz warm, den Muth friſch und die That⸗ kraft lebendig erhält, daß ſie ſich nie genug thut und immer zu nenen Erfolgen fortſchreitet. Daß darum auch in dieſem Jahre unſere Schule, wie die Tage der Prüfung bewieſen haben, ihr Ziel erreicht hat, das war nur unter dem gnädigen Beiſtand des Herrn unſeres Gottes möglich. Ihm ſei darum heute inniger und demüthiger Dank geſagt; Dank dafür, daß Er uns Lehrer geſund erhalten, Dank auch, daß Er die Mehrzahl unſerer Schüler vor Krankheit bewahrt und auch den wenigen, die von ſolchen befallen waren, die Wiedergeneſung in Gnaden verliehen hat; Dank aber auch, daß Er unſere Kraft nicht hat erlahmen, unſern Muth nicht hat ſinken laſſen und auf unſer ſchwaches Bemühen Seinen reichen Segen gelegt hat, ſo daß wir heute mit Freuden auf das vollbrachte Tagewerk eines Schuljahres zurückblicken können.
Ein zweites Gefühl, das mich erfüllt, iſt aufrichtige Freude darüber, daß unſere Schule gegenwärtig in nahen und fernen Kreiſen eine ſo lebhafte und warme Theilnahme gefunden und, was ihre Schülerzahl betrifft, eine Ausdehnung ge⸗ wonnen hat, die all unſeren Wünſchen entſpricht, ja all unſere früheren Erwar⸗ tungen weit übertrifft. Wir haben im vorigen Jahre die allmählige Entwickelung der Schule im Einzelnen nachgewieſen; wir haben gezeigt, wie ſie ſich von kleinem unſcheinbarem Anfang aus nach und nach unter mancherlei Schickſalen zu immer weiterer Bedeutung entfaltet hat, und haben die bald ſteigende, bald fallende Schülerzahl der einzelnen Jahre zuſammengeſtellt. Eine ſolche Frequenz aber, wie im verfloſſenen Jahre, nämlich 107 Schüler im Ganzen, iſt noch nicht dage⸗ weſen, und wir haben darum gewiß Urſache, heute öffentlich unſere Freude darüber auszuſprechen. Einen gegen ſonſt beſonders großen Beitrag zu dieſer Schülerzahl hat unſere Schweſterſtadt Erbach geliefert, und ich fühle mich gerade hierdurch zu einigen beſonderen Bemerkungen veranlaßt.
Schon lange war es unter allen Denen, die mit den Verhältniſſen der hieſigen Gegend vertraut ſind und ſich für das Wohl derſelben, vor Allem für eine tüchtige Heranbildung der Jugend intereſſiren, keine Frage, wie höchſt wünſchenswerth es wäre, wenn Erbach und Michelſtadt in Erhaltung und Hebung einer höheren Lehr⸗ anſtalt, wie unſere Realſchule iſt, ſich freundlich und einträchtig die Hand böten. Was Eintracht und Zuſammenhalten in der Welt nützen können, das zeigt die Geſchichte; was aber Zwietracht und gegenſeitige Eiferſucht ſchaden können, das zeigt uns leider ein Blick auf die Gegenwart und auf die Lage unſeres Vaterlandes. Nun könnte man mir freilich von Erbach aus einwenden: Ja, Ihr habt gut reden, Ihr habt die Realſchule an eurem Wohnorte, eure Kinder haben höchſtens 5 Mi⸗ nuten bis zur Schule zu gehen, die unſrigen aber eine halbe Stunde und mehr, und was ſie oft für einen ſauren Gang zu machen haben, das haben uns zumal die letzten Wochen gelehrt. Das Alles iſt wahr; aber ſo lange die Realſchule nicht in der Mitte zwiſchen Erbach und Michelſtadt ſteht— ein oft gehörter Wunſch, der zwar ſehr ſchön lantet, aber wohl niemals realiſirt werden wird— ſo lange muß doch die⸗ ſelbe in einer der beiden Städte ſein, und daß in dieſer Beziehung diejenige Stadt,


