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und brittiſchen Wagenlenker, als die Edeln im Volk, wie die Homeriſchen Vorkämpfer zu Wagen, gewohnt vor dem Fußvolk und mit demſelben in die ähnlich aufgeſtellte feind⸗ liche Schlachtreihe einzubrechen. Da ſie nun die römiſchen Reiter am Flügel aufgeſtellt ſahen, ſo mögen ſie ſich gleich anfangs, während Agricola ſeine Schlachtordnung länger ausdehnte, (denn daß dies ſpäter, dem Feinde ſchon gegenüber geſchehen ſei, beweiſt das erſt nach der Meldung der beiderſeitigen Stellungen eintretende: Tum Agricola— constitit) gegen dieſe Reiterflügel, als ihre eigentlichen Gegner, aus dem Mittelfelde gezogen haben. Nach der Flucht der Reiterei aber wenden ſie ſich zu ihrer herkömmlichen Kampfesweiſe, vor und mit ihrem weichenden Fußvolk zu ſtreiten. Der damalige Leſer ſagte ſich das Alles wohl leicht ſelbſt, und deshalb ließ es Tacitus ungeſagt.
In dem vorliegenden Falle nehm' ich aber lieber an, daß Tacitus abſichtlich ſo kurz die Reiterniederlage berichtet. Keine Nation, uns Deutſche etwa ausgenommen, mag Nieder⸗ lagen gern ehrlich eingeſtehn; am wenigſten vielleicht die Franzoſen und die Römer, und unter ihnen vor Allen Tacitus. Man erinnere ſich an die Schlachten mit den Germanen oder vergleiche das characteriſtiſche 16. Cap. des Agricola, wo des Paulinus Siege und Ab⸗ berufung aus der Provinz ſich wunderlichſt ausnehmen. Gelegentlich will ich bemerken, daß dort die Verbeſſerung proprius ſtatt propius timor agitabat unumgänglich nöthig iſt. Wie nahe nun lag es hier, bei dieſem glänzenden Siege des Agricola, den er nur mit den Hilfstruppen, ohne die Legionen vom Walle zu entfernen, mit faſt überkecker Dehnung der Schlachtlinie, er ſelbſt zu Fuß an der Spitze der Vexillen, erfochten hatte, jene fatale Flucht der Reiterei möglichſt kurz zu erwähnen! Endlich beſorg' ich, daß Viele die ganze Kraft der Perfectform fugere nicht h inreichend ins Auge faſſen. Tacitus macht mit ſo kurzen Sätzen, in denen er die Form auff r e. zu gebrauchen pflegt, den verſchiedenſten Effect; ſo gleich im Agricola ſelbſt, Cap. 27. e ptepjwgua luce fulsere signa; oder 35, legiones pro vallo stetere. Deshalb durft' ich oben in meiner Ueberſetzung dieſer kräftigen Form mit vollem Recht da⸗ durch nachzukommen ſuchen, daß ich ſchrieb:„Indeſſen waren unſre Reiter in die Flucht gejagt.“ Ebenſo iſt der Ausdruck, covinari prælio se miscuerunt mit gutem Bedacht überſetzt: ſie mengten ſich in die Schlacht. Denn wie überhaupt dem miscere leicht etwas bedenk⸗ liches anhaftet, ſo kommt es bei Tacitus kaum anders vor als mit dieſer Nebenbedeutung; wo aber von Militairangelegenheiten die Rede iſt, bedeutet es allemal etwas ungehöriges, tumultuariſches und ordnungswidriges. Alſo auch dies Wort würde Tacitus nicht gebraucht haben, wenn er von einem geregelten Angriffe der römiſchen Reiterei auf Geheiß des Feld⸗ herrn berichtet hätte. Noch einer Einrede gegen eine Niederlage der römiſchen Reiter hab' ich vielleicht zu begegnen; da die Angabe des römiſchen Verluſtes am Schluß des 37. Cap. auf nur 360 Mann mit ihr zu ſtreiten ſcheint. Allein aus ihr iſt nur erſichtlich, daß ich den prägnanten Sinn des fugere in meiner oben verſuchten Satzerweiterung richtig gefaßt habe: die Reiter, von den herbeiraſſelnden Wagen erſchreckt, waren zerſprengt. In einem Lande wie Caledonien werden ſie ſich nach Verwindung des Schreckes bald wieder beim Heere ein⸗ gefunden haben; ja vielleicht haben ſie noch an der Verfolgung der Flüchtigen Theil genommen.


