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H. Als Beigabe: Schulrede des Dirertors auf dem Actus 1860.
Hohe und hochgeehrteſte Anweſende!
Schon ſeit einigen Jahren trat uns die Nothwendigkeit nahe, dieſe heutige Schluß⸗ feier unſerer Jahresprüfung aus den engen Räumen unſeres Schullokals anders⸗ wohin zu verlegen, um ſowohl für die große Anzahl der Schüler, als auch für die zahlreiche Verſammlung der Eltern und Schulfreunde mehr Platz zu gewinnen. Wir trugen aber immer Bedenken, dieſen Schritt zu thun, weil mancherlei Gründe von einer ſolchen Verlegung abrathen wollten. Es ging uns wie einer Familie, die lange Zeit in einer wenn auch beſchränkten Wohnung die Freuden und Leiden des Lebens erfahren hat; man gewöhnt ſich allmählig ſo an die umgebenden Räume, daß man ſie nur ungerne verläßt, trotzdem man die ſichere Ueberzeugung hat von den Vortheilen eines Tauſches. Allein dieſes Jahr mußten alle unſere Bedenken vor der Stimme der Nothwendigkeit ſchweigen; ſowohl die aufs Neue gewachſene Schülerzahl, noch mehr aber die Verwendung der an unſern Zeichenſaal ſtoßenden kleineren Nebenzimmer zu Schulzwecken, die ihr Ausräumen nicht geſtatten, ließ uns nur die Alternative, entweder die herkömmliche Actusfeierlichkeit ausfallen zu laſſen oder dieſelbe aus dem gewöhnlichen Raume in einen andern zu verlegen. Zu dem Erſteren konnten wir uns nicht entſchließen, weil der Actus ſich als eine feſtſtehende Gewohnheit bereits ſeit vielen Jahren in unſerm Schulleben eingebür—⸗ gert hat und man gute und als nützlich bewährte Gewohnheiten nicht abſchaffen, ſondern erhalten ſoll; auch weil wir die freundliche Theilnahme, die das Publikum allezeit an dieſer Feier genommen hat, ſehr zu ſchätzen wiſſen und uns und der Schule zur großen Ehre rechnen. So mußten wir uns denn die Frage vorlegen, welche andere Räume in unſerer Stadt etwa für die heutige Feier verfügbar wären. Zum Glück überhob uns die Freundlichkeit des Herrn Eigenthümers dieſes Hauſes, der uns ſeinen Saal bereitwilligſt zur Verfügung ſtellte, jeder Verlegenheit bei Beantwortung dieſer Frage. Gerade dieſer Saal aber ließ mancherlei Bedenken, die uns früher von einem Auszuge abhielten, um ſo leichter verſchwinden, als derſelbe in einer gewiſſen verwandtſchaftlichen Beziehung zu unſerer Schule ſteht. Vor etlichen und 30 Jahren nämlich wurden hier in dieſen Räumen die Prüfungen des Progymnaſiums, des hiſtoriſchen Fundamentes unſerer heutigen Realſchule, gehal⸗ ten; ebenfalls wurde hier vor 26 Jahren das Feſtmahl gehalten, das ſich an die Einweihung unſerer Schule anſchloß, und manche geiſtreiche Worte, in denen ſich


