Jahrgang 
1850
Einzelbild herunterladen

18

durch einen beſondern Gräcismus haänufig der Aoriſt. Matthiä§. 502, 3.:Die Bedeutung pflegen hat der Aoriſt, in ſo fern man eine Handlung als einen einmal da gewe⸗ ſenen Fall betrachtet. Bernhardy Wiſſenſch. Syntax S. 382.:Der Aoriſt iſt allgemein ſeit den Epikern in Gebrauch geweſen, um das in einzelnen Momenten wiederkehrende ſür den Sinn des Pflegens, an ſich und in Verhindung mit Präſentien, zu bezeichnen. Roſt§. 116. 8. A. 4.:In Allgemeinſätzen ſteht der Aoriſt ſtatt des deutſchen Präſens.. Er ſteht hier in ſeiner gewöhnlichen Bedeutung: er bezeichnet nämlich das in der Vergangen⸗ heit Wahrgenommene, nur nicht als einzelnen Moment, ſondern als öfters bemerkte Erſchei⸗ nung, ſo daß auch in der deutſchen Ueberſetzung das Verbum pflegen dem durch den Aoriſt bezeichneten Verbalbegriff oft paſſend beigefügt werden kann. Madvig§. 111. A. a.: Der Aoriſt ſteht von dem, was manchmal geſchehen iſt und mithin(in einzeln vorkommenden Fällen) zu geſchehen pflegt. Krüger, der§. 53, 5. u. 6. dieſen Gebrauch des Aoriſts nicht abgeſondert behandelt, ſcheint ihn bei den Worten im Auge zu haben:Als die Form, welche eigentlich das Eintreten in die(vergangene) Wirklichkeit bezeichnet, wurde der Aoriſt das abſoluteſte Tempus der Vergangenheit; ſelbſtauf dauernde Vorgänge anwendbar. Am meiſten genügt mir hier Kühner's Erklärung, Sch. Gr.§. 256. 4. b. welcher, nach Anführung des Sprachgebrauchs ſelbſt, bemerkt:der Grieche ſetzt ſtatt der mehrfach ſich wiederholenden Er⸗ ſcheinung einen einzelnen Fall, in dem ſie ſich bethätigte, und verſinnlicht auf dieſe Weiſe den Begriff des Allgemeinen. Dieß iſt allerdings die Wirkung des Ausdrucks, nur ohne das Bewußtſein ſolcher Abſicht. Es liegt das zuverſichtliche Vertrauen auf die ſubjective Erfah⸗ rung zu Grunde: der Redende beruft ſich auf dasjenige, was im einzelnen Falle geſchehen iſt, und erwartet vom Hörer und Leſer, daß er die unvollkommene Induction zu einem genügen⸗ den Reſultate abſchließe. Es tritt ſo recht eigentlich ans Licht, wie in dem epagogiſchen Ver⸗ fahren, nach des Philoſophen Ausdruck, das 7105 ν το ⁸6 s zu dem 106510 guce⸗ erhoben wird, aus dem Beſonderen der ſinnlichen Erſcheinung das Allgemeingültige gewon⸗ nen werden ſoll.

Dieß ſind die wichtigſten Eigenthümlichkeiten des griechiſchen Sprachgebrauchs, welche ſich mir nach längerer Beobachtung als Ausdruck jener vorherrſchenden Neigung dargeboten haben, dem perſönlichen Verhalten des redenden Subjectes zu dem auszuſprechenden Gedan⸗ ken einen Einfluß auf die Form und Stellung des Satzes einzuräumen. Es ließe ſich noch manche andere Erſcheinung, und namentlich die weitgreifende Freiheit der Anakoluthie, welche der Sprache der edelſten Schriftſteller, eines Thukydides und Platon, häufig den be⸗ ſonderen Reiz geiſtreicher Beweglichkeit verleiht, auf denſelben Grund zurückführen; allein ich wollte zunächſt von dieſer Betrachtung alles dasjenige ausſchließen, was nicht dem Geſetze einer umfaſſenden Analogie unterliegt, oder was ſonſt den Zweifel einer anderen Auffaſſung zuläßt. Dagegen möchte ich zum Schluſſe dieſer Erwägungen auf eine andre Seite der eigen⸗ thümlichen griechiſchen Ausdrucksweiſe hindeuten, welche mit der bisher in Betracht gezogenen, wenn auch nicht in directem, doch, wie ich nicht zweifle, in mittelbarem Zuſammenhange ſteht. Im Vergleich zu allen neueren Sprachen, und insbeſondere zu der deutſchen, macht ſich ſchon bei den einfachſten Ueberſetzungsverſuchen aus dem Griechiſchen, in dieſem eine Vorliebe be⸗