Jahrgang 
1861
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damals die Wünſche für das Gedeihen der neuen Anſtalt ausſprachen, leben noch heute in der Tradition unſerer Schule fort. So hat denn dieſer Saal vor einem Menſchenalter ſchon gleichſam ſeine pädagogiſche Weihe erhalten, und wir brauchten darum nicht zu fürchten, wir ſtänden mit der heutigen Feier auf einem den Zwecken der Schule allzu fremden Boden. Daß auch Sie, verehrte Anweſende, Ihre gewohnte Theilnahme an dem Actus nicht durch den Tauſch des Lokals haben erkalten laſſen, davon iſt mir Ihre zahlreiche Verſammlung ein ſprechender Beweis. Möchten Sie Sich denn nur überzeugt haben, daß der Geiſt unſerer Schule, wie er ſich heute hier ausſprach, kein anderer iſt, als der, welchen Sie in unſerem gewöhnlichen Lokal zu finden gewohnt waren.

Darf ich nun noch zum Schluß unſerer Schulfeierlichkeit einige Augenblicke um Ihre gütige Aufmerkſamkeit bitten, ſo fühle ich es ſehr wohl, daß ich nach der ſchweren Geduldsprobe, die Ihnen bereits durch das Anhören der vielen und mannigfaltigen Vorträge der Schuler zugemuthet worden ſind, nur wenige Worte zufügen darf. Ganz aber kann ich nicht ſchweigen, zunächſt, weil es mich drängt, von den Gefühlen und Empfindungen, die mein Herz am Ende unſeres Schuljahrs erfüllen, öffentlich Zeugniß abzulegen; ſodann, weil die Gelegenheit, mit einer zahlreichen Verſammlung von Eltern und Schulfreunden über manche Einrichtungen der Schule ſich zu verſtändigen und manche Wünſche ihnen vorzutragen, ſo höchſt ſelten kommt, daß es Unrecht wäre, wenn ſie einmal da iſt, ſie nicht zu beuutzen.

Um zunächſt meine Gefühle im Rückblick auf das mit dem heutigen Tage zu Ende gehende Schuljahr öffentlich zu bezeugen, ſo iſt es vor Allem inniger, demü⸗ thiger Dank gegen Gott, der mich erfüllt. Wir brauchen alle, das wiſſen wir, bei all unſerm Beginnen der Hülfe des Herrn; wo der Herr nicht das Haus bauet, ſo arbeiten umſonſt, die daran bauen; wo Er nicht die Stadt behütet, ſo wachet der Wächter umſonſt. Aber vielleicht kein Stand wird ſo täglich, ja ſtündlich darauf hingewieſen, daß er ohne den Beiſtand Gottes gar Nichts iſt und gar Nichts leiſtet, als der Lehrerſtand, wenn er anders ſeinen Beruf nicht als ein blos äußeres Amt, das ihm Brod und Anſehen gibt, ſondern, wie er es denn in der That iſt, als einen Auftrag Gottes anſieht, Ihm die Herzen der Jugend zu⸗ zuführen, für Sein Reich, das Reich der Wahrheit und der Gerechtigkeit, Seelen zu gewinnen und das irdiſche Leben mit ſeinen Mühen und Sorgen, mit ſeinem Ringen und Arbeiten zu veredlen und zu verklären durch die ewigen Güter des Himmels. Ein Lehrer, der ſeinen Beruf ſo auffaßt, weiß es, daß ihm die Kraft zu demſelben nur von oben kommen muß. Wenn wir nur an die äußere Seite des Lebens denken, was iſt ein Lehrer ohne eine feſte Geſundheit! Wen drückt jede Stunde, die er Krankheit wegen zu Hauſe zubringen muß, mehr, als den pflichtgetreuen Lehrer; wer ich darf es gerade ſagen hat weniger Zeit dazu, ſeinen kleinen Leiden und Schmerzen abzuwarten, als der Lehrer! In Weſſen Hand aber ſteht unſer Leben und unſere Geſundheit, und Wem gebührt der Dank, wenn wir Lehrer dieſer Jugend im Rückblick auf das verlaufene Schuljahr uns ſagen dürfen, daß keiner auch nur zu nennenswerthen Verſäumniſſen durch Krankheit ge⸗ zwungen war? Aber weit mehr noch, als im Aeußeren, haben wir Lehrer nach der inneren Seite unſeres Wirkens den Beiſtand des Herrn nöthig. Oder wer wäre häufiger und leichter in Gefahr, bei den immer aufs Neue ſich wiederholen⸗ den Kämpfen gegen die Mängel und Schwächen der menſchlichen Natur zu ermatten,