Jahrgang 
1850
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Nach Cap. 35. bilden bei den Römern das Mitteltreffen 8000 Mann Hilfstruppen; ihnen ſchließen ſich an beiden Flügeln 3000 Reiter an. Dieſe Schlachtordnung iſt den Britten gegenüber aufgeſtellt, welche von der Ebene aus, die ihr erſter Zug beſetzt hält, ſich in dicht⸗ geſchaarten Reihen eine Berghöhe hinanziehn*). Das Mittelfeld zwiſchen beiden Heeren füllen die caledoniſchen Wagenlenker hin und wieder jagend mit lautem Getümmel. Agricola, der von den dichtgeſchaarten Feinden, wenn ſie die Höhen herabſteigen, Ueberflügelung befürchtet, (zumal wenn ſie, nach unſrer Note, eine amphitheatraliſche Stellung, mit Vertiefung des Centrums, bilden) hat in muthigem Siegesvertraun vorgezogen, ſein Fußvolk über Gebühr auszudehnen, um ohne Zutritt der Legionen, die er am Lager hält, die Feinde citra Roma- num sanguinem zu ſchlagen.

Eine Zeitlang wird zwiſchen den ſo ſtehenden Heeren aus der Ferne mit Wurfſpießen gekämpft. Tacitus unterläßt zu berichten, ob an dieſem Kampf ſich die Covinarier betheiligt haben. Man ſollt' es, nach Homeriſcher Analogie jedenfalls meinen; was hatten ſie auch ſonſt vor der Schlachtlinie zu thun? ſicher aber iſt, was wieder ungeſagt geblieben iſt, daß ſie damals wenigſtens das Mittelfeld verlaſſen hatten, als Agricola, die Ueberlegenheit der Britten im Speerwerfen wahrnehmend, die bataviſchen und tungriſchen Cohorten zum Kampf in der Nähe den Berg hinan das caledoniſche Fußvolk angreifen läßt.(Wollte Jemand etwa unſern Satz interim equitum turmae covinari(beides von den Caledoniern verſtanden) auf dies Zurückweichen beziehen, ſo würd' er unauflöslichen Schwierigkeiten begegnen.) Auch brechen wirklich die Covinarier in der von uns behandelten Stelle von Neuem in die Schlacht des Fußvolks ein: covinarii peditum se prælio miscuere, et recentem terrorem intulerant. Sie haben ſich alſo zwiſchen dem Fußvolk herausgezogen und ohne Frage den römiſchen Rei⸗ tern auf beiden Flügeln gegenübergeſtellt. Gewiß ſind ſie auch dort nicht unthätig geblieben; und Niemand zweifelt an einem Kampfe mit den römiſchen Reitern. Daß ſie aber geſiegt haben, erhellt aus Folgendem: Einmal ſteht dies mit klaren Worten, die wir nicht den min⸗ deſten Grund haben zu tilgen, im Schriftſteller. Dann aber: die Covinarier mengen ſich in

*) Ich kann mich nicht überzeugen, daß dieſer Satz: ut ceteri per acclive iugum con- nexi velut iusurgerent, in Ordnung ſei; velut muß zu connexi bezogen werden; denn was ſoll es bei insurgerent aber wenn auch in anderen Satzbildungen velut zuweilen uachſteht, ſo bleibt es doch hier anſtößig; namentlich auch deshalb, weil niemand das Bedürfniß eines velut bei connexi begreift. Denn iſt dies auch nicht ein militäriſches Wort, ſo drückt es doch die Sache auf das natürlichſte aus, wenn es nichts weiter als ein einfaches Ver⸗ bnndenſein bezeichnen ſoll. Daß aber velut dabei ſteht, beweiſt, daß es ein ſpecielles zu⸗ ſammenhängendes Aufſteigen andeutet, das durch velut mit einem ſonſt bekannten, ähnlichen ver⸗ glichen und vor die Augen geführt werden ſoll. Dies Wort wird alſo ausgefallen ſein. Ich er⸗ gänze: ut ceteri per acclive iugum convexi(wie nun erſichtlich der Vat. ſchreibt) velut euneis insurgerent. Sie waren, wie man jetzt mit allgemeinem Mißbrauch ſpricht, amphi⸗ theatraliſch aufgeſtellt. Das dem Schlachtfeld wie dem Theater gleich zuſtehende Wort cuneis giebt einen hübſchen Commentar zu dem ſonſt etwas auffallenden 8 d dνοεν, inspeciem simul ac terrorem constiterant.